17.02.2009, 11:01  von Hans-Jörg Bruckberger

Jeep Cherokee: Macho, Macho im Wechselbad der Gefühle

Bild: beigestellt

Der erste Eindruck: Na bumm! Der neue Jeep Cherokee kommt recht martialisch daher und wirkt damit ziemlich machomäßig. Ein Auto für Männer in der Midlife-Krise? Derart übertriebene Coolness ist irgendwie schon wieder uncool. Die Botschaft ist klar: "Seht her, was für ein toller Hecht ich bin, ein richtiger Abenteurer". Und so fährt man dann die Wiener Südosttangente auf und ab. Na ja.

Dass man zum Öffnen der Türen stets eine komplett freie Hand braucht, weil ein Extra-Knopf zu drücken ist, ist unpraktisch, dafür machen auch die Türgriffe "was her". Auch innen ist der erste Eindruck nicht gerade der beste. Vor allem die bei US-Autos so oft anzutreffenden, billig wirkenden Kunststoff-Applikationen sind doch einigermaßen enttäuschend.

Liebe auf den zweiten Blick. Doch mit jedem Tag, an dem man dieses Auto fährt, wächst dann die Zuneigung. Ja, man gewinnt den Cherokee geradezu lieb. Irgendwie hat er ganz offensichtlich doch seinen Reiz. Er fährt sich auch im Stadtverkehr sehr gut, hat gute Antrittskraft und macht mit einer Spitzengeschwindigkeit von rund 180 km/h auch auf der Autobahn eine überraschend gute Figur. Und über seine guten Gelände-Eigenschaften braucht man erst gar nicht zu diskutieren.

Und plötzlich sieht man selbst die eingangs genannten "Schwächen" ganz anders. Das relativ spartanische Interieur etwa ist doch irgendwie ein Statement. Hier handelt es sich ganz einfach um einen grundsoliden Geländewagen - kein Pseudo-SUV für Warmduscher - Funktionalität statt Luxus-Schnick-Schnack. Das hat was.

Ja selbst in der wenig überzeugenden Kunststoff-Qualität kann man eine Tugend sehen, ein Statement. Das ist den Amis eben nicht so wichtig. Dafür überzeugen Anwendungen, die man in der täglichen Praxis braucht, wie etwa ein sehr gutes Soundsystem oder das Navigationsgerät mit Touch Screen und großem Display. Da stechen die Amis so manches deutsche Luxus-Auto aus, in dem zwar das Interieur edel ist, das Navi aber mittels Drehknopf relativ umständlich zu bedienen ist. Beim Jeep geht Funktionalität vor - auch das hat was.

Einen kleinen Rückschlag erleben wir an einem regnerischen Tag. Da wird der Jeep plötzlich unruhig und bockig, die Fahrt durch die Vorstadt auf einmal zum wilden Ritt. Das Heck neigt dazu, auszubrechen, ESP & Co. arbeiten auf Hochtouren und die Schleuder-Warnsignale leuchten praktisch permanent. Dabei fahren wir noch nicht einmal wild, sondern nur „normal zügig". Der Jeep ist eben doch im Gelände mehr zu Hause als auf der Strasse.


Fazit: Der Cherokee hat sehr wohl seinen Reiz. Der Preis (mit Navi, Premium-Paket und Metallic-Lackierung kommt man auf rund 48.000 €) scheint uns aber doch ein wenig stolz - da bekommt man bei manch Konkurrenten schon mehr an Ausstattung und Verarbeitungsqualität geboten. Dafür allerdings oft auch deutlich weniger Geländetauglichkeit - da muss sich jeder selbst die Frage stellen, wie oft man regelmäßig im Gelände unterwegs ist.

Summa summarum geben wir dem Cherokee drei Hermesköpfe.

 

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

Wertung:

3 Hermesköpfe

Facts

Version 2,8 CRD Limited 42.850 € (mit Navi rund 44.000 €; Premium-Paket (u. a. mit Infinity Soundsystem und Teillederpolsterung) weiterer Aufpreis von rund 3202 € €)

Mehr aus dem Web

WERBUNG

Kommentare

0 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500