20.12.2010, 17:35  von Reuters/hahn

Russischer Oligarch schafft neuen Kali-Giganten

Bild: Colourbox

In Russland entsteht in wenigen Monaten der weltweit zweitgrößte Kali-Produzent. Damit erwächst dem Kasseler K+S-Konzern, der aktuellen Nummer vier der Branche, bald ein schlagkräftiger Konkurrent.

Der russische Kali-Hersteller Uralkali will für 1,4 Milliarden Dollar 20 Prozent am Konkurrenten Silvinit übernehmen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Uralkali und Silvinit sind die größten Kali-Produzenten Russlands.

Beide Unternehmen werden de facto bereits von dem russischen Milliardär Suleiman Kerimow kontrolliert. Unlängst hatten ihm nahestehende Investoren gut 44 Prozent an Silvinit erworben. Da Kerimow mit zwei Partnern selbst 53,2 Prozent an Uralkali erwarb und zudem bereits 25 Prozent an Silvinit besitzt, war es für Experten nur noch eine Frage der Zeit, bis beide Konzerne verschmolzen werden.

Ministerpräsident Wladimir Putin wurde Mitte des Monats über das Vorhaben informiert. Ohne die Zustimmung des Ministerpräsidenten kommen in Russland keine großen Fusionen oder Übernahmen im Rohstoffsektor zustande. Kali ist neben Phosphat und Stickstoff einer der drei Hauptbestandteile von Düngemitteln. Weltweiter Branchenführer ist die kanadische Potash. Uralkali und Silvinit produzieren zusammen pro Jahr elf Millionen Tonnen Kali. Branchenprimus Potash brachte es zuletzt auf zwölf Millionen Tonnen im Jahr. Die deutsche K+S kam auf etwa acht Millionen Tonnen.

Übernahmepreis deutlich unter Börsenkurs
Bis zum Ende des zweiten Quartals 2011 soll die Übernahme unter Dach und Fach sein. Urakali bietet den Silvinit-Aktionären 894,5 Dollar je Aktie. Das liegt deutlich unter dem aktuellen Börsenkurs: An der RTS-Börse in Moskau wurden Silvinit-Aktien zuletzt zeitweise bei 940 Dollar je Aktie gehandelt. Analysten bemängelten, dass die Abschläge für Silvinit mit 35 bis 40 Prozent zu groß seien. Silvinit-Aktien gaben im Zuge der Ankündigung deutlich nach, während Uralkali-Papiere zulegen konnten. Die Übernahme von Silvinit soll schließlich über einen Aktientausch vollzogen werden. Kerimow wird nach Abschluss der gesamten Transaktion laut Uralkali noch 16,1 Prozent an dem kombinierten Konzern halten.

Russland ist eines von nur zwölf Ländern weltweit, in dem Kali gefördert wird. Die Lagerstätten in dem rohstoffreichen Land gelten als sehr lukrativ. Uralkali rechnet durch den Zusammenschluss mit erheblichen Synergien etwa bei der Erschließung oder bei Transport und Verwaltung. Bereits 53 Prozent seiner Aktionäre und 67 Prozent der Silvinit-Anteilseigner hätten der Transaktion zugestimmt, hieß es. Die Konzernführung von Silvinit empfahl unterdessen den Anteilseignern, der Offerte von Uralkali auf einem für den 4. Februar anberaumten Aktionärstreffen zuzustimmen. Das Uralkali-Direktorium gab unterdessen grünes Licht für einen 50 Milliarden Rubel schweren Finanzierungsplan, der den Barmittelanteil für den Aufkauf der Silvinit-Aktien abdecken soll.

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