16.01.2013, 00:03  von Barbara Forstner

Gründerboom und Pleitegeier

Wir dürfen uns Europameister nennen. Nein, natürlich nicht im Fußball, sondern bei den Förderungen. Schlanke 75 Milliarden €oder 25 Prozent des BIP vergeben Bund, Länder und Gemeinden an Geldleistungen jährlich an Privatpersonen und Unternehmen -das ist der unangefochtene Spitzenplatz innerhalb der Europäischen Union. Lässt man große Brocken wie Gesundheit, ÖBB oder Bankenhilfe beiseite, fließen 16 Milliarden €an direkten und indirekten Förderungen -angesichts des enormen Spardrucks eine großzügige Vorgangsweise.

Verlockungen. Österreichs Unternehmerlandschaft hat in den vergangenen Jahren einen regelrechten Gründerboom gesehen. Ein-Personen-Unternehmen (EPU) machen bereits rund die Hälfte aller Unternehmen aus. Jedes Jahr kommen etwa 35.000 neue dazu. Gelockt werden sie mit günstigen ERP-Krediten, Jungunternehmerfonds, Beitragsstundungen bei Sozialversicherungsbeiträgen, Prämien, Haftungen, Zuschüssen und Dutzenden anderen Förderinstrumenten.

Großzügig, wie gesagt -aber selbstverständlich nicht uneigennützig: Neue Betriebe bringen Steuereinnahmen, Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum -allerdings nur, wenn sie überleben. Und das ist der Haken. Menschen werden zunehmend in die Selbstständigkeit gedrängt. Vielen ist das Risiko nicht bewusst oder der Unternehmergeist nicht gegeben. Über ihnen zieht der Pleitegeier seine Runden -und schlägt erbarmungslos zu. Im Geschäftsleben gibt es weder Rücksicht noch Mitleid; wer scheitert, ist gesellschaftlich stigmatisiert und wird sich vor einem zweiten Versuch hüten.

Bankrott. Einzelunternehmer schlittern überdurchschnittlich oft in die Pleite, zeigt die Statistik. Denn es ist zu wenig, mit üppiger öffentlicher Unterstützung den Gründergeist anzustacheln. Unternehmertum muss gelernt sein -am besten von Kindesbeinen an. Familienbetriebe machen es vor; das Bildungssystem sollte es nachmachen, wenn wir mehr Unternehmer wollen. Geförderter Bankrott kann nicht das Ziel sein.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2013-01-16)

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