03.02.2016, 06:03  von Ingrid Krawarik

RBI muss für nachhaltigen Turnaround noch einige Altlasten auflösen

RBI / Bild: WB Peroutka

Im vierten Quartal 2015 schreibt die RBI einen Verlust von rund 75 Millionen €, die Aktie steht unmittelbar vor einem Death Cross (Verkaufssignal) und die Situation in Polen verspricht auch nicht unbedingt ein schönes Ende.

Ein Kapitalmarkt, der derzeit nach positiven Nachrichten dürstet, konnte nicht umhin, die vorläufigen Zahlen der Raiffeisenbank International freudig aufzunehmen und der Aktie einen dementsprechenden Auftrieb zu verleihen. Auf den ersten Blick wirkt der vorläufige Jahresgewinn 2015 von 383 Millionen € durchaus beachtlich – vor allem nach den Verlusten des Jahres zuvor.

Bricht man das Ergebnis auf die Quartale herunter, wird allerdings schnell klar, dass der Jubel etwas verfrüht ist. Denn nach 83, 192 sowie 183 Millionen € Gewinn in den ersten drei Quartalen, erzielte die RBI im vierten Quartal einen Verlust von rund 75 Millionen €.

Auch die ausgewiesenen Kreditrisikovorsorgen von 1,27 Milliarden € sind zwar deutlich niedriger als 2014. Doch auch hier wurde im vierten Quartal mit 472 Millionen € weitaus mehr zurückgelegt als in den drei Quartalen zuvor – im dritten Quartal waren es nur 191 Millionen €. Dazu kommt, dass die RBI Aufwendungen in Höhe von 124,1 Millionen € (u. a. 93,4 Millionen € an Abschreibungen auf den Firmenwert der Polbank) nachträglich auf das Jahr 2014 gebucht hat und sich so ein schlechteres Ergebnis für 2015 ersparte.

Zu den Fusionsüberlegungen von RBI und Raiffeisen Zentralbank wollte RBI-Vorstandsvorsitzender Karl Sevelda im gestrigen Analysten-Gespräch keine näheren Angaben machen. Er meinte nur, dass es dahingehend in den nächsten Monaten keine Entscheidung geben werde. Eine Fusion ist allerdings nach dem gemeinsamen Auftritt von Sevelda und RZB-Chef Walter Rothensteiner im Dezember sehr wahrscheinlich und dürfte nach den Worten von Sevelda auch die Kapitalquoten stärken.

Baustelle Polen

Wenig Bewegung gibt es auch in Polen. Der angekündigte Verkauf der Polbank ist deshalb so kompliziert, weil die RBI das Schweizer-Franken-Kreditportfolio herauslösen muss, da es inklusive diesem laut Sevelda keinen Käufer gibt. An den versprochenen Börsengang der Polbank, der mit einem strategischen Partner passieren soll, will sich die RBI halten. Das Marktumfeld ist dafür auch wegen der politischen Veränderungen in Polen denkbar schlecht. Ein Zwangsumtausch von Fremdwährungskrediten, der zu immensen Belastungen der Banken führen würde, dürfte aber so nicht durchgeführt werden. Das ist zumindest eine gute Nachricht.

Eine weitere Baustelle sind die Geschäftsaktivitäten in Asien und den USA, zwei Märkte, aus denen sich die RBI bis 2017 weitgehend zurückziehen möchte. Da ein Verkauf des USA-Portfolios keine befriedigenden Angebote einbrachte, wird das Geschäft dort abgewickelt. In Asien fährt die RBI das Kreditgeschäft deutlich zurück, und legt fortan den Fokus auf Handelsaktivitäten. Immerhin wurden die risikogewichteten Aktiva in beiden Ländern insgesamt um 500 Millionen € reduziert.

Im Vergleich zur Konkurrenz zählt die RBI aufgrund ihres Kurs-Buchwert-Verhältnisses von 0,43 zu den günstigsten Aktien der Branche. Mit der Deutschen Bank sowie Standard Chartered (beide 0,34) gibt es zwei Mitbewerber, die ebenfalls mitten in einer Umstrukturierung stecken und die zu den Favoriten von JP Morgan zählen. Der Ausfall der Dividende hilft dem Unternehmen, macht die Aktie aber für Investoren weniger interessant. Am Kursziel der Analysten hat sich seit unserer Analyse vom August 2015 wenig verändert, das Kurspotenzial liegt auf Sicht von zwölf Monaten bei 28 Prozent.

Fazit

Die Aktie ist langfristig gesehen ein Trauerspiel. Zum Vergleich: Die Erste Group erzielt auf Dreijahressicht ein Plus von zehn Prozent, die RBI liegt 55 Prozent unter Wasser. Auf zehn Jahre kommt die RBI auf einen Verlust von 74 Prozent. Die Aktie steht unmittelbar vor einem Death Cross (die 50-Tage-Linie kreuzt die 200er von oben nach unten), was einem starken Verkaufssignal entspricht. Natürlich ist der Kurs derart tief, dass risikofreudige Anleger auf ihre Rechnung kommen könnten. Gesünder ist es aber, die Lösung in Polen und eine mögliche Fusion abzuwarten.


[LX6I3]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 03.02.2016)

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