03.10.2012, 10:18  von Andreas Wolf

Hannover Rück profitiert von der Suche nach Sicherheit

Hannover Rück setzt auf Sicherheit / Bild: (c) Thomas Bach

Analyse. Lukrativ für Anleger ist vor allem die hohe Dividenden­rendite von knapp fünf Prozent.

Es gab in den letzten zehn Jahren mit Sicherheit angenehmere Branchen als das Versicherungsgeschäft. Erst brachte der Internet-Crash um die Jahrtausendwende die Portfolios durcheinander, dann kamen, wie heute bei den Banken, die staatlichen Regulierer und sorgten für ein erschwertes Geschäftsmodell. Zu guter Letzt trugen dann auch noch die sinkenden Zinsen zu einem Absatzeinbruch im Lebensversicherungsgeschäft bei. Handeln ist also angesagt; die Versicherer müssen Produkte für ihre Kunden entwickeln und nicht gegen sie, wie das so häufig in der Vergangenheit der Fall war. Das bedeutet aber auch, mit kleineren Margen zu leben, mehr Kundenservice und weniger Komplexität. Der Talanx-Tochter Hannover Rück scheint dies alles in den vergangenen Jahren gelungen zu sein, obwohl ihr Hauptgeschäft weniger der Privatkunde als andere Versicherungsgesellschaften sind.

Milder Schadensverlauf stützt. Grundsätzlich profitiert Hannover Rück von der gestiegenen Risikoaversität seit der großen Wirtschaftskrise 2008/09. Abzulesen ist dies am Umsatzsprung seit 2008, denn die Bruttoprämienvereinnahme stieg um gut 50 Prozent auf 12,1 Milliarden €. Das versicherungstechnische Konzernergebnis pendelt hingegen seither zwischen 0,75 und 0,61 Milliarden € hin und her. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen, denn im Rahmen zahlreicher Umstrukturierungsmaßnahmen und dem lange geplanten Börsengang der Konzernmutter Talanx wurde das Ergebnis gedrückt. Für Enttäuschung sorgte daher auch das Ergebnis im zweiten Quartal, das die Niedersachsen Anfang August veröffentlichten. Das EBIT sank um knapp 13 Prozent auf 144 Millionen €, und das, obwohl der Umsatz um gut 20 Prozent auf 3,01 Milliarden € zulegte. Nach Angaben des Unternehmens sorgten Verluste bei Derivategeschäften für das unterdurchschnittliche Ergebnis. Man habe sich wohl zu konservativ gegen Inflationsrisiken abgesichert. Da gerade aber das Rückversicherungsgeschäft eine Branche mit vielen unbekannten Variablen ist, sind solche leichten Fehleinschätzungen allemal besser zu verkraften als ein hoher Verlust aufgrund mangelnder Absicherung - übrigens eine Lehre aus dem sehr volatilen Geschäftsverlauf des vergangenen Jahrzehnts. Unsicherheit verbreiteten auch die Aussagen zu den Kosten des Börsengangs von Talanx. Von wenig Professionalität zeugte dessen Ankündigung, Rücknahme und Wiederankündigung in einem sehr kurzfristigen Zeitfenster. Dass dies nicht gerade eine preisgünstige Variante ist, dürfte selbst dem wenig informierten Investor klar sein. Unternehmenschef Ulrich Wain sah sich daraufhin gezwungen, den Börsengang von Talanx mit einer Dividendengarantie zu stützen. Die geht dann aber zulasten von Hannover Rück, was auch nicht gerade für Begeisterung bei den dortigen Aktionären sorgte.

Preise ziehen leicht an. Andererseits läuft es für die Rückversicherer momentan schon deshalb günstig, weil größere Schadensereignisse in jüngster Vergangenheit kaum zu verzeichnen waren. Das führt am Ende natürlich zu einem höheren Gewinn, der allerdings auch erst zu quantifizieren ist, wenn das Jahr wirklich vorüber ist. Für 2012 hat Hannover Rück mit Schäden in Höhe von 560 Millionen € kalkuliert, geleistet werden mussten aber tatsächlich nach sechs Monaten erst 132 Millionen €. Damit beginnt die Spekulation des Marktes über die mögliche Höhe des Gewinns für dieses Jahr Darüber hinaus rechnet der Versicherer für dieses Jahr mit höheren Prämieneinnahmen im Umfang von fünf bis sieben Prozent. Dem bisherigen Geschäftsverlauf nach zu urteilen, ist auch diese Zahl eher konservativ zu bewerten. Rechnet man dann noch hinzu, dass nach dem Branchentreffen im September in Monte Carlo mit leichten Preiserhöhungen im Rückversicherungsgeschäft zu rechnen ist, dürfte der Ausblick für die kommenden Monate eher leicht fallen. Das entbindet aber nicht von dem Hinweis, dass die Risikokomponente bei Titeln dieser Branche trotz aller Absicherung in möglichen Großschadensereignissen liegen wird.

