24.01.2013, 17:17  von Stefan Mey 

Raubkopien sind out

Die vergangenen 20 Jahre werden vermutlich als „Zeitalter der Raubkopien" ihren Weg in die Lehrbücher von Kunstgeschichte-Studenten finden. Durch die weltumspannende Macht des Internet war es so einfach gewesen wie nie zuvor, immer und überall in kurzer Zeit auf jedes Gerät urheberrechtlich geschützte Inhalte herunterzuladen. Und dann, so wird es in der Geschichtsbüchern der Zukunft stehen, kam alles anders.

Denn es kamen Dienste wie Spotify, das 2008 als legale Alternative zu Raubkopien gegründet wurde. Dieser Dienst - und seine Mitbewerber namens Deezer und Simfy - ermöglichen es dem Kunden, 20 Millionen Songs unbegrenzt oft zu hören. Und zwar legal. Zugegeben, komplett gratis ist das nicht: Der Musik-Fan muss sich entweder zwischendurch mit Werbung berieseln lassen oder knapp zehn Euro zahlen - was dem Bruchteil des Verkaufspreises einer CD entspricht.

Für diese Investition bekommt er aber einen Mehrwert: Über die Websites erfährt er zusätzliche Details zu seinen Lieblingskünstlern, kann in der Biografie schmökern oder wird zu bevorstehenden Konzerten benachrichtigt. Da die Musik zudem auf den Servern der Streaming-Dienste gespeichert ist, ist sie immer und überall verfügbar - im Gegensatz zu Raubkopien, die mühsam hin und her verschoben werden müssen. Hier siegt beim Konsumenten nicht nur die Legalität - sondern auch die Bequemlichkeit.

Und das Abo-Modell macht bei Musik nicht Halt. Amazon ermöglicht seinen Kunden etwa mit „Amazon Prime", pro Monat ein Buch für den E-Reader Kindle auszuborgen. Für 29 Euro im Jahr.

Beim Film hingegen hapert es noch ein wenig mit interessanten Angeboten in Europa. Zwar bieten die Netzbetreiber A1 und UPC das Kaufen und Abspielen von Videos per Fernseh-Fernbedienung („Video on Demand") - da hier aber pro Film separat bezahlt werden muss, ist die Hemmschwelle deutlich größer als bei einem Abo-Modell.

Als „Spotify des Films" hingegen kann wohl die amerikanische Online-Videothek Netflix gelten. Das börsenotierte Unternehmen hat am Donnerstag die Börse mit einem Quartalsgewinn verblüfft; unter anderem wurde in internationale Expansion investiert, so dass auch außerhalb der USA Filme und Serien zum Abo-Preis verfügbar sind. Es bleibt zu hoffen, dass der Service bald nach Österreich kommt.

Denn von Modellen wie diesen profitiert die Kreativindustrie durch neue Erlösmodelle ebenso wie der Konsument durch bessere Qualität, leichtere Verfügbarkeit, sowie nützliche Zusatzinformationen. Und Raubkopien, so utopisch das nun auch klingen mag, sind dann einfach nicht mehr zeitgemäß.

Details zum Status der österreichischen Musikindustrie morgen, Freitag, im WirtschaftsBlatt.

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Biografie

  • Stefan Mey

    Stefan Mey

    Ich schloss meine akademische Karriere als Magister in Internationale Wirtschaftsbeziehungen und mit einem MA in Public Communication ab.

    Ich war TV-Produzent bei Okto, Chefredakteur der Bunten Zeitung und gründete den Wirtschaftsblog "Indische Wirtschaft".

    Meine Kindheit verbrachte ich in Russland, Südafrika, Indien und Deutschland; berufliche Auslandserfahrung sammelte ich in Kroatien und Indien.

    Wirklich zuhause fühle ich mich aber im digitalen Raum - weshalb ich seit fünf Jahren leidenschaftlich über das Zusammenspiel zwischen Mensch und Technik blogge.

    Beim WirtschaftsBlatt arbeite ich seit 2004.

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