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17.02.2013, 13:19 von Eva Konzett
Neulich bei einem Besuch in Wien ist mir folgendes passiert. Ich saß in einem dieser Lokale, in denen sich die jungen Großstadtmenschen bis tief in die Nacht vergnügen, um dann am folgenden Morgen in eben selbigem den Kater mit Biobutter und Grüntee zu vertreiben - und frühstückte. Lassen wir dahingestellt warum ich zu Ham&Eggs griff. Kurzum: Mir blieb fast das Freilandei im Halse stecken, als die ebenso mürrische wie modische Kellnerin einem ausländischen Paar am Nebentisch in uneingeschränkter Ruhe erklärte, dass Kredit- und Bankomatkarten als Zahlungsmittel nicht akzeptiert seien.
"Only cash", sagte die Blonde in schönstem Schulenglisch, der ältere Herr auf Wienbesuch hat wohl trotzdem nur Bahnhof verstanden. Er zückte nocheinmal seine Mastercard, fuchtelte damit mit einem Anflug der Verzweiflung in der Luft herum, was die Kellnerin allerdings nur dazu brachte, auf ihren Vintage-Schuhen kehrt zu machen und hinter der Theke zu verschwinden. In diesem Moment, und im Wissen, dass ich ebenfalls kein Bargeld mit mir herumtrug, wünschte ich mir sehnlichst, in Bukarest zu sein.
Am Anfang meines Aufenthaltes hier in Rumänien habe ich mir ein Spiel ausgedacht. Es ist zugegeber nicht besonders raffiniert. Im Grunde geht es nur darum, Bukarest gegen Wien auszuspielen. Das half mir in jener Zeit beim Einleben, irgendwie habe ich es auch danach nicht aufgegeben. Die oben geschilderte Situation ist in dieser Kategorie ein Kantersieg für Bukarest, das ehrlicherweise auch schon den Kürzeren gegenüber Wien gezogen hat. In einer Stadt aber, in der man die Wasserflasche im Fitnessstudio mit der Visa begleichen lässt, hätte auch der freundliche ältere Reisende mit seiner Kreditkarte wenig Probleme gehabt, weder beim Frühstück in der Altstadt noch beim letzten Bier an der Hotelbar. Fast schon unaufgefordert stehen die rumänischen Mitarbeiter der Gastronomie mit den tragbaren Lesegeräten für allerlei elektronisches Zahlungsgedingse am Tisch des Gastes und tippen routiniert die Geldbeträge ein. Wenn ihnen dann noch ein paar reale Scheine als Trinkgeld überreicht werden, sind beide Parteien glücklich.
Anders dagegen in der Weltmetropole Wien. Dort hat sich die schöne Kellnerin zumindest irgendwann dazu herabgelassen, dem ausländischen Paar den Weg zum nächsten Bankomaten zu erklären. Ich habe unterdessen mehr Glück gehabt. Mein Begleiter hat die Rechnung bezahlt. Mit Banknoten. Als in Wien Lebender hat er offenbar den Luxus anderer Städte noch nicht verinnerlicht.

Eva Konzett
1984 in Feldkirch, Vorarlberg, geboren.
Für das Studium nach Wien übersiedelt (Romanistik), weiterer Schritt nach Osten 2007/2008 als ich im Zuge des Erasmus-Programmes an der Babes-Bolyai-Universität im rumänischen Cluj studierte.
Dem Land verbunden geblieben, bin ich seit 2008 beim WirtschaftsBlatt, für das ich derzeit als Auslandskorrespondentin aus Bukarest berichte.
Kommentare
11 Kommentare
Gast: dianna meint
verfasst am 06:38 22.04.2013
Gast: Ina meint
verfasst am 13:29 27.03.2013
Gast: chipin meint
verfasst am 17:28 05.03.2013
Gast: de wöald meint
verfasst am 22:11 27.02.2013
Gast: truce meint
als dieser kommunistisch angehauchte ostteil europas mit dieser neuen
fragwürdigen multitürkibewegung,woraus der von ihnen verwendete
wortablauf wahrscheinlich entsprang***
verfasst am 09:15 28.02.2013
Gast: Card meint
verfasst am 16:10 24.02.2013
Gast: Utmb meint
verfasst am 20:23 20.02.2013
Gast: AnnaLisa meint
verfasst am 18:38 03.03.2013
Gast: truce meint
zeitgeist in einer österr.qualitätszeitung nicht zuordnen können?
verfasst am 07:07 21.02.2013
Gast: Gast2002 meint
verfasst am 13:31 20.02.2013
Gast: dödel meint
wahnsinns auffassungsgabe,und studiert hat sie auch noch,hält sich in österreichischen weltmetropolen auf,und gibt mir das gefühl,die mir eine/r mit allen wassern gewaschene/n
bahnhofsbewohner/in mehr für meinen nächsten tag mitgeben würde.
verfasst am 15:50 19.02.2013