24.01.2011, 18:02  von Eva Konzett

Neuer Tänzer für Bukarester Börse-Parkett

Bild: epa_ghemen

Heute geht in Bukarest der lang erwartete Entschädigungsfonds an die Börse. Investoren erwarten sich wichtige Kapitalimpulse für den bisher notorisch trockenen Handelsplatz.

Bukarest. Die Euphorie ist groß, die Erwartungen an das IPO ebenso: Heute geht mit dem Börsegang des rumänischen Entschädigungsfonds das größte Ereignis der jüngeren Geschichte der Bukarester Börse über das Parkett.
Über 3,5 Milliarden € ist der Fonds schwer, der Aktienpakete von über 80 Unternehmern hält - darunter wichtige Konzerne im Energiesektor wie den Stromvertreiber Transelectrica und den Gasproduzenten Romgaz. An der OMV-Tochter Petrom, dem größten Konzern Rumäniens, hält der Fonds mehr als 20 Prozent.

Geld für Geschädigte

2005 war der Fonds gegründet worden, um jene Rumänen zu entschädigen, deren Besitztümer während des Kommunismus enteignet wurden und die nicht mehr restituierbar sind.
Eine Statistik zur Gesamtanzahl der Enteigneten und deren ehemaligem Besitz gibt es nicht. Allerdings sind nach Angaben der Zeitung „Ziarul Financiar" die tatsächlich Entschädigten nur mehr in geringen Anteilen am Fonds beteiligt, während sich die Anzahl institutioneller Investoren, einschließlich ausländischer Fonds, 2010 mehr als verdoppelt hat. Der rumänische Staat hält 39 Prozent am Fonds, 5300 private Aktionäre teilen sich die restlichen 61 Prozent.

Seit Ende September werden die Aktien von der Fondsgesellschaft Franklin Templeton Investments verwaltet - dem rumänischen Staat war im Vorfeld wiederholt vorgeworfen worden, den Börsegang zu verzögern.

Welche Auswirkungen wird das IPO auf die Bukarester Börse haben? „Wir erwarten uns, dass sich das Kapital nach dem Listing verdoppelt, wenn nicht verdreifacht", sagt Dana-Mirela Ionescu, Präsidentin von Raiffeisen Capital & Investment (RCI), zum WirtschaftsBlatt. Das Konsortium rund um RCI wird den Fonds an die Börse bringen. Vorteile sieht Ionescu unterdessen auch für die zu Entschädigenden. Sie erhalten im Zuge des Börsegangs „Preise, die sich am freien Markt orientieren", so die Managerin.

Druck auf Regierung

„Das IPO hat eine große Bedeutung für Bukarest", sagt auch Grzegorz Konieczny, der Portfolio-Manager. Bisher werde die Börse Bukarest mit einem täglichen Handelsvolumen von fünf Millionen € als „sehr illiquid" eingestuft. Dies ändere sich durch das Listing erheblich. Schließlich werde der Fonds-Titel „die mit Abstand liquideste Aktie", so Konieczny.

Der Börsegang wird zudem einen weiteren Effekt auslösen, sind sich Beobachter in Bukarest einig: Das steigende Interesse erhöht den Druck auf die Regierung, weitere Beteiligungen wie angekündigt zu privatisieren. So stehen unter anderem Minderheitspakete der anfangs genannten Transelectrica und Romgaz zur Disposition.

Künftig werden sich demnach neue Tänzer auf dem rumänischen Parkett versuchen. Doch Konieczny relativiert: So öffne das Listing zwar die Türen für andere, allerdings ­erreiche die Börse Bukarest heute den Reifungsgrad, den der Warschauer Handelsplatz vor bereits zehn Jahren aufweisen konnte.
„Wenn Warschau jetzt 15 Jahre alt ist, ist Rumänien das Kind, das laufen gelernt hat", sagt Konieczny. Nachsatz: „Oft läuft es noch in die falsche Richtung."

 

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