26.05.2011, 00:49  von Robert Lechner

"80 Prozent weniger Ausschreibungen"

Leere Kassen bei Ländern, Gemeinden und Asfinag sind nicht die einzige Herausforderung für die Bauwirtschaft. An allen Ecken und Enden fehlen die Fachkräfte.

"Bei Ländern und Gemeinden sind die Ausschreibungen für Bauprojekte in den ersten drei Monaten gegenüber dem Vorjahr um 80 Prozent zurückgegangen", sagt Karl-Heinz Strauss, Chef des Baukonzerns Porr. Fazit: Hält der Zwang zum Sparen an, stehen dem Sektor schwierige Zeiten bevor. Heuer bringt für die Bauwirtschaft höchstens ein "Null-Wachstum", nach minus 3,3 Prozent im Vorjahr.

"Natürlich wird es uns auch treffen", so Strauss im Klub der Wirtschaftspublizisten, dass die Asfinag bei diversen Projekten auf die Bremse steigt. Porr kommt freilich nicht allein zum Handkuss. Auch die anderen Big Player in dem Bereich - Strabag und Alpine - werden die Reduzierung der Asfinag-Ausgaben um 1,4 Milliarden €bis 2016 spüren.

Volle Auftragsbücher

Porr kann den staatlichen Auftrags-Ausfall dank breiter Aufstellung relativ gut kompensieren. Der Konzern, der im Vorjahr auf rund drei Milliarden Bauleistung kam und ein operatives Ergebnis von 49 Millionen €erwirtschaftete, geht von einem stabilen Verlauf für den Rest des Jahrs aus. Der Grundtenor bleibt auch darüber hinaus positiv: "Für 2012 und 2013 beginnen sich die Auftragsbücher zu füllen", sagt Strauss.

Zum gravierenden Problem der kommenden Monate wird der Fachkräftemangel. "Wir suchen dringend Poliere und Bau-Ingenieure." Gute Leute fehlen Strauss auch auf Baustellen in Osteuropa. Jetzt soll umgeschichtet werden: "Die Zentrale in Wien wird verschlankt. Im Gegenzug gibt es Anreize für Mitarbeiter, die nach Bulgarien oder Rumänien gehen und dort in Eigenverantwortung eine Baustelle übernehmen." Die Diskussion über eine Abschaffung der steuerlichen Vergünstigung für Auslandseinsätze kommt für Strauss ungelegen. Es besteht die Gefahr, dass "eine sinnvolle Bestimmung durch nicht praxisnahe Entscheidungen konterkariert wird". Wie berichtet soll gemäß einer Regierungsvorlage die Steuerbefreiung heuer von 100 Prozent auf 66 Prozent sinken und 2012 nur noch 33 Prozent ausmachen.

In puncto Finanzierung fühlt sich Porr gut aufgestellt. Eine Kapitalerhöhung wird laut Strauss erst ein Thema, wenn ein größeres Akquisitionsprojekt naht. Ob die Schwelle bei einem Zukauf ab 100 Millionen € liegt? "Das können Sie so schreiben", meint Strauss.

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