01.04.2011, 00:34  von Raja Korinek

"Uran ist nicht das einzige Element mit Nachteilen"

Mark Kolebaba gibt sich realistisch und meint, dass das Japan-Desaster die Nachfrage nach Atomkraftwerken und Uran nicht bremsen wird. Dazu ist der Energiehunger in China und in Indien viel zu groß.

WirtschaftsBlatt: Seit Jahresanfang, als das schwere Erdbeben Japan heimsuchte, ist auch der Uranpreis recht kräftig gesunken. Wie geht es in nächster Zeit weiter?

Marc Kolebaba: Immerhin lag der Preis Mitte des Vorjahres noch bei 40 US-$ und erreichte Ende 2010 knapp mehr als 70 $. Nach dem Rückfall hat er sich inzwischen bei rund 60 $ eingependelt. Auf diesem Preisniveau können die meisten Urangesellschaften weltweit profitabel fördern. Ich denke, das ist ein Preisniveau, das wir auch zu Jahresende sehen werden. Als der Preis vor sechs Jahren noch bei sieben Dollar notierte, gab es freilich auch schon profitable Unternehmen. Dabei wurden aber vor allem leicht zugängliche Uranvorkommen gefördert, die Großteils inzwischen aufgebraucht sind.

Handelt es sich eher nur um eine kurzfristige Preiserholung nach dem Abverkauf?

Nein, das glaube ich nicht. Der Preis befindet sich nach wie vor in einem langfristigen Aufwärtstrend. Schon deshalb, weil sich China in jüngster Vergangenheit langfristige Lieferverträge für rund 100 Millionen Pfund auf die kommenden zehn Jahre gesichert hat. Das sind in etwa sechs Prozent einer Jahresproduktion. Und das war auch der Haupttreiber des Uranpreisanstiegs auf 73$ zu Jahresende 2010.

Wird man sich jetzt nicht eher verstärkt nach anderen Energiequellen umschauen, etwa nach Erdgas? Immerhin hat die CDU in Deutschland deshalb die Wahlen in Baden-Württemberg verloren.

Dazu muss man sagen, dass die Reaktoren in Deutschland teils sehr alt sind. Und in jenen Regionen der Welt, wo neue Reaktoren bereits im Bau sind, wird man die Errichtung nicht mehr anhalten. Das gilt allen voran für China und Indien, die auf diese Weise einen Teil ihres enormen Energiehungers stillen wollen. Was man schon sehen wird, sind steigende Sicherheitsvorgaben von Regierungen und den zuständigen Behörden. Die AKW werden sicherer werden. Außerdem ist die Katastrophe in Japan nicht auf ein Versagen der AKW zurückzuführen. Immerhin erschütterte Japan ein Erdbeben von 9,0 auf der Richterskala, gefolgt von einer gigantischen Tsunami-Welle. Dabei werden immer wieder Parallelen zu Tschernobyl gezogen. Doch bislang ist der Super-GAU in Japan ausgeblieben. In Wahrheit kann niemand ernsthaft abschätzen, was noch passieren wird. Aber natürlich kann man einen Super-GAU nicht zur Gänze ausschließen.

Sie glauben also nicht, dass die Nachfrage nach Uran sinken wird?

Einen Rückgang gibt es ja bereits, da die Nachfrage aus Japan nun wegfällt. Damit wird die Nachfrage heuer um rund vier Millionen Pfund schrumpfen. Allerdings ist das freilich nur ein kleiner Prozentsatz in einem Gesamtkontext. 2009 erreichte die weltweite Nachfrage rund 180 Millionen Pfund. Die Produktion erreichte übrigens nur 140 Millionen, der Rest wurde aus der Weiterverarbeitung etwa aus der nuklearen Abrüstung aus Russland abgedeckt.

Welche Auswirkungen hatte das Atomdesaster unmittelbar auf Unternehmen wie Ihres?

Die Einstellung vieler Anleger gegenüber dem Uranminensektor hat sich schlagartig verändert. Und zwar gegenüber Explorern, wie wir es sind, aber auch gegenüber Produzenten, die bereits Uran fördern. Nach dem Erdbeben in Japan ist unser Aktienkurs von 0,43 auf 0,18 kanadische $ gefallen. Inzwischen hat sich der Kurs aber auf rund 0,25 wieder etwas erholt. Das zeigt auch, dass Anleger den ersten Schock inzwischen verdaut haben, zumal zahlreiche Länder ohnedies an ihrer Atompolitik festhalten werden. Denn ich glaube, dass es kaum Alternativen zur Kernenergie gibt. Nehmen Sie beispielsweise die Kohle- oder die Ölindustrie. Vor allem Kohle ist stark umweltverschmutzend und führt zu zahlreichen Todesfällen. Die Nuklearindustrie hat in der Vergangenheit vergleichsweise weniger Todesopfer gefordert. Natürlich muss man abwarten, was in Japan noch passieren könnte.

