21.09.2012, 15:05  von Ingrid Krawarik 

Warum jetzt die Männer weinen...

Als ich vor kurzem laut überlegte, einen Blog zum Thema Gleichberechtigung zu schreiben, konnten sich meine Kollegen ein nachhaltiges Stöhnen nicht verkneifen. (Zur Info: Als derzeit einzige Frau im Finanzressort muss ich mich jeden Tag mit unglaublich viel Testosteron herumschlagen.) Ich werde mich also auf das Wesentliche konzentrieren und mit einer kleinen Aufgabe für alle Spezies beginnen: Nennen Sie aus dem Stehgreif fünf Malerinnen, fünf Erfinderinnen und fünf Komponistinnen. Schwierig, oder?

Kürzlich musste ich mich auf Facebook in einer Diskussion über Gleichberechtigung eine Emanze schimpfen lassen. Auch der Rat des Mannes, nennen wir ihn Robert J., ich solle mich doch bessern, nachdem ich mich nicht zum Vorteil entwickelt hätte, war typisch Mann - ich hatte ihn anscheinend wirklich zur Weißglut gebracht. Leider ist die Welt voll von solchen engstirnigen Spezies, die nach außen hin gleiches Recht für alle propagieren, im gleichen Atemzug jedoch die Tatsache beweinen, dass Gleichberechtigung heutzutage nur mehr auf dem Rücken des Mannes passiert.

Rechtlich mag das vielleicht noch stimmen (Pensionsalter, Bundesheer), aber faktisch sind Frauen (Gehaltsschere) nach wie vor benachteiligt. Der Mann wird noch immer als Hauptverdiener, die Frau als Zuverdienerin gesehen. Die Politik, allen voran Frauenministerin Heinisch-Hosek, trägt übrigens ordentlich dazu bei. Natürlich sollte man auch Frauen für technische Berufe begeistern - aber als Lösung des Gender-Pay-Gap (Gehaltsschere) ist das sicher keine Antwort. Kleines Detail am Rande: Sobald Frauen in Männerberufe drängen, sinken dort die Gehälter. Ist doch seltsam, oder?

Lieber sollten typische Frauenberufe besser entlohnt werden. Wieso bekommen Kindergärtnerinnen nicht ebenso viel bezahlt wie Uni-Professoren? Sie haben eine enorme gesellschaftliche Verantwortung, damit keine sozialen Bomben herangezüchtet werden. Die Arbeit ist sowohl emotional, psychisch als auch körperlich extrem anstrengend und dafür einfach lausig bezahlt. Im Pflegeberuf ist das ähnlich.

Wir sind entweder Rabenmütter oder Heimchen am Herd. Dass Frauen frei wählen und leben dürfen, ohne dass sie bevormundet werden, ist eine Utopie. Ich bin kein Fan der Frauenquote, weil sie an sich diskriminierend ist. Nur wegen einer Quote einen Job zu bekommen, ist nicht wirklich erbaulich. Vielleicht brauchen wir sie aber trotzdem - zeitlich auf fünf bis zehn Jahre begrenzt - damit die Arbeitswelt gezwungen wird zu sehen, dass es auch qualifizierte Frauen gibt. Derzeit werden sie sicher zu oft übersehen.

Anregungen, Wünsche, Beschwerden.....nur her damit.

 

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Biografie

  • Ingrid Krawarik

    Ingrid Krawarik

    Studium der Anglistik und Theaterwissenschaft, Doktor in englischer Literatur

    Spielt Theater und Basketball, führt gern Regie, lernt Boxen, kann Segeln und Tauchen, schreibt an ihrem Bestseller (weil wenn schon denn schon) und kocht für ihr Leben gern

    Spricht Englisch, Italienisch und ein bisserl Französisch, Spanisch und Hindi

    War in der Schule Klassensprecherin und hat das "Obergscheite" nie ganz abgelegt - aber es ist immer nett gemeint...

    Spitznamen in der Redaktion: Frau Doktor, Bad Cop

    Lieblingszitate (alle von Oscar Wilde):

    • Der Gebildete widerspricht den anderen, der wahre Weise sich selbst.
    • Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und den Mund halten.
    • Man sollte immer anständig spielen, wenn man die Trümpfe in der Hand hat.

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