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29.10.2012, 09:59 von Eva Konzett
Glücklich, der Mensch, der in Bukarest einen persönlichen Taxifahrer hat. Unangenehm nur, wenn es diesen nicht mehr gibt. Mihai, der mich die vergangenen Monate sicher durch das lokale Straßenwirrwarr führte, hat sein kleines Taxi-Business gegen die offizielle Berufsbezeichnung Chauffeur getauscht und kutschiert jetzt nur noch für eine Firma und im Anzug Menschen durch die Stadt. Da bleibt für meine Ausfahrten - zu Tag und nächtens - keine Zeit. Was für Mihai bestimmt ein besseres Salär bedeutet, heißt im umgekehrten Fall für mich, mich wiederum dem Kampf um ein Taxi hingeben zu müssen.
Verstehen Sie mich nicht falsch: Taxis gibt es in Bukarest in rauen Mengen. Das richtige zu finden indes, ist umso schwieriger. Zum einen muss in den meisten Fällen der Fahrer von der Sinnhaftigkeit einer Fuhr mit mir überhaupt erst überzeugt werden. Meine Lieblingsstrecke von der Piata Victoriei in Richtung Altstadt wird dabei meist mit einem eisernen „Nu" und dem typischen rumänischen Schnalzlaut beantwortet, wobei Letzterer knapp an der Verachtung vorbeischrammt.
Das ist nämlich die paradoxe Rechnung in der rumänischen Hauptstadt: Je mehr Taxis in der Stadt insgesamt zugegen, desto seltener werden Sie eines finden, das Sie auch transportiert. Schließlich ist der Fahrpreis mittlerweile so niedrig, dass sich die Frage, wie ein Taxi-Fahrer damit am Ende des Tages mit einem Plus aus seinem Dacia aussteigt, kaum mehr beantworten lässt. Die Strecke Victoriei bis Unirii, so habe ich schmerzhaft gelernt, rentiert sich unter diesen Umständen jedenfalls nicht.
Eine Möglichkeit besteht für den Taxifahrer freilich darin, den Taxometer zu manipulieren, also im Umgangsjargon „einen Affen zu montieren". Der Affe ist insofern erkennbar, da er sich nur hinter Taxometern verstecken kann, die in der Mitte des Armaturenbrettes angebracht sind - zumindest hat mir das Vlad, einer meiner rezenten zufälligen Taxifahrer so erklärt. Damit ließen sich die Fahrpreise ohne weiteres verdoppeln, meint der Blondhaarige und macht keinen Hehl daraus, dass der Affe besonders gerne bei Menschen, die der rumänischen Sprache nicht mächtig sind, aktiviert wird. Oder bei Ortsunkundigen, wobei in vielen Fällen wohl beides zutrifft. Auskommen könne man dem Ganzen, so erklärt mir Vlad weiter, indem man dem Fahrer von Anfang an ein kleines Trinkgeld in Aussicht stellt. Auch eine Art, dem Affen Zucker zu geben.
Beim Aussteigen gibt mir Vlad seine Visitenkarte. Ob er mich wieder einmal fahren dürfe, fragt er noch. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ihn demnächst anrufen werde.

Eva Konzett
1984 in Feldkirch, Vorarlberg, geboren.
Für das Studium nach Wien übersiedelt (Romanistik), weiterer Schritt nach Osten 2007/2008 als ich im Zuge des Erasmus-Programmes an der Babes-Bolyai-Universität im rumänischen Cluj studierte.
Dem Land verbunden geblieben, bin ich seit 2008 beim WirtschaftsBlatt, für das ich derzeit als Auslandskorrespondentin aus Bukarest berichte.
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Gast: Peter Salzgeber meint
Salzi
verfasst am 16:55 15.11.2012