Oftmals ist doch das Problem, dass viele Krebsleiden erst Jahre später aufkommen und nicht mehr direkt auf Verstrahlungen zurückzuführen sind?

Da stimme ich Ihnen zu. Dennoch darf man nicht übersehen, dass die jährlichen Todesfälle in Zusammenhang mit der Kohleindustrie sehr hoch sind. Eines der Hauptprobleme dabei sind die häufigen Einstürze in den Kohleminen. Im Gegensatz zu Uranminen sind die Gesteine in Kohleminen meist viel weicher. Außerdem bildet sich dort immer sehr viel Gas. Das führt immer wieder zu Explosionen. Dann gibt es noch den Kohlestaub, der sehr schädlich ist. Uran ist also nicht das einzige Element mit Nachteilen. Und selbst wenn wir etwa in China alle Reaktoren still legen würden, gibt es praktisch keinen Ersatz, schon gar nicht durch Wind oder Sonne. Erdgas ist nur in begrenztem Ausmaß eine Alternative, da man dafür entsprechende Infrastruktur braucht.

Was, wenn doch noch ein Super-GAU in Japan eintrifft? Was würde das für den Uranminensektor bedeuten?

Die gesamte Uran-Thematik ist natürlich generell sehr politisch und viel stärker mit Sicherheitsdebatten behaftet, als es andere Rohstoffsektoren sind. Wir haben deshalb unser Portfolio auf andere Commodities ausgeweitet, um die Abhängigkeit von der Uranaufsuchung ein wenig zu reduzieren. Im Vorjahr haben wir beispielsweise mit der Goldexploration begonnen. Dabei sind wir nur in der nördlichen kanadischen Region von Nunavut tätig, die gleich bei Alaska liegt. Die Region ist voll mit Rohstoffen, und die Exploration und Förderung ist noch kaum ausgebaut. Inzwischen hat man sich dort deshalb auch mit den Ureinwohnern geeinigt.

Das heißt, Ihr Unternehmen ist eines der ersten vor Ort?

Noch sind nicht viele Gesellschaften in der Region tätig. Die erste Mine ging im Vorjahr in Betrieb, und zwar von Agnico-Eagle. Areva möchte in den kommenden Jahren mit der Uranförderung beginnen. Und Newmont Mining möchte ebenfalls demnächst mit der Goldproduktion in Nunavut loslegen. Inzwischen sind rund 15 Junior-Minenunternehmen, wie wir es sind, tätig.

Und wie lange braucht eigentlich ein Junior-Uranunternehmen, bis es zum Förderer wird?

Bei Uran braucht es ein wenig länger als bei anderen Metallen aufgrund der besonderen Umweltschutz- und Sicherheitsmaßnahmen. Allein nur um alle Bewilligungen zu bekommen und alle Auflagen zu erfüllen, können sieben bis zehn Jahre vergehen. Bis man endgültig soweit ist, dass man fördern kann, vergehen insgesamt 10 bis 15 Jahre. Das ist aber nicht unser Ziel. Für die Förderung werden wir dann entweder einen Partner suchen, oder die Vorkommen weiterverkaufen. Das ist eine sehr heikle Sache. Die größten Produzenten sind übrigens Cameco und Areva, und die größten Reserven schlummern nicht nur in Kanada, sondern auch in Australien und in Kasachstan.

Wie kann man sicher gehen, dass das Uran nicht in falsche Hände gelangt?

Der Handel wird von den jeweiligen Regierungen überwacht. In Kanada kann zudem kein ausländisches Unternehmen eine Mine gänzlich aufkaufen ohne Genehmigung der Regierung. Und die erteilt sie erst dann, wenn sich dafür kein kanadisches Unternehmen finden lässt. Ansonsten ist die maximale Beteiligung auf 49 Prozent begrenzt.

Das Interview führte Raja Korinek

Zur Person

Mark Kolebaba, CEO und Präsident der kanadischen Uranium North Resources

Erfahrungen sammelte der Rohstoffexperte bereits bei BHP Billiton und Cameco, und legte dabei zahlreiche Auslandsaufenthalte beispielsweise in Australien zurück. Uranium North Resources ist schon seit den 1980er Jahren im Explorationsgeschäft tätig, etwa im Gold-, Silber-, Industriemetallund Diamantensektor.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

Mehr aus dem Web

WERBUNG

Kommentare

0 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500