26.11.2012, 11:44  von Christian Kreuzer

ÖIAG rüstet sich für Match mit Slim

Rudolf Kemler / Bild: WB/Jindrich Foltin

Telekom. Die ÖIAG prüft, ob das gesamte Ostgeschäft der TA ausgelagert werden soll oder nur Teile. Die Staatsholding will gerüstet sein, wenn Großaktionär Slim Druck macht.

Wien. Offiziell ist eine Ostholding für die Telekom Austria (TA) kein Thema. Doch hinter den Kulissen wird eifrig an der Strategie für eine mögliche Ausgliederung des Ostgeschäfts der TA gearbeitet. Dies trifft vor allem auf die beiden Hauptaktionäre der Telekom, ÖIAG und Carlos Slims America Movil, zu. Derzeit prüft die Staatsholding, die 28,4 Prozent der Telekom-Anteile hält, mögliche Optionen für eine derartige Holding, wie das WirtschaftsBlatt erfahren hat. „Es ist denkbar, dass die gesamten Beteiligungen in Osteuropa in eine eigene Gesellschaft eingebracht werden. Es könnten aber auch nur Teile davon ausgelagert werden", heißt es von gut informierter Seite.

„Zweite ÖBB"

Der neue ÖIAG-Chef Rudolf Kemler will mit einer neu erarbeiteten Telekom-Strategie gerüstet sein, wenn der neue Großaktionär Carlos Slim Druck auf weitere Expansionsschritte der TA in Osteuropa macht. Im Gegensatz zu der österreichischen Staatsholding hat der Mexikaner genügend Kapital, um die Telekom finanziell aufzupäppeln. Gerade größere Zukäufe, etwa eine mögliche Übernahme der Telekom in Serbien, kann die TA angesichts der knappen Kasse derzeit nicht aus dem Cashflow stemmen.

Würde eine Ostholding ­geschaffen, könnte dort der Mexikaner Slim mittels einer Kapitalerhöhung die Expansion vorantreiben - und dort auch rasch die Mehrheit übernehmen, weil der Staatsholding die Hände gebunden sind. Die ÖIAG verliere damit im Osten ihren Einfluss. Im Extremfall würde sie nur mehr am Österreich-Geschäft beteiligt sein, denn an diesem ist Slim am wenigsten interessiert.

Dieses Szenario bereitet vielen in der Telekom Austria Sorgen. Sie befürchten, dass die Telekom in Österreich in einigen Jahren zu einer „zweiten ÖBB" verkommt. Denn in Österreich ist die Marge aufgrund des starken Wettbewerbs enorm unter Druck, gleichzeitig müssen Millionen in die Netzinfrastruktur investiert werden. Und die hohen Personalkosten fallen auch hierzulande an: Rund drei Viertel der gesamten Personalaufwendungen stammen aus Österreich. Der Grund sind die rund 5500 Beamten, die die TA nicht kündigen kann. Dieser Kostenblock wird die Telekom noch Jahre begleiten.

Weder die Telekom Austria noch die ÖIAG wollten zum Thema Ostholding Stellung nehmen.

Brüskierung der HV

Der von America Movil in den Aufsichtsrat der Telekom entsandte Mexikaner Oscar Von Hauske Solis brüskierte die Kleinaktionäre: Er ließ sich auf der Telekom-Hauptversammlung Ende Oktober durch einen Wiener Anwalt vertreten, was unter den ­anwesenden Aktionären für großen Unmut sorgte. Hauske Solis war aber in Wien, denn an der anschließenden Aufsichtsratssitzung nahmen er und Ronny Pecik, der auf der Hauptversammlung ebenfalls fehlte, teil. Dies ­bestätigt die Telekom Austria.

 

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