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29.08.2012, 10:17 von Evelin Past

Mmmmhhh - wie sieht das lecker aus auf der Verpackung. Saftig, frisch, köstlich garniert und appetitlich - und vor allem so schnell zubereitet. Fertiggerichte sehen oft verführerisch aus, mit der Realität haben die Abbildungen aber meist wenig zu tun. Fast alle Hersteller in der Lebensmittelbranche setzen auf die Sogwirkung professioneller Produktfotos. Die visuelle Lüge soll Emotionen wecken und dient als Kaufanreiz. Die gesetzlichen Regelungen im Foodbereich, Produkte realitätsnah abzubilden, werden schlichtweg mit dem kleinen Zusatz „Serviervorschlag" umgangen. Der Konsument muss es schlucken.

Wie extrem der Unterschied zwischen Werbefotos und tatsächlichen Produkt ist, zeigt Samuel Müller in seinem im März 2012 erschienen Bildband "Werbung gegen Realität". Der Berliner Künstler hat dafür die Verpackungen von 110 Fertiggerichten und das Endproduckt nach der Zubereitung in der Mikrowelle abgelichtet. Bei der Zubereitung der Fertigmenüs hat er sich genau an die Anweisungen des Herstellers gehalten. Das Ergebnis ist teilweise erschreckend. Der Latte Macchiato erscheint als fade Brühe. Zwischen dem mehrschichtigen Getränk auf der Packung und dem Ergebnis im Glas liegen Welten. Auch die Spaghetti Carbonara sind erhitzt ein undefinierbares Gemisch.
Mit dem Projekt sollen aber keine Produkte und Marken diskreditiert, verunglimpft oder gar schlecht gemacht werden. Einziger Zweck sei es, sich kritisch mit Arten und Mitteln von Werbung in unserer Zeit auseinander zu setzen. Mit seiner bereits zweiten Publikation zu diesem Thema, will er die Diskussion im Internet weiter anheizen. Im Netz ist nämlich ein regelrechten Hype im Gange. Die vorher-nachher-Bilder der Convenience-Produkte füllen ganze Blogs, Foren und Social-Media-Plattformen. Was für die User in erster Linie ein Spaß ist, könnte die Lebensmittelkonzerne dazu anspornen, ihre Produkte zu verbessern. Designer und Vermarkter für ihren Teil, werden ihre Bilder zwar weiterhin aufpolieren (schließlich sollen die Fotos auf der Packung nach wie vor zum Kauf verführen), aber das Ergebnis könnte durchaus realistischer werden. Endverbraucher haben schließlich das Recht, dass die Verpackung zeigt, was darin steckt. Na dann, guten Appetit.
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