Kurz- bis mittelfristig ist noch Potenzial vorhanden. Die fundamentalen Bewertungsdaten bei Hannover Rück stimmen, lösen aber keine Begeisterung aus. Mit einem KGV von acht für 2013 ist die Aktie gut bewertet, allerdings liegt sie damit im Durchschnitt. Auch Kurs-Buchwert- und Kurs-Umsatz-Verhältnis sind angemessen, aber kein großer Aufreger. Lukrativ dürfte die hohe Dividendenrendite von knapp fünf Prozent sein, die in Zeiten von Risikoaversität sicher ein Anziehungspunkt für Anleger sein sollte. Sehr attraktiv sieht die Aktie nach technischen Gesichtspunkten aus. Gerade erst wurde das langjährige Allzeithoch bei 49,40 € überwunden. Damit sind bereits Voraussetzungen für eine Rally geschaffen worden. Anleger sollten aber nicht erwarten, dass das Papier nun gleich durchstartet. Eher dürfte es nun gemächlich in Richtung 55 € und nach einer kleinen Zwischenkorrektur in Richtung 61 € gehen.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

03.02.2016, 06:03

RBI muss für nachhaltigen Turnaround noch einige Altlasten auflösen

02.02.2016, 09:57

Bwin.party macht GVC interessant

01.02.2016, 13:42

Das 46-Milliarden-Euro-Kalkül von Shell

Mehr

Hannover Rück

Die Aktie auf einen Blick

Die Aktie auf einen Blick

Der Autor

Andreas Wolf

Andreas Wolf

Kommentare

0 Kommentare

29.01.2016, 19:03

AT&S: Der nächste Wachstumstreiber kommt

Der Leiterplattenhersteller AT&S bewegt sich geschäftlich derzeit auf etwas unsicherem Terrain – ist allerdings gut genug aufgestellt, um für Anleger mittelfristig interessant zu sein.

29.01.2016, 07:14

Daimler: Lieber einen Stern als vier Ringe

Hohe Dividendenrendite, ein Rekordergebnis in der Transportersparte und gute Absätze bei den Premiummodellen: Daimler steht besser da, als es der zuletzt unter die Räder gekommene Aktienkurs vermuten lässt.

28.01.2016, 09:35

Apple verliert langsam an Biss

Der Apple-Konzern schaffte zwar erneut ein Rekordergebnis. Allerdings braucht Apple dringend einen neuen Verkaufsschlager, um die Erfolgsgeschichte fortsetzen zu können.

27.01.2016, 09:20

Siemens: Die Zwischenbilanz macht Mut

Als "zyklische" Aktie musste Siemens in den vergangenen Wochen deutlich Federn lassen. Doch der Konzern macht deutliche Fortschritte beim Umbau. Kann er das Tempo halten, wird das Papier zum Outperformer.

25.01.2016, 18:42

Geberit stemmt sich gegen den Trend

Das Umfeld für Aktien ist seit Jahresbeginn deutlich rauer geworden. Der im Schweizer Leitindex SMI gelistete Sanitärkonzern Geberit stemmt sich dagegen. Und das, obwohl er unter dem starken Franken leidet.

