06.11.2012, 15:56  von von Patrizia Reidl 

Was würden Sie alles tun, für eine Tasse Tee?

Mein Lieblingsradiosender BBC World Service, genauer die Sendung Business Daily lädt heute zum mitmachen ein. Was würden Sie alles tun, für eine kostenlose Tasse Tee?Wer ein Mitteilungsbedürfnis verspürt, soll dorthin schreiben. Es geht um Incentives, Belohnungen am Arbeitsplatz und wie stark die sind. Und eigentlich fragt sich der Moderator, ob das nicht der Weg sei, Korruption wenn nicht zu beseitigen so doch zumindest besser in Griff zu bekommen. Nun ja, das sei dahin gestellt.

Jedenfalls geht die Geschichte so: BBC ist heuer übersiedelt. Vom altehrwürdigen Bush-House in ein neues, modernes Haus, im Zentrum Londons. 6000 Journalistinnen und Journalisten mussten die Mühsal auf sich nehmen und ihre Sachen übersiedeln und sich an neue Dinge gewöhnen: Der neue Schreibtisch, das neue Büro, die neuen Wege, der neue Anfahrtsweg, die Umgebung und ihre Geschäfte und Cafes und überhaupt - auch neue Kolleginnen und Kollegen.

Alles mit viel Aufwand und Mühsal verbunden. Die Stimmung sei am Boden gewesen, sagte der Moderator. Und da kam die Geschäftsführung mit einem Trick oder einer netten Geste, jedenfalls gibt es seither Tee in der Kantine - kostenlos, für alle, inklusive Milch und Zucker.

Wer Britannien kennt, weiß: Ohne schwarzem Tee geht auf der Insel gar nichts. Das Gebräu ist quasi das Lebenselexir, das Blut in den Adern der Inselbewohner und wird in Unmengen konsumiert. Eine Tasse Tee hat ungefähr die gleiche Funktion wie der englische Humor - alles geht leichter damit. Das ganze schwer Leben - und das Leben auf der Insel war noch nie leicht - das ganze schwer Leben also wird seit vielen Generationen besser, leichter bewältigt mit der erforderlichen Anzahl von Tassen Tee täglich - konsumiert zu jeder Tages- und Nachtzeit, versteht sich.

Wie beliebt kann sich daher ein Arbeitgeber machen, wenn er dieses Elexir kostenlos anbietet? Ich würde sagen - sehr beliebt. Und es gibt zwar keine Umfragen, ob sich die Stimmung in der BBC gehoben hat, aber die Tatsache, dass der kostenlose Tee zum Thema einer ganzen Sendung über Incentives und deren tiefere Bedeutung wurde, spricht Bände.

Und in der Tat: Wie leicht lässt sich doch die Stimmung einer Belegschaft heben, besonders in Zeiten von Sparpaketen und Mitarbeiterabbau, wo Frust und Angst gerne am Arbeitsplatz anzutreffen sind und eigentlich dort nichts zu suchen haben. Wie leicht können kleine, konkrete Aktionen Menschen motivieren ....

Aber ist das nicht alles auch gemein, fies, niederträchtig? Ein giftiger Trick des Arbeitgebers, mich noch länger noch intensiver im Büro zu halten, mich zu noch mehr Arbeit anzuspornen? Mit dem kostenlosen Tee, Essen oder der gemütlichen Büroeinrichtung arbeitet Mensch doch gerne länger und noch härter und überhaupt - was würden Sie tun für eine kostenlose Tasse Tee oder Kaffee?

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Biografie

  • Patrizia Reidl

    Patrizia Reidl

    Nie „was Gescheites“ studiert, dafür immer die spannenden Sachen verfolgt – z.B. Soziolinguistik in Zürich

    1994 das Studium an der Uni Klagenfurt beendet, anschließend nach Schottland zum Arbeiten

    Nach vier Jahren zurück in Österreich – Wien und mich auf das Gebiet der „Wirtschaft“ eingeschifft: Erst eine kanadische Investmentfirma, dann Pressearbeit bei einem Politiker, dann in der Bank Austria Creditanstalt. Dort Osteuropa „entdeckt“.

    Dazwischen und nebenher immer wieder „Journalismus“, Hauptmedium: Das Radio.

    Seit 2007 im WirtschaftsBlatt, Redaktion Osteuropa und International

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