20.04.2011, 00:33  von Andre Exner

Pleitewelle am Bau wird heuer noch zunehmen

Wien. Die Baubranche wird von einer Pleitewelle erschüttert. Das geht aus den Insolvenzstatistiken von Creditreform und dem Kreditschutzverband KSV1870 hervor. Creditreform beobachtet im Bauwesen den höchs ten Anstieg der Insolvenzen von allen Branchen (siehe Grafik). Laut dem KSV gab es von Jänner bis März 2011 202 Pleiten am Bau -das ist die mit Abstand höchste Zahl von allen Branchen und bedeutet einen Anstieg von 29 Prozent.

In Niederösterreich, Kärnten, Burgenland und der Steiermark war die Bauwirtschaft die Nummer eins bei Pleiten. In Wien nicht, allerdings läuft die spektakuläre, 84,2 Millionen € schwere Insolvenz des Immobilienentwicklers R-Quadrat nicht unter Bauwesen. Entwickler gehören zur Branche Unternehmensbezogene Dienstleistungen.

"Bisher gab es am Bau einen Rückgang bei den Pleiten, jetzt ziehen sie wieder an", sagt Gerhard Weinhofer von Creditreform Austria. "Es gab Stützen in Form von Konjunkturpaketen, die weggefallen sind. Jetzt ist Zahltag."

Besonders gefährdet sind die kleinen Baufirmen mit wenigen Mitarbeitern und wenig Kapital -hat man keine Reserven, ist man bei einem Rückgang der Bautätigkeit rasch gefährdet. "In Wien gibt es viele Kleine, die so ausgelaugt sind, dass für die Gläubiger nur eine Nullquote herausschaut: Es ist einfach nichts mehr da. Am Land haben insolvente Baufirmen oft noch Grundstücke oder Maschinen", so Weinhofer.

Laut Hans Georg Kantner sind jedoch gerade bei den Mini-Baufirmen viele Pleiten hausgemacht, sprich vorsätzlich herbeigeführt.

Branche malt schwarz

Laut den Experten dürfte sich der negative Trend heuer weiter fortsetzen. "Ich bin aber nicht alarmiert", sagt Kantner. Nachdem es in der Baubranche 2009 keinen Anstieg bei den Insolvenzen gab, war ein Nachholeffekt zu erwarten. Zu Beginn der Krise wurden viele Projekte noch fertig gebaut-jetzt ist Stillstand angesagt. Private, die ihr Geld lieber "verbauen" als auf der Bank haben wollten, haben das schon getan, öffentliche Aufträge werden weniger. "Viele Ausschreibungen werden gnadenlos dem Billigstbieter zugeschlagen", nennt Kantner einen weiteren Grund für den Anstieg der Insolvenzen. Am wenigsten gefährdet seien daher Mittelständer, die sich bei solchen "ruinösen Aufträgen" gar nicht bewerben.

Die Branche malt ebenfalls schwarz: "Da die Konjunkturpakete ausgelaufen sind, werden 2011 und 2012 harte Jahre", sagt Bundesinnungsmeister Hans-Werner Frömmel. Er sieht, anders als die Experten, größere Firmen gefährdet -sie seien weniger flexibel. Zudem sorgt ihn die Arbeitsmarktöffnung: "Die ist dann ein Problem, wenn die Konkurrenz aus dem Ausland unlauter ist." Dem soll das Lohn- und Sozialdumpingbekämpfungsgesetz entgegenwirken. Frömmel fordert weiter einen bundesweiten Baustellenkataster, erweiterte Zugriffsmöglichkeiten der Organe in den neuen EU-Ländern und die Forcierung der Vollstreckungsmöglichkeiten im Entsendestaat.

Grafik: INSOLVENZEN: BAUBRANCHE HART GETROFFEN

04:30

Egston baut die Produktion aus

04:30

"Eine Stiftung ist per se nichts Schlechtes"

04:30

Bei Aktien ist etwas Zurückhaltung angebracht

Kommentare

0 Kommentare