Aktiensuche


CA Immo Logo
Immofinanz Group Logo

Börsenkurse

Borsenkurse

Top 5

RAIFFEISEN B.11,163,05%chart

WIENERBERGER.14,361,95%chart

IMMOFINANZ AG1,831,66%chart

ZUMTOBEL GRO.18,321,52%chart

CA IMMOBILIE.15,621,49%chart

Flop 5

VERBUND AG10,94-2,58%chart

BUWOG AG18,90-0,58%chart

CONWERT IMMO.13,04-0,19%chart

LENZING AG62,020,03%chart

FLUGHAFEN WI.80,520,09%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

RAIFFEISEN B.11,163,05%chart

KAPSCH TRAFF.31,192,87%chart

SEMPERIT AG .27,402,05%chart

WIENERBERGER.14,361,95%chart

IMMOFINANZ AG1,831,66%chart

Flop 5

FACC AG4,57-2,72%chart

VALNEVA SE3,14-2,61%chart

VERBUND AG10,94-2,58%chart

PORR AG24,30-2,21%chart

CROSS INDUST.3,45-1,43%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

COMMERZBANK .7,271,98%chart

VOLKSWAGEN A.102,551,63%chart

E.ON SE NAME.9,441,20%chart

BAYERISCHE M.71,891,07%chart

K+S AKTIENGE.19,200,84%chart

Flop 5

FRESENIUS ME.74,26-4,68%chart

DT.T TLTKOM .14,78-4,53%chart

VONOVIA SE N.26,68-3,83%chart

SAP SE INHAB.67,31-3,51%chart

FRESENIUS SE.54,59-3,49%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

MERCK & CO. .49,381,63%chart

VERIZON COMM.50,971,07%chart

WAL-MART STO.67,000,87%chart

INTERNATIONA.128,570,72%chart

PROCTER & GA.81,200,62%chart

Flop 5

NIKE Inc57,17-4,99%chart

MCDONALD'S C.115,40-4,36%chart

HOME DEPOT I.116,43-3,86%chart

MICROSOFT CO.50,16-3,54%chart

JOHNSON & JO.100,54-3,23%chart

Mehr

Börse Frankfurt

Borsenkurse

Top 5

COMMERZBANK .7,271,98%chart

VOLKSWAGEN A.102,551,63%chart

E.ON SE NAME.9,441,20%chart

BAYERISCHE M.71,891,07%chart

K+S AKTIENGE.19,200,84%chart

Flop 5

FRESENIUS ME.74,26-4,68%chart

DT.T TLTKOM .14,78-4,53%chart

VONOVIA SE N.26,68-3,83%chart

SAP SE INHAB.67,31-3,51%chart

FRESENIUS SE.54,59-3,49%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

LEONI AG NAM.31,195,28%chart

ELRINGKLINGE.22,603,68%chart

AURUBIS AG I.40,293,23%chart

KLOECKNER & .8,243,01%chart

KION GROUP A.42,632,90%chart

Flop 5

STROEER SE I.50,80-6,34%chart

LEG IMMOBILI.70,51-4,44%chart

FRAPORT AG F.51,73-3,99%chart

ZALANDO SE I.28,02-3,87%chart

STADA ARZNEI.29,80-3,68%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

GFK SE INHAB.28,025,25%chart

GERRY WEBER .13,105,04%chart

GRAMMER AG I.27,182,90%chart

WACKER NEUSO.13,292,70%chart

WCM BETEIL.U.2,852,45%chart

Flop 5

FERRATUM OYJ.24,11-5,74%chart

STABILUS S.A.37,33-4,95%chart

BRAAS MONIER.21,02-3,77%chart

HYPOPORT AG .61,91-3,24%chart

KOENIG & BAU.26,77-2,88%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

AIXTRON SE N.3,274,61%chart

CANCOM SE IN.44,102,78%chart

SARTORIUS AG.228,931,18%chart

COMPUGROUP M.36,441,04%chart

QSC AG NAMEN.1,480,82%chart

Flop 5

XING AG NAME.174,70-7,08%chart

NORDEX SE IN.25,15-6,43%chart

SMA SOLAR TE.42,95-6,39%chart

NEMETSCHEK A.39,11-5,34%chart

SILTRONIC AG.14,54-4,87%chart

Mehr

Umfrage

  • Bulle oder Bär - wer gibt in der Woche von 15.02.2016 bis 19.02.2016 das Tempo vor? Wird der ATX ...
  • ... mehr als 2 Prozent zulegen?
  • ... zwischen 0,5 und 2 Prozent zulegen?
  • ... das Niveau halten? Also zwischen + 0,5 und - 0,5 Prozent zu liegen kommen.
  • ... zwischen 0,5 und 2 Prozent verlieren?
  • ... mehr als 2 Prozent verlieren?

Weltwährungen

USD
Mehr