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Datacon-Führungstrio auf eindrucksvollem Höhenflug

15.10.1999 | 00:00 | Leo Himmelbauer (Wirtschaftsblatt)

Leo Himmelbauer

Datacon ist nicht zu bremsen. Der Tiroler Landessieger ist heuer Gesamtbester unter Austria's Leading Companies. Und steuert zu neuen Umsatzrekorden.

Radfeld. In der Halbleiterindustrie gilt die Innstrasse in der Tiroler Gemeinde Radfeld als eine noble Adresse. Schon zum zweiten Mal wurde heuer das Unternehmen Datacon unter die Top 10 der Ausrüsterfirmen gereiht. Chipklebemaschinen aus Radfeld gehören nämlich zu den präzisesten, die auf dem Weltmarkt zu haben sind. Im Sekundentakt können sie die mitunter nicht einmal einen Quadratmillimeter grossen Chips auf hundertstel Millimeter genau in ein Gehäuse einpassen.

Mit seinen Maschinen ist Datacon Weltmarktführer. Das Innenleben jedes zweiten Handys lief bei der Herstellung durch Datacon-Maschinen. Auch der Elektronik-Rausch der Automobilindustrie lässt sich ohne Anlagen aus Radfeld nicht bewältigen. Und das nicht erst seit einem in Schlagzeilen gekommenen Elchtest, der Aufträge für das Tiroler A-Klasse-Unternehmen zur Folge hatte.

An Schlagzeilen gewöhnt ist mittlerweile auch das Datacon-Führungstrio Karl Schweitzer, Gerhard Zeindl und Helmut Rutterschmidt. Im Vorjahr von WirtschaftsBlatt und Dun & Bradstreet auf Platz zwei im Ranking der schnellst wachsenden Unternehmen Österreichs gereiht, heimst das Trio diesmal den Landessieg in Tirol ein. Der Platz eins in der Österreich-Gesamtwertung 1999 ist angesichts eindrucksvoller Umsatzzuwächse und Finanzdaten nicht weiter verwunderlich.

>> Hohe Umsatz-Latte <<

"Bei sehr konservativer Betrachtung der Entwicklung auf dem Weltmarkt", sagt Gerhard Zeindl, "werden wir im Jahr 2000 rund 93 Millionen Dollar umsetzen." Das wäre rund drei Mal so viel wie derzeit bei einem von 34 auf rund 26 Prozent gesunkenen Marktanteil. Eines der Erfolgsgeheimnisse: Auf den Aufbau eines eigenen Vertriebsnetzes im wichtigen Markt USA wurde verzichtet. Statt dessen holten sich die Tiroler einen der Weltmarktführer für Halbleiter-Maschinen, Kulicke & Soffa, als Vertriebspartner für die USA und Asien. Das brachte bereits im ersten Jahr der Partnerschaft Aufträge im Volumen von 16 Millionen Dollar.

>> Starker US-Partner <<

Seit Anfang Oktober ist die Verbindung noch enger. Datacon ist jetzt Vertriebspartner des US-Konzerns für Mitteleuropa. In Radfeld wird ein eigenes Ausstellungszentrum für Kulicke & Soffa eingerichtet. Ausreichend Platz für Präsentationsräume und die konstant wachsende Belegschaft wird das neue Firmengebäude bieten, das ab Februar 2000 gebaut wird. Dabei hat Datacon erst vor einem Jahr einen 50 Millionen Schilling teuren Neubau bezogen. Karl Schweitzer: "Wir haben das Wachstum einfach unterschätzt."

Helmut Rutterschmidt, 1995 als Miteigentümer und Geschäftsführer zu Datacon geholt, erinnert sich an den grossen Durchbruch: "Wir haben auf der Fachmesse Productronica in München unsere Neuentwicklung nur auf einem Plakat präsentiert. Die Kunden haben die Maschine noch gar nicht gesehen, trotzdem wurden sieben bestellt - von Firmen wie Siemens und Bosch. Es war eine aufregende Zeit."

Heuer werden bereits 120 Chipklebemaschinen zum Stückpreis von rund zwei Millionen Schilling nebst einer Reihe von Sondermaschinen ausgeliefert. Dass auch AB Microelectronic aus Salzburg eine Anlage bestellt hat, freut die Datacon-Chefs besonders. Aufträge aus Österreich haben nämlich Seltenheitswert.

180 Mitarbeiter hat der Tiroler Paradebetrieb derzeit. Demnächst wird auf 200 aufgestockt. Und aller Voraussicht nach erhalten die Mitarbeiter auch heuer wieder einen Bilanzbonus. Der beträgt je nach Erreichen der Ziele bis zu zwei Monatsgehälter. In den vergangenen beiden Jahren wurde die Maximalsumme ausbezahlt.

Bildtext: Karl Schweitzer, Gerhard Zeindl und Helmut Rutterschmidt (von links) rechnen weiter mit steilem Wachstum. Ihre Chipklebemaschinen liegen in der Halbleiterindustrie im Technologietrend


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