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07.12.2012, 13:16 von Evelin Past
Was früher der Berufswunsch vieler Mädchen war, ist inzwischen ordentlich in Verruf geraten. Der Grund: Miese Arbeitsbedingungen, massig Flugstunden, fehlende Kollektivverträge und ständige Bereitschaftsdienste. Aus der sprachgewandten Jetsetterin mit Modelqualitäten wurde die fliegende Kellnerin mit Krampfadern. Schuld daran sind nicht zuletzt Billigfluglinien wie das österreichischen Flugunternehmen Fly Niki, Tochter der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft Air Berlin.
Tag und Nacht
Eine Freundin schuftete dort für ein Gehalt von 1.100 € bis maximal 2000 € netto. Die Schwankungen ergaben sich durch die Erfolge beim Bordverkauf, Zulagen und die geleisteten Flugstunden. „Wenn ich 2000 € verdient habe, war ich wirklich Tag und Nacht unterwegs", schildert sie ihre Erfahrung.
Putz das!
Auch ihre einzige Begegnung mit Firmengründer Niki Lauda blieb ihr im Gedächtnis. Als er einmal in das Flugzeug einstieg (er flog ab und zu selbst), in dem sie Dienst hatte, fiel sein Blick auf die Scharniere bei der Tür zum Cockpit, wo kleine Ölspuren zu sehen waren. Ohne nur aufzublicken, Grüß Gott zu sagen oder höflich zu bitten, sagte er im Befehlston: Putz das! Der gute Herr Lauda hat offensichtlich auch im Umgangston mit seiner Bord-Crew nichts zu verschenken...
Fettes Gehalt plus Luxusartikel
Merklich besser geht es den Flugbegleiterinnen bei der Schweizer Privatlinie VistaJet. Hier winken neben besseren Bedingungen auch höhere Löhne - ab 2500 Netto. Den Jackpot hat aber eine andere Stewardess aus meinen Bekanntenkreis geknackt. Sie arbeitet für einen deutschen Privatier, der selbst einen Privatjet besitzt. 14 Tage ist sie unterwegs (der Zielort muss auch vor der Familie geheim gehalten werden) und 14 Tage hat sie frei. Dafür kassiert sie 4500 € netto. Aber es kommt noch besser: Im Monat bekommt sie von den Geschäftsleuten, die mit ihrem Chef quer über den Globus fliegen, fix 1.500 € Trinkgeld zugesteckt. Dazu kommen Sachwerte (primär von russischen Gästen) in Form von Luxusartikel wie Gucci-Taschen, Juwelen oder Uhren. Inzwischen fährt sie einen brandneuen Audi TT und belächelt gleichaltrige Manager, die von ihrem Gehalt noch Lichtjahre weit entfernt sind.
Was ich damit sagen will: Jeder Beruf birgt Chancen und kann ein Traumjob sein. Wer seine Arbeit gut macht, ein bisschen Glück mit seinem Arbeitgeber hat und bereit ist sich weiterzuentwickeln, kann in jeder Branche Erfolg haben - auch als Stewardess.

Evelin Past
Ich bin seit 2007 beim WirtschaftsBlatt an Bord, davon drei Jahre als Online-Redakteurin.
Bevorzugt versorge ich unsere User mit aktuellen News zu den Themen Lifestyle, Konsumgüter, Social Media & IT, Karriere, Reise und Motor.
Auch das eine oder andere von mir produzierte Video ist auf dem Portal zu finden. Enjoy!
Kommentare
9 Kommentare
Gast: 2810 meint
verfasst am 18:48 13.01.2013
Gast: VbahfFtgpwP meint
verfasst am 18:44 02.01.2013
Gast: Falke meint
Weil eine Frau erfolgreich ist, geht bei vielen Männern gleich die Fantasie durch............
verfasst am 17:22 26.12.2012
Gast: AndiKr meint
verfasst am 22:44 25.12.2012
Gast: Amsterdamned meint
verfasst am 18:59 11.12.2012
Gast: tim meint
Weil der Herr und Frau Österreicher (+ andere Europäer) um einen "Nasenrammel" quer über Europa fliegen möchten - da wird gespart bei den Billigfluglinien an allen Ecken und Enden und natürlich am Gehalt.
Damit ja keine "Ansprüche" entstehen gleich bei einer Personal Leasing Gesellschaft angestellt (Labor-Pool), damit man die Belegschaft noch besser "auspressen" kann - zum Wohle der "Billigtickets"!
Nach 3 Jahren werfen die meist knapp über 20-jährigen sowieso das Handtuch, da sonst der Freund sie stehen lässt, wenn sie jedes Wochenende fliegt.
Aber das ist den Billig-Airlines recht, weil "Neue" fangen wieder ganz unten im Gehaltsschema an. Das Problem - es gibt keine "erfahrenen" Flugbegleiter mehr - wird einmal (was eher selten vorkommt) vor der Landung durchgestartet - brechen diese vor Angst in Tränen aus.
Eine "Chef"-Flugbegleiterin ist keine 23 Jahre und soll mit "widerspenstigen", angesoffenen Passagieren "umgehen" können? - keine Spur - und deswegen wird es für den Normal-Passagier immer mehr zum Abenteuer mit solchen Airlines zu fliegen - von einem "Notfall" mal ganz zu schweigen!!!!
verfasst am 14:55 09.12.2012
Gast: schmunzler meint
Liebe Frau Past! Nicht alles im Leben dreht sich um so tolle Sachen wie Sie oben angeführt haben.
Manchmal geht es auch um Zeit, Freunde, Wohnsitz und dergleichen. Aber um ein Gucci Tascherl, geschenkt von einem Russen, gibt man(frau) vieles auf.
Frohe Weihnacht...
verfasst am 16:05 07.12.2012
evelin meint
stimmt, ich gebe Ihnen recht! Aber es gibt genügend Menschen (vor allem junge), die genau das wollen. Und die Stewardess, von der ich schreibe lebt eben für diesen Luxus. Was sie dafür aufgibt, ist ihr im Moment egal - hauptsache der Rubel rollt.
verfasst am 16:31 07.12.2012
Gast: Kai meint
Generell: Die Menschen werden immer ichbezogener und geldgeiler.
In was für einer Gesellschaft leben wir eigentlich?
verfasst am 18:19 28.12.2012