11.02.2016, 09:32  von Manfred Haider

Telekom Austria - Slims Probleme in Mexiko

Bild: (c) © 2014 Bloomberg Finance LP

Die Telekom Austria legt den höchsten Jahresgewinn seit 2007 vor. Der von Carlos Slim kontrollierte Mutterkonzern America Movil erzielt hingegen den niedrigsten Gewinn seit 2005.

WIEN. Endlich wieder gute Nachrichten von der Telekom Austria. Nicht nur, dass sich die Aktie seit Jahresbeginn mit einem Abschlag von knapp einem Prozent im ATX am besten gehalten hat, nun legt sie auch noch den höchsten Jahresgewinn seit 2007 vor. Beides hat natürlich miteinander zu tun, denn der Turnaround wurde erwartet und teilweise vorab eingepreist.

Nach einem Verlust von 185,4 Millionen € im Jahr zuvor schrieb die Tochter von American Movil 2015 wieder einen Nettogewinn von 392,8 Millionen €. Dennoch fiel das Ergebnis besser aus als erwartet und die Aktie erholte sich wieder auf knapp fünf €. Vom Ausgabekurs von neun € beim Börsegang im November 2000 sowie dem Höchststand Anfang 2007 bei knapp 20 € ist der Kurs allerdings noch weit entfernt.

CEO Plater schweigt

Mit ein Grund, warum die Aktie schwer in die Gänge kommt, ist die Unsicherheit, was Großaktionär America Movil mit der Telekom vor hat. Laut Syndikatsvertrag zwischen der staatlichen ÖBIB, die 28,42 Prozent der Telekom-Aktien hält, und America Movil, die 59,70 Prozent kontrolliert, soll der Streubesitz von aktuell 11,88 Prozent auf 24 Prozent steigen. Ob dies durch eine Kapitalerhöhung geschehen soll, bei der America Movil nicht mitzieht, oder indem die Mexikaner Anteile abgeben, ist ungewiss. Es ist sogar fraglich, ob sich America Movil überhaupt daran hält und nicht stattdessen einen Rückzug von der Börse plant, wie zuletzt in Medien spekuliert wurde. Alejandro Plater hielt sich gestern strikt an seine Rolle als CEO. Es gäbe keinen Auftrag an das Management, einen Börsenrückzug vorzubereiten.

Stetiges Wachstum

Seit der Vertrauensmann von America Movil am 1. August 2015 sein Amt angetreten hat, ist die Aktie um 19 Prozent gesunken, und damit in etwa gleich viel wie der ATX. Sollte es tatsächlich Pläne geben, dem Streubesitz ein Übernahmegebot zu unterbreiten, käme ein tiefer Kurs gar nicht so ungelegen. Frustrierten Kleinaktionären muss man sicher weniger Geld für ihre Aktien bieten als zufriedenen.

Aber das ist natürlich alles reine Spekulation. Fakt ist, America Movil hat im fernen Mexiko zeitgleich mit seiner Österreich-Tochter Jahreszahlen vorgelegt und hier zeigt sich in einigen Dingen ein gegenläufiger Trend. Der Umsatz der Telekom Austria ist diesmal dank Zukäufe zwar um 0,2 Prozent auf 4,03 Milliarden € gestiegen, in den vergangenen Jahren zeigte der Trend aber nach unten. Bei den stark auf Wachstum fokussierten Mexikanern legte der Umsatz stetig zu (s. Balkengrafik). Auch