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05.12.2012, 12:32 von von Beatrice Bösiger
Etwas mehr als zwei Wochen bleiben noch bis zum Weltuntergang am 21.Dezember. Diese Prophezeiung stösst auch in Russland auf offene Ohren. Seit mehreren Wochen werden im Internet die Pros und Contras debattiert, Überlebensmanuals publiziert und obskure Sekten versprechen Erlösung bei Nachfolge.
Optimisten, die einen Weltuntergang eher als vorübergehendes Ereignis sehen, können sich für umgerechnet etwas mehr als 100 US-$ einen Platz in einem Bunker erwerben.
Pessimisten können sich für 500 Rubel (rund zwölf Euro) Erlösung von allen Sünden erkaufen. Entsprechende Coupons gibt es auf einem auf Rabatte spezialisierten Internetportal. Käufer brauchten sich laut den Betreibern der Seite vor dem Ende der Welt nicht zu fürchten. Die Katholische Kirche von Assisi organisiert die komplette Vergebung. Die Einnahmen aus dem Geschäft würden gespendet und der Coupon sei ein hundertprozentiges Ticket ins Paradies. Ob im mehrheitlich orthodoxen Russland die versprochene Erlösung durch die Katholische Kirche zu wenig Anreiz bietet oder das Angebot einfach zu gut klingt um wahr zu sein: Erst etwa 30 mal wurde der Coupon für Vergebung gekauft.
In einem Land, das für Verschwörungstheorien und Aberglauben anfällig ist, hat der Weltuntergang jedoch nicht nur komische Seiten: So berichten russische Medien von Fällen von Massenpanik in den Regionen. Zudem kommt es laut der Nachrichtenagentur "Interfax" zu Hamsterkäufen. In der Stadt Barnaul in der sibirischen Altai-Region gäbe in mehreren Geschäften bereits keine Kerzen mehr zu kaufen. Auch steige die Nachfrage nach Fisch- und Jagdausrüstungen. Das ist kein Einzelfall. Auch in Omutinsk, einer Stadt an der Wolga ist die Nachfrage nach Kerosin, Streichhölzern und Konserven sprunghaft angestiegen.
Längst interessiert sich nicht mehr nur das Internet für die möglichen Ereignisse am 21.Dezember: So kommen in Zeitungen und im TV etwa Archäologen zu Wort die versichern, dass die Maya Weltuntergang weniger im heutigen Sinn, sondern mehr als Anbruch einer neuen Ära verstanden haben. Gar mit Ironie versucht Roman Wilfand, der Chef des staatlichen Wetterdienstes den Hype um den Weltuntergang zu entschärfen: In den Regionen um den Polarkreis habe der Untergang bereits begonnen. Städte wie Murmansk oder Norilsk liegen den ganzen Tag im Dunkeln. Und auch in Moskau gäbe es am 21.Dezember nur sieben Stunden Tageslicht - "swjet" bedeutet im Russischen sowohl Licht als auch Welt - jedes Jahr findet demnach in einigen Teilen Russlands ein Weltuntergang statt, so Wilfand bei einer Pressekonferenz diese Woche. Es gäbe keinen Grund zur Beunruhigung.
Nun hat sich allerdings auch das offizielle Russland eingeschaltet. Jaroslaw Nilow, Vorsitzender des Duma-Komittees für öffentliche und religiöse Organisationen kritisiert die Weltuntergangspropheten. Schon so viele hätten ein schreckliches Bild von der Zukunft gemalt und dabei nur daran gedacht damit Geld zu verdienen. Wer sich im Vorfeld des 21.Dezembers Sorgen macht, dem empfiehlt Nilow einen Besuch in einer Kirche oder die Lektüre religiöser Schriften. Diejenigen die sich als Nichtgläubig bezeichnen sollen im Internet nachlesen was Sekten, Propheten und andere dubiose Experten dazu verbreiten. Andere Dumaabgeordnete haben dagegen einen offenen Brief verfasst, in dem sie die staatlichen TV-Sender dazu auffordern, mit jeglicher Berichterstattung rund um den angeblichen Weltuntergang aufzuhören. Bis jetzt mit mässigem Erfolg.
Vielleicht ist der Regierung mehr Erfolg beschieden? In einem Interview mit der staatlichen "Rossiskaja Gazeta" hat Katastrophenschutzminister Wladimir Putschkow den Weltuntergang abgesagt. Sein Ministerium erwarte keine globalen Schocks. Bei Fragen möge man sich an die allgemeine Helpline wenden.

Beatrice Bösiger: Nachrichten aus Moskau
Beatrice Bösiger hat in Bern, Zürich und Wien Germanistik, Filmwissenschaften und Culturalstudies studiert.
Seit März 2012 berichtet die gebürtige Schweizerin für das WirtschaftsBlatt aus der russischen Hauptstadt.
Kommentare
2 Kommentare
Gast: CVLvRNWxy meint
verfasst am 12:17 23.02.2013
Gast: hcEQNNMDETQYVVEdnX meint
verfasst am 16:54 20.02.2013