18.01.2013, 16:11  von Stefan Ludwig 

Warum der Hype Elektroauto übertrieben ist

Beginnen wir mit ein wenig unnützem Wissen: Das erste Elektroauto wurde 1888 hergestellt. Leicht zu merken, oder? Das Modell entspricht nicht mehr ganz den heutigen Vorstellungen von Autodesign, aber dafür gibt es ja die Sportwagen von Tesla.

Seit fast 125 Jahren wird also prinzipiell immer an neuen Modelle gefeilt. Nur im Straßenverkehr kommen die E-Autos nicht an. Die Verkaufszahlen in Europa bewegen sich im dreistelligen Bereich, teilweise sogar im zweistelligen.

Elektro als Prestigeprojekt

Wenn man bedenkt, was es kostet, so ein Auto zu entwickeln, ist es kein Wunder, dass die meisten Autokonzerne sich dem Elektroantrieb höchstens als Prestigeprojekt widmen. Mit ein paar hundert verkauften Exemplaren lassen sich nämlich kaum die Forscher bezahlen, die den Akku entworfen haben.

Als ich einmal in einem reinen Elektroauto gefahren bin, war das ganz witzig. Das Plastikauto hat mich auch überzeugt, dass es Spaß macht, mit Elektroantrieb durch die Straßen zu flitzen. Er ist kaum hörbar, die Beschleunigung spritzig - aber die Kompromisse waren einfach zu hoch.

Der Preis ist hoch, die Reichweite gering und das Plastik ist weder schön noch umweltfreundlich. Klar, ein Opel Ampera sieht deutlich schicker aus und hat das Reichweitenproblem nicht. Aber dafür greift er eben auf Benzin zurück.

Gute Konzepte gibt es

Und dann wäre da noch das Stromproblem: Wer ein Elektroauto kauft, will es vermutlich mit "sauberem" Strom befüllen. Dafür bot mir der Verkäufer eine Plakette an, mit der ich auch unterwegs ruhigen Gewissens Strom tanken dürfe - indem ich vorab für das Einspeisen von "sauberem" Strom bezahle.

So sehr ich mir eine Zukunft wünschen würde, indem der Verkehr leiser, der Benzinpreis egal und das Gewissen beim Autofahren rein ist. Das einzige Konzept, mit dem ich mir das Vorstellen könnte, gab es vor ein paar Jahren auf der Autoausstellung in Frankfurt (IAA) zu sehen.

Es gibt einen standardisierten Akku, an der Tankstelle tauscht man einfach den leeren gegen einen vollen aus und fährt weiter. Das gab es am Stand von Renault. Aber wie sich die Autoindustrie auf einen Standard einigen soll, ist mir schleierhaft. Vielleicht klappt der Durchbruch von E-Fahrzeugen ja doch mit gewerblichen Autos.

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Biografie

  • Stefan Ludwig

    Stefan Ludwig

    Während der Schule wuchs die Freude am Schreiben. Da die Chance einen Bestseller zu schreiben von Familie und Freunden als gering eingeschätzt wurde, klang das Journalistendasein verlockender.

    Es hieß, ein Politikstudium sei in der Branche nützlich: Studium der Social Sciences an der Uni Osnabrück (B.A.) und der Politikwissenschaften an der Uni Hamburg (M.A.)

    Währenddessen freie Mitarbeit und Praktika bei der Süddeutschen Zeitung, den Nachrichtenagenturen dpa und ddp, der Prager Zeitung, der Neuen Osnabrücker Zeitung und dem Kinomagazin Filmstarts.de.

    Entdeckte seinen Spaß an Wirtschaftsthemen bei der freien Mitarbeit an der Onlineausgabe der Financial Times Deutschland auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Da kam das Angebot für ein Volontariat bei der Lebensmittel Zeitung in Frankfurt zur rechten Zeit.

    Nachdem dort der Fokus auf Handel und Industrie lag, geht es inzwischen als Redakteur beim Wirtschaftsblatt um Finanzen und Börse – und damit dem dritten großen Bereich der Wirtschaftsberichterstattung.

    » Twitter @ludwig_stefan

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