27.02.2012, 03:33  von Edith Lackner

Die Fraport-Aktie kennt derzeit keinen Streik

Bild: WB_Peroutka

Analyse. Solange die Märkte Aufwind haben, wird auch Fraport steigen.

Wien/Frankfurt. Fünf Tage lang haben Flugzeug-Einweiser des Frankfurter Airports Fraport in den vergangenen zwei Wochen bereits gestreikt und damit für Millioneneinbußen bei dem Unternehmen gesorgt. Streikbedingte Verluste sind derzeit dennoch nicht das Hauptproblem von Fraport.

Nach Rekordpassagierzahlen im Vorjahr lassen die ungewissen Konjunkturaussichten für 2012 die Flugbranche zittern, die Aktie hat sich seit der Finanzkrise 2008 nur bedingt erholt und eine neue Start-und Landebahn bringt aufgrund des Nachtflugverbots keine ungeteilte Freude.

Streik

Schon seit längerem hadern Gewerkschaft und Flughafen wegen unterschiedlicher Ansichten über Tarife und Arbeitszeiten der so genannten Vorfeldmitarbeiter, die am Flugfeld die Jets einweisen. Vor allem seit der Eröffnung der neuen Landebahn im Oktober sei die Arbeit für die Flugzeug-Einweiser anspruchsvoller geworden, sagt die Gewerkschaft. Sie spricht von Gehaltserhöhungen zwischen drei und 30 Prozent über vier Jahre, während laut Fraport die Forderungen in einigen Fällen auf bis zu 70 Prozent hinauslaufen. Einen Schlichtspruch hatte die Fraport Anfang Februar ausgeschlagen.

Die Arbeitsniederlegung, die am 16. Februar begann und die mit Anfang dieser Woche fortgesetzt wird, hat das Unternehmen also nicht unerwartet getroffen. De facto wurde ein derartiges Szenario sogar schon seit zwei Jahren vorbereitet: Bei den Vorfeldlotsen handelt es sich mit 200 Leuten um eine kleine, aber unverzichtbare Gruppe, die mit einer Arbeitsverweigerung einen Flughafen mit 70.000 Beschäftigten lahmlegen kann.

Die streikbedingten Verluste für den Flughafenbetreiber hielten sich denn auch in Grenzen. In den ersten beiden Tagen entstanden noch bis zu vier Millionen € an Umsatzeinbußen. Der Betrag verringerte sich aber aufgrund der zunehmend eingespielten Ersatzmannschaften auf einige 100.000 € täglich. Schlimmer treffen die 1200 verhinderten Starts und Landungen schon die Fluglinien. Hauptkunde Lufthansa spricht von einem hohen zweistelligen Millionen-Umsatzabgang.

Der relativ begrenzte Impact der Streiks auf Fraport an sich beschert dieser also keinen Verhandlungsvorteil im Tarifkonflikt, da für die ohnehin verlustgeplagten Fluglinien jeder Ausfall eine Zumutung ist. Gänzlich ungerührt von der Causa zeigten sich hingegen die Anleger. An den ersten drei Streiktagen schloss die Aktie im Plus, danach folgte sie dem internationalen Trend, der an allen Börsen für Minusgeschäfte sorgte.

Verwundbar

Als Zykliker lässt sich das Papier eben nicht so leicht von der aktuellen Euphorie abbringen. Kursplus seit Jahresbeginn: über 24 Prozent. Allerdings geht es bei Wachstumsdellen ebenso schnell wieder abwärts: Flughafeninvestments haben die Anleger in den vergangenen Jahren mit ihrer konjunkturbedingten Verwundbarkeit herausgefordert.

Glücklich all jene, die nach der Finanzkrise 2007/2008 am Tiefpunkt 2009 bei Fraport eingestiegen sind. Mit über 70 Prozent Gesamtertrag (Kurs- plus Dividendenerträge) darf man sich nicht beschweren. Wer allerdings vor der Krise investierte, der muss noch warten, bis sich die Ausgaben rentiert haben. Von Beginn 2008 bis heute fuhr man sowohl in Frankfurt, als auch in Paris und Wien herbe Gesamtverluste ein. Dass Fraport kontinuierliche Dividenden von 1,15 € je Aktie (ab 2010 von 1,25 €) ausschüttete, war bisher ein schwacher Trost und ein relativ magerer Inflationsschutz.

Bei einem Einstieg zum 2007er Schlusskurs von 53,87 hätte die Dividende den Preis, den man für eine Aktie gezahlt hat, nur mit jährlich 2,1 Prozent verzinst (ab 2010 2,3 Prozent). Die Inflation in Österreich bewegte sich von 2008 bis 2011 zwischen 1,32 und 3,2 Prozent.

Operativ gut

Operativ durfte Fraport zuletzt allerdings sehr zufrieden sein: Auf Deutschlands größtem Flughafen so wie an den Fraport-Auslandsstandorten Türkei, Peru und Bulgarien landeten neun Prozent mehr Passagiere als 2010. Einem Rekord bei den Fluggästen stand allerdings ein Rückgang bei der Luftfracht gegenüber. Und dieses Segment gilt als Frühindikator für die Konjunktur.

Fraport rechnet 2012 mit einem Passagierwachstum von nur noch rund vier Prozent. Besonders bitter: Die lang erwartete vierte Landebahn hätte dem bisher am Kapazitätslimit operierenden Flughafen einen weiteren Aufschwung bescheren sollen. Aber mit der Eröffnung kam auch ein Nachtflugverbot. Und so gesellen sich zu den trüberen Aussichten für 2012 noch Standortsorgen: Bei der Konkurrenz in Asien und in den Golfstaaten sind derartige Einschränkungen unbekannt.

Dementsprechend zurückhaltend sind auch die Schätzungen zum Geshäftserfolg für 2012. Während von Bloomberg gesammelte Analystenprognosen für 2011 bei Umsatz und Gewinn veritable Steigerungen angeben, soll das Wachstum heuer sehr gering ausfallen. Geschäftszahlen für 2011 werden am 8. März präsentiert.

Im Aufwind aber teuer

Die Aktie zieht derzeit mit dem Börsentrend mit, bis zum Absturz im Sommer wären noch mehr als zehn € Luft. So lang die Konjunktur also besser läuft als vielerorts, wird auch Fraport steigen. Allerdings lassen die dürftigen Gewinnprognosen keine großen Fantasien zu und Kurs/Gewinn- und Buchverhältnis zeigen ein schon relativ teures Papier.

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