30.01.1997, 00:00  von Margarethe Endl

US-Tochter von Julius Blum strebt Milliardenumsatz an

Margarethe Endl

Rund ein Viertel des Gesamtumsatzes erzielt Julius Blum bereits in den USA. Heuer wird kräftig ausgebaut. Bereits im Vorjahr lag der Umsatz bei 965 Mill. S.

Lowesville. In ihrer US-Niederlassung in Lowesville bei Charlotte in North Carolina dehnt sich die US-Tochter der Vorarlberger Beschlägefirma Julius Blum GmbH kräftig aus. Alle paar Jahre baut der Hersteller von Scharnieren und Schubladenführungen neue Hallen. Die letzte Erweiterung wird gerade in Betrieb genommen. Ein Ende der stetigen Expansion ist nicht abzusehen. Karl Rüdisser, Chef der US-Tochter: "Wir haben hier soviel Grund gekauft, daß wir in den nächsten dreißig Jahren kein Platzproblem bekommen werden." Im vorarlbergischen Höchst bei Bregenz, wo das Unternehmen seit seiner Gründung 1952 seinen Sitz hat, ist Julius Blum immer wieder an Grenzen gestoßen. Die Anlagen sind über die ganze Ortschaft verstreut.

In North Carolina beschäftigt Blum 240 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im Geschäftsjahr 1995/96 bei 965 Mill. S. Das sind 28 Prozent vom Gesamtumsatz des Unternehmens: Weltweit verkaufte Julius Blum 1995/96 Beschläge um 3,39 Milliarden S. In Vorarlberg sind 1800 Mitarbeiter beschäftigt. Im Geschäftsjahr 1996/97 sind 480 Millionen S für Investitionen vorgesehen, davon 80 Millionen S für den Standort in den USA.

>> Bescheidene Anfänge <<

Das Vorarlberger Familienunternehmen hat sich 1977 in North Carolina angesiedelt. Neben Karl Rüdisser war auch der Sohn des Firmengründers, Gerhard Blum, beim Markteintritt dabei, der in die Geschäftsführung nach Vorarlberg wechselte. Karl Rüdisser: "Die Eroberung war Knochenarbeit. Anfangs haben wir Adressen von Tischlereien aus dem Branchenverzeichnis herausgesucht und jede Tischlerei einzeln abgeklappert."

Erst als ein kleiner Kundenstock vorhanden war, suchte sich Blum Fachhändler. "Und einzelne Großkunden haben wir fünf bis sechs Jahre lang besuchen müssen, bevor wir etwas verkaufen konnten", schildert Rüdisser. Erst als ein beständiger Absatz gesichert war, begann Blum mit einfachen Montagetätigkeiten in den USA. Seit 1992 gibt es eine vollständig automatisierte Fertigung in den USA.

Karl Rüdisser auf die Frage, ob die Fertigung in den USA einen Verlust von Arbeitsplätzen in Österreich bewirkt hat: "Nein, ganz und gar nicht. Denn wenn wir nicht in North Carolina investiert hätten, wären wir in Vorarlberg nie so groß geworden. Viele Teile werden nach wie vor aus Österreich zugekauft und in Lowesville lediglich montiert." Darüber hinaus sei es für das Vertrauen der amerikanischen Kundschaft wichtig, auch in den USA zu produzieren. Rüdisser: "Die Amerikaner möchten einfach sehen, daß wir hier nicht nur ein Telefon und eine Garage haben, sondern einen Betrieb."

Bildtext: Karl Rüdisser (rechts), Geschäftsführer der US-Tochter von Julius Blum, erreichte im Vorjahr fast eine Milliarde S Umsatz. Heuer sollen 80 Millionen Schilling investiert werden

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