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20.11.2012, 10:24 von Eva Konzett
Jeder, der diesen Sommer in der Stadt verweilte, und deren gab es nicht Viele, hat sich den Herbst herbeigesehnt. In der sengenden Hitze, ohne nennenswerte Erfrischungsmöglichkeiten in Form von öffentlichen Schwimmbädern etwa, unter einem der vielen (Bukarest ist in der Tat eine grüne Stadt) Bäume, erschien die durch die Jahreszeiten bedingte Abkühlung eine weit entfernte Milderung. Nun, schlussendlich kam sie in größerem Ausmaße als einst vorgestellt. In diesen Tagen des Novembers hat Rumänien den Herbst bereits hinter sich gelassen. In der Nacht fallen die Temperaturen unter null Grad, die Dunkelheit zieht bereits ab fünf über das Land. Der in Bukarest Lebende verlässt das Haus entgegen der Mode nur noch mit Kappe und Handschuhen bestückt.
Das Land selbst indes rüstet sich nicht für den Winterschlaf. Anfang des kommenden Monats stehen Parlamentswahlen an. Am 9. Dezember wird sich entscheiden, in welcher Dimension das gegenwärtige Regierungsbündnis Sozialliberale Union (USL) seine Macht festigen kann. An einem Wahlsieg der Koalition, die im Mai mittels eines Misstrauensvotums an die Macht gelangte, zweifeln in der Hauptstadt nur Wenige. Zu viele Menschen werden durch die einfach gestrickten Wahlparolen überzeugt. Zu effizient wurden sämtliche Machtebenen, durch den Erfolg bei den Kommunalwahlen im Sommer gestärkt, in alter rumänischer Tradition ausgewechselt. In Rumänien bestimmt immer noch oft der Bürgermeister, was seine Bürger wählen.
Dem wird auch das konservative Lager, das seine Kräfte sich seit Kurzem in der Allianz der Rumänischen Rechten bündelt, wenig entgegensetzen können. Der kurzzeitige Premier Mihai-Razvan Ungureanu hat deren Führung gemeinsam mit dem langdienenden Minister in verschiedenen Ressorts, Vasile Blaga von der dem Präsidenten Traian Basescu nahestehenden liberalen Partei PDL, sowie gemeinsam mit Aurelian Pavelescu, dem Vizepräsidenten der Bauernpartei, übernommen. Letztere soll durch diesen Schritt aus ihrem jahrelangen Dornröschenschlaf geweckt werden. Der Allianz haben sich auch frühere Gestalter der rumänischen Wirtschaftspolitik, wie etwa der Steuerexperte Gabriel Biris angeschlossen. Er war einst maßgeblich an der Einführung der Flat Tax 2005 beteiligt, die im Land zusehends für Diskussionen sorgt.
Den Wahlkampf aufmischen wird außerdem der hochumstrittene Dan Diaconescu, ein Journalist der mit seinen beiden Fernsehkanälen DDTV und OTV Bekanntheit erlangte und in Zusammenhang mit dem Verkauf des defizitären Chemiekombinates Oltchim kürzlich für Aufsehen sorgte. So wurde ihm der Zuschlag für Oltchim erteilt. Nachdem er aber keine Garantie dafür abgeben konnte, tatsächlich über die Kaufsumme von 45 Millionen € zu verfügen, wurde Diaconescu dieser in Folge jedoch wieder entzogen.
Ein anderer, altgedienter Populist der rumänischen Politlandschaft, Gigi Becali, hat sich unterdessen der regierenden USL angeschlossen.
Die eigentliche Frage allerdings bleibt, inwiefern die USL die anti-europäische Karte weiterhin und entgegen der höflichen Äußerungen in Brüssel während des Wahlkampfs und insbesondere danach ausspielt und welche politischen Schritte diesen Äußerungen folgen werden. Da wurde die EU im hitzigen Sommer der politischen Krise indirekt unter anderem mit der Herrschaft des Osmanischen Reiches verglichen, unter der Rumänien jahrhundertelang stand.
Das Feindbild EU wird hier mittlerweile umso öfter evoziert, je häufiger der Brüsselsche Blick nach Bukarest wandert. Und das ist in den vergangenen Monaten einige Male - zu Recht - geschehen.
Die rumänische Zeitung Gandul hat recherchiert, dass ein Wahlkampf für einen Platz im Senat oder im Abgeordnetenhaus bis zu mehreren Hundert Tausend € kosten kann. Die Tatsache, dass die Einkünfte eines Parlamentariers, auch auf die Mandatszeit von vier Jahren gerechnet, eine solche Summe mitnichten wieder einspielen, lässt zwei Interpretationen zu: Entweder dem gewöhnlichen rumänischen Politiker öffnet seine in Folge gewonnene Funktion allerlei lukrative Möglichkeiten, etwa den Zugang zu Staatsfirmen beziehungsweise die Auftragsvergabe im öffentlichen Sektor. Oder der gewöhnliche rumänische Politiker ist ein großer Idealist.
Es ist eine Frage, auf welche die Mehrzahl der Rumänen ihre Antwort bereits gefunden hat.

Eva Konzett
1984 in Feldkirch, Vorarlberg, geboren.
Für das Studium nach Wien übersiedelt (Romanistik), weiterer Schritt nach Osten 2007/2008 als ich im Zuge des Erasmus-Programmes an der Babes-Bolyai-Universität im rumänischen Cluj studierte.
Dem Land verbunden geblieben, bin ich seit 2008 beim WirtschaftsBlatt, für das ich derzeit als Auslandskorrespondentin aus Bukarest berichte.
Kommentare
4 Kommentare
Gast: SnNxamJQPVmzq meint
verfasst am 15:14 18.04.2013
Gast: HjUHIuhVxdaJWo meint
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verfasst am 08:10 26.02.2013
Gast: dNZPIrmIBqE meint
verfasst am 13:38 25.02.2013
Gast: NohLaBanmzqh meint
verfasst am 06:35 20.02.2013