07.10.2000, 00:00  von Arne Johannsen

Der neue Stiefelkönig

Arne Johannsen

Er gehört zur besonders kritisch beäugten dritten Generation eines Familienunternehmens, ist der Vorgesetzte seines Vaters und kämpft gegen einen stagnierenden Markt. Und trotzdem geht Alexander Herzl seine neue Aufgabe unverkrampft an.

Er ist 1,95 Meter gross und heisst mit Vornamen Alexander. Doch ob daraus auch Alexander der Grosse wird, muss sich erst zeigen: Seit wenigen Wochen ist Alexander Herzl Chef des Grazer Schuhkonzerns Stiefelkönig-Delka. Der 29-Jährige hat damit die Nachfolge seines Vaters Manfred an der Unternehmensspitze angetreten.

Alexander Herzl geht die neue Funktion unverkrampft an. "Ich bin schon seit zweieinhalb Jahren im Unternehmen und kenne Mitarbeiter und Abläufe", sagt er. Zuletzt hat der MBA-Absolvent ein Strategieprojekt geleitet - was sich als Schuhlöffel für den Job an der Spitze erwies. "Es sind zwar die einzelnen Vertriebslinien forciert worden, an der übergeordneten Strategie hat es aber gemangelt", formuliert Alexander Herzl dezente Kritik.

Als er seine Vorstellungen präsentierte, beschloss Vater Manfred, ihm auch die Chance zu geben, die Dinge umzusetzen - und trat freiwillig in die zweite Reihe zurück. "Es war leicht, nur zu kritisieren, aber jetzt muss ich die Dinge auch um- und durchsetzen", beschreibt der junge Herzl die veränderte Situation.

Doch der Jung-Chef übernimmt das Familienunternehmen (77,5 Prozent gehören der Familie Herzl, 22,5 Prozent der Familie Steinlechner) in keiner leichten Situation: Der Schuhmarkt stagniert, der Preisdruck wächst. "Diverse Sparpakete aller Art haben unserer Branche nicht sehr gut getan", sagt Herzl. Ausserdem richtet sich das Schuh-Budget vor allem danach, was nach Abzug der Handy-Rechnung noch überbleibt. Zudem hat sich in den letzten zehn Jahren die Verkaufsfläche durch den Markteintritt der grossen Diskonter wie Deichmann fast verdreifacht.

>> Umsatz stagniert <<

Die Folge: Der Umsatz der Stiefelkönig/Delka-Gruppe, nach Humanic die Nummer zwei in Österreich, stagniert seit Jahren bei rund 2,5 Milliarden Schilling. Die Umsatzrendite pendelt um die Nulllinie, 1997 gab es gar ein operatives Minus von 40 Millionen Schilling. "Die Rendite ist nicht sehr gut", gibt auch Alexander Herzl zu. Sein Ziel: "In drei Jahren will ich bei drei Prozent Umsatzrendite sein, langfristig wäre fünf eine schöne Ziffer."

Der Weg dorthin soll vor allem über eine klarere Profilierung und Ausrichtung der einzelnen Vertriebsschienen Stiefelkönig, Delka, Turboschuh und Palazina führen. Denn auch im Schuhhandel gibt es eine starke Polarisierung zwischen Diskontbereich und oberem Segment - alles, was sich ohne starkes Profil in der Mitte befindet, ist gefährdet. Im Herzl-Imperium sind das vor allem die 88 Delka-Filialen. Die will der neue Chef daher stärker in Richtung Wellness und Passform trimmen.

Der Ansatz ist charakteris-tisch für den Generationswechsel im Unternehmen: Vater Manfred war vor allem ein Schuh-Experte, der Sohn schaut eher auf Marketing und Vertrieb. Das ist nicht die einzige Bruchlinie: "Nein, Golf spiele ich nicht", sagt Alexander Herzl und schüttelt, angesprochen auf das Hobby seines Vaters, energisch den Kopf. Der junge Mann bevorzugt Fischen, Tennis und Ski fahren.

>> Last der Tradition <<

Doch die 81-jährige Tradition ist nicht wegzudiskutieren. Denn Alexander Herzl hätte sich auch ein Leben ausserhalb des Schuhgeschäfts vorstellen können. Nach der Matura in Graz und dem Studium an der Wiener Wirtschaftsuniversität startete er ein MBA-Studium in Mailand - "auch, weil ich gerne italienisch lernen wollte", wie er zugibt. Der Schwerpunkt der eineinhalbjährigen Ausbildung: Mode und Design. "Eine Richtung, die mir gut gefallen hat." Als er nach Abschluss des MBA ein gutes Angebot eines französischen Mode-Unternehmens erhielt, war er schon kurz vor der Unterschrift - bis ihn Vater und Grossvater doch überredeten, nach Graz zurückzukehren.

>> Meetings gestrichen <<

Gegen 8.30 Uhr kommt er jetzt jeden Morgen ins Büro und setzt vor allem auf ein konsequentes Time-Management. Die Zahl der überflüssigen Meetings, bei denen viele reden und wenig herauskommt, hat er schon in den ersten Wochen kräftig reduziert.

Doch der Name kann in einem solchen Unternehmen auch eine Hypothek sein - vor allem, wenn ihn manche Mitarbeiter für die einzige Qualifikation halten. "Damit habe ich keine Schwierigkeiten, die Leute wissen, was ich kann", antwortet Alexander Herzl selbstbewusst. Schwerer fällt es ihm, jetzt Vorgesetzter von Menschen zu sein, die mit ihm schon auf den Unternehmensfluren gespielt haben, als er noch ein kleiner Junge war. "Diese langjährige Bindung ist gerade bei Konflikten eine gewisse Schwierigkeit", gibt er zu.

>> Chef des Vaters <<

Doch das neue Stiefelkönig-Organigramm enthält noch eine weitere Besonderheit: Alexander Herzl ist jetzt auch der Chef seines Vaters, der sich weiter um den Vertrieb kümmert. "Natürlich ist das eine kritische Konstellation", weiss auch der Junior, "aber wir haben die Aufgabengebiete strikt getrennt, sodass es da keine Probleme gibt."

Den Drang hinaus hat Alexander Herzl auch in der neuen Rolle keineswegs abgelegt. "Ich reise gerne", sagt er. "Durch die MBA-Ausbildung habe ich weltweite Kontakte, und es ist eine feine Sache, eine Stadt nicht nur durch die Augen eines Touristen zu sehen." Sein bevorzugtes Reiseziel ist der Norden: Skandinavien, wegen der vielen Seen und Fische, und Island, weil daher seine Mutter kommt.

>> Zur Person <<

Geburtsdatum: 22. März 1971

Familienstand: ledig, aber mit fester Freundin

Berufsausbildung: Matura in Graz, Wirtschaftsuniversität in Wien, MBA in Mailand (Schwerpunkt Mode und Design)

Jetzige berufliche Stellung: Leiter der Unternehmensgruppe Stiefelkönig/Delka mit 215 Filialen in Österreich, Slowenien und der Slowakei, 1800 Mitarbeitern und 2,52 Milliarden Schilling Umsatz

Hobbies: Fischen, Tennis, Ski fahren

Bevorzugtes Urlaubsziel: Skandinavien, Island

Was ihn ärgert: Wenn man in der Firma lange über Dinge geredet hat - und dann nichts passiert

Bildtext: Seine Chance: "Es war leicht, zu kritisieren - jetzt muss ich Dinge selber umsetzen"

Sein Handicap: "Ich bin der Chef von Mitarbeitern, die ich schon von kleinauf kenne"

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