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28.09.2012, 18:09 von von Hans-Jörg Bruckberger
Okay, neulich ist wirklich übertrieben. Denn das Match gegen Deutschland ist schon etwas her, aber der Tageszeitungsstress fordert eben seinen Tribut, erst recht wenn's um die stets turbulenten Aktienmärkte geht.
Zurück zum Match:
Was haben die TV- bzw. Kino-Serien Columbo und James Bond mit Heimspielen der österreichischen Nationalmannschaft, insbesondere jenen gegen Deutschland, gemeinsam?
Nun, mehr als man denkt: Man weiß im Vorhinein, was einen erwartet und sogar wie's ausgehen wird. Genau hier unterscheiden sich die beiden Serien aber auch schon von den Events im Happel-Stadion. Denn während Columbo und Bond stets gewinnen, ist unser Team gegen die Deutschen immer unterlegen. Das schmerzt umso mehr, wenn man zwei Deutsche beruflich im Team hat - wobei „unsere" dankenswerter Weise nicht verbal nachgetreten haben...
Zurück zum Match:
Der Weg bis zum bitteren Schlusspfiff ist jedenfalls so vertraut, wie die Tatsache, dass Columbo immer wieder umkehrt, wenn er zur Tür raus geht. Oder Bond am Ende im Hauptquartier des Bösewichts für explosive Action sorgt.
Der Fußball-Fan explodiert indes schon vor Beginn. Wie immer sind nämlich die Organisatoren überfordert, stehen die Fans mitunter sogar noch Schlange vorm Eingang, während das Match schon angepfiffen wird. So erlebt sogar im Europacup bei Spielen der Wiener Austria, wobei das Stadion gerade einmal halb gebucht war. Da braucht sich keiner Wundern, wenn dann die Fans dann ungehalten werden und die Atmosphäre hitzig. In Barcelona gibt's bei 80.000 weniger Stehzeit. Aber die sind volle Stadien halt auch gewohnt.
Zurück zum Match:
Endlich drinnen, in diesem Fall ein ausverkauftes Haus - wir sehen uns eben gerne gegen die Deutschen verlieren - ist die Stimmung anfangs tadellos. Wobei andere Stadien und mehr als 50.000 Fans in anderen Ländern schon mehr Atmosphäre zusammenbringen. Die Laufbahn, die die Zuschauer vom Spielfeld trennt, ist ebenso wenig hilfreich, wie die österreichische Mentalität.
Apropos: Nach dem Tor der Deutschen vor der Pause, ist die Stimmung bei den Fans dann beinahe gänzlich draußen. Mein alter Freund neben mir sagt „Komm, gemma zum Wirten, das hat keinen Sinn mehr". Das Gros der Fans denkt offenbar ähnlich, die Anfeuerung des Teams, das gerade jetzt Aufmunterung bräuchte, hält sich für diese Massen in Grenzen. Prompt regt sich mein Begleiter genau darüber auf!? „Ich versteh die Leute nicht, dass die so gar keine Stimmung machen", sagt er. Und ich bin sprachlos. Der Wiener ist manchmal schon ein seltsamer Mensch.

Hans-Jörg Bruckberger
Studium der Politikwissenschaft und Publizistik an der Uni Wien, sowie Political Science an der University of California, Los Angeles (UCLA)
Wollte aus unerfindlichen Gründen schon immer (seit dem Volksschulalter) Journalist werden
Journalistische Tätigkeit beim Österreichischen Wirtschaftsverlag für verschiedene Fach- und Branchenzeitschriften (u.a. ÖFZ)
Redakteur für Wirtschaft und Politik (zeit- und aushilfsweise und ohne jegliche Affinität (!) sogar Horoskope ;-)) bei der Tageszeitung Täglich Alles
Redakteur und später Ressortleiter Finanzen & Börse beim WirtschaftsBlatt
Kommentare
1 Kommentare
Harald Fercher meint
könnte ein Klassiker werden. Ein Schmunzeln ist jedesmal drinnen. Soltest das öfter machen lieber bru. lg hf
verfasst am 23:10 25.10.2012