25.06.2007, 17:12  von Harald Fercher

Hintergrund: VCP - die Strippenzieher

Ein Teil des MOL-Aktienpaketes, das die OMV erworben hat, stammt aus dem Besitz des Wiener Investmenthauses VCP. Die vom ehemaligen CA-IB-Banker Heinrich Pecina gegründete Beteiligungsgesellschaft hat prominente Partner an Bord.

Es war ein Paukenschlag, zumindest ein kleiner. Monatelang hatten Österreichs Journalisten über die berufliche Zukunft des ehemaligen Innenministers Ernst Strasser, der im Dezember 2004 überraschend seinen Abschied aus der Politik bekanntgab, gerätselt. Im Juli 2005 dockte Strasser dann, natürlich begleitet von medialem Blitzlichtgewitter, als Partner beim Wiener Beteiligungs- und M&A-Spezialisten Vienna Capital Partners (VCP) an.

Bis dahin war die vom ehemaligen CA-IB-Investmentbanker Heinrich Pecina 1998 gegründete VCP nur einem relativ eingeschränkten Kreis von Wirtschaftsjournalisten bekannt. Zu Unrecht, denn das Investmenthaus hat sich im Laufe der Jahre zu einem echten Dealmaker in Zentral- und Osteuropa entwickelt. Egal ob beim Buy-Out und späterem Börserückzug der Austriamicrosystems (2000) oder jetzt beim Ausbau der OMV-Beteiligung an der MOL, die VCP ist mit an Bord. Entweder als Berater oder als direkt Beteiligter. Beim jüngsten OMV-Deal etwa hat die VCP, laut eigenen Angaben, einen signifikanten Anteil an der MOL an die OMV weitergereicht. Erworben wurden die MOL-Aktien von den Investmentgesellschaften Firthlion und Charing Investment des russischen Oligarchen Medget Rahimkulov, so die Nachrichtenagentur APA. Kurzfristig stieg der VCP-Anteil auf rund 6,2 Prozent. Mittlerweile liegt der Anteil wieder bei unter 5 Prozent. Für die VCP ist Firthlion übrigens eine alte Bekannte: Denn bereits beim Weiterverkauf der ungarischen Chemiefirma Borsodchem an die britische Private Equity-Gesellschaft Permira war die Firthlion - laut Medienberichten - mit an Bord. Permira wiederum war jenes Unternehmen, dass die österreichische Chip-Firma Austriamicrosystems von der Wiener Börse holte und sie später wieder an Zürcher Börse schickte.

Aber auch bei einem anderen schlagzeilenträchtigen Deal der jüngeren österreichischen Geschichte war die VCP mit dabei. Als im Jänner des heurigen Jahres die DDSG-Cargo den Besitzer wechselte und an die serbisch-zypriotische Bietergruppe East Point Holdings verkauft wurde fungierte die VCP als Berater auf Seiten der Käufer. Mit Schifffahrt dürften die Österreicher eine ganz besondere Beziehung haben. Denn bereits 2001 erwarb die VCP die Mehrheit an der kroatischen Schiffahrtsgesellschaft Tankerska Plovidba. Zum Zeitpunkt des Kaufs umfasste die Flotte 19 Tanker und Frachtschiffe die von multinationalen Konzernen wie Exxon, Shell, BP und der OMV gechartert wurden.

Weil der Weg von Kroatien nach Wien, dem Hauptsitz der VCP, unweigerlich an der Kärntner Hauptstadt Klagenfurt vorbeiführt verwundert es auch nicht weiter, dass die Berater der VCP auch bei der Platzierung der 500 Millionen Euro schweren Pre-IPO-Wandelschuldverschreibung durch das Land Kärnten auf Aktien der Hypo-Alpe Adria-Bank mit dabei war (2005). Lead Manager und Book Runner des Deals war die HSBC.

Banken dürften es der VCP überhaupt angetan haben. Denn erst kürzlich, exakt im April 2007, erwarb die Beteiligungsfirma knapp 10 Prozent an der noch halbstaatlichen Hypotheken-Bank FHB. Laut der ungarischen Nachrichtenagentur MTI will der ungarische Staat, der aktuell noch 54 Prozent an der FHB hält bis Jahresende die Anteile privatisieren. Man darf davon ausgehen, dass die VCP bei einer, im Fall einer Privatisierung immer möglichen Übernahme durch ein anderes Finanzinstitut, ein schönes Sümmchen verdienen wird. Und es wird wohl beileibe nicht der letzte Erfolg bleiben.

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Kommentare

2 Kommentare

Verbleibende Zeichen: 1500

verfasst am 25.06.2007, 22:19

Kritik in allen Ehren, aber die Unterstellung, dass es sich bei einem recherchierten Artikel, der einen Teil der Deals an denen die VCP mitgewirkt hat, um eine vom Unternehmen finanzierte Geschichte handelt, muss ich doch zurückweisen.
Dazu kommt, dass ja nicht alle in dem Artikel aufgezählten Deals unumstritten waren.

verfasst am 26.06.2007, 17:43