21.10.2010, 00:39

IM INTERVIEW JOHANNES MÖRTL

Herr Mörtl, wie spannend war es für Sie und Ihr Team, die ATX-Mitglieder einem Stresstest zu unterziehen?

Es war auf alle Fälle eine spannende Herausforderung, mit vergangenheitsbezogenen Daten einen Stresstest durchzuführen, da in der Regel bei einem derartigen Test ja zukunftsgerichtete Daten verwendet werden. Aber aus den Trends der untersuchten Unternehmen lässt sich sehr gut auf die Zukunft schließen.

Bevor wir zu einem Fazit kommen: Was sollten Anleger Ihrer Meinung nach beachten, bevor sie eine Aktie kaufen?

Die breite Masse hat natürlich nicht die Möglichkeiten eines Warren Buffett und muss sich auf die Aussagen von Experten verlassen. Sinnvollerweise sollten Anleger aber schon auf dynamische Kennzahlen achten und nicht nur auf rein statische Daten-und auch nicht alleine auf Kennzahlen wie ein Kurs-Gewinn-Verhältnis oder die Kursentwicklung.

Welche dynamischen Kennzahlen sollten denn bevorzugt betrachtet werden?

Ich würde die Betrachtung der Cashflow-Trends und Rentabilitätskennzahlen empfehlen, also etwa die Umsatzrentabilität auf Basis des EBIT bzw. auf Basis des Jahresgewinns. Wobei wir eher die Kennzahl auf EBIT-Basis betrachten, weil sie den gesamten Bereich der Finanzierung ausschließt. Und dieser ist ein sehr volatiler Bereich und unterliegt sehr starken, oft externen Einflüssen.

Was sollten Investoren zudem beachten?

Wenn man Unternehmensbilanzen betrachtet, ist es außerdem sehr wichtig, dass man den Anhang liest. Denn dort erhalten Anleger wichtige Informationen etwa zu Eventualverbindlichkeiten, zu Leasingverpflichtungen, aber auch zu Investitionen. Eine weitere Hilfestellung können auch komprimierte Daten und Kennzahlen über Unternehmensergebnisse am Beginn der Geschäftsberichte sein.

Nach dem Stresstest-wie lautet Ihr Fazit? Wie sind die österreichischen ATX-Mitglieder aufgestellt?

Die österreichischen börsenotierten Unternehmen sind vergleichsweise gut durch die Krise gekommen. Wir können also durchaus zufrieden sein. Abgesehen von ein paar ganz wenigen Ausreißern haben wir es mit soliden und gut finanzierten Unternehmen zu tun. Das lässt für die Zukunft hoffen.

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