02.12.2012, 19:41  von Manfred Haider 

Der Grund warum Österreichs Bauern "0900..."-Nummern wählen

Ich gestehe: Als TV- und Radio-Besitzer entrichte ich zwar alle zwei Monate den gesetzlich vorgeschriebenen Obulus von 49,76 € an die GIS, schaue aber kaum noch die Programme des ORF. Beim raschen Durchzappen durch die Programmlandschaft bin ich am Samstag dennoch auf ORF2 hängengeblieben. Konkret: bei der Sendung "Land und Leute". Ein an und für sich gut gemachtes Landwirtschaftsmagazin, das es bereits eine gefühlte Ewigkeit gibt. Entgegen so vielen anderen vom Staatsfunk ausgestrahlten Serien und Talkshows, ist dieses Magazin auch eines öffentlich rechtlichen Senders würdig und ich wäre geneigt von den 49,76 € sogar freiwillig 76 Cent für so eine Sendung zu zahlen.

Durch das Einschalten während der Sendung, bekam ich nur jenen Teil zu sehen, als die Moderatorin das Publikum dazu aufrief die Mehrwertnummer 0900 240 240 (68 Cent/Minute) zu wählen, um in der Schlussrunde (wie viele Runden gab es denn?) den „Land und Leute Favoriten" zu wählen. Ins Finale geschafft haben es durch die Stimmen des Publikums: Eine Milchbäuerin aus Kärnten, ein Hühner-Bauer aus der Steiermark und ein Fischzüchter aus Oberösterreich.

Zu gewinnen gibt es für die Anrufer eine Woche Urlaub am Bauernhof, die von "Urlaub am Bauernhof" im Zuge eines Product-Placements gesponsert wurde. Irgendwie raffiniert dieses Geschäftsmodell: Der ORF kassiert Pflichtbeiträge von allen Fernsehbesitzern, verpasst den Zusehern eine Schleichwerbung und kassiert ähnlich wie Sexhotline-Betreiber noch zusätzlich über eine "0900"-Nummer ab. Andererseits gibt es gerade jetzt zur Weihnachtszeit hunderte Privatunternehmen, die zwar ihr Geld am freien Markt verdienen müssen, es aber trotzdem schaffen ihren (potenziellen) Kunden kostenlos die Teilnahme an Gewinnspielen zu ermöglichen.

In Summe erzielte der ORF im Vorjahr Einnahmen in Höhe von 996,9 Millionen €. Davon kamen 548,2 Millionen € aus Programmentgelten, 216,7 Millionen € (netto) aus Werbeeinnahmen, und 196 Millionen € aus sonstigen Erträgen. Erstaunlicherweise kommt der ORF mit diesen Einnahmen nicht über die Runden und verlangt vom Staat, dass er dem ORF die durch die Gebührenbefreihung von Sozialfällen angeblich entgangenen Einnahmen auch noch ersetzt. Weiters sollen künftig auch jene Menschen zur Kasse gebeten werden, die überhaupt keinen Fernseher besitzen.

Was kann man eigentlich tun, wenn einem so etwas sauer aufstösst? Warum schweigen unsere (selbst durch Steuergeld bzw. Pflichtbeiträge finanzierten) "Konsumentenschützer"? Sind sie gerade mit dem Anprangern von Preisunterschieden bei Christbaumschmuck ausgelastet? Oder hat der Staatsfunk dafür ohnehin selbst eine Beschwerde-Hotline eingerichtet? Ich fürchte nur, dass es sich dabei um eine "0900"-Nummer handelt.

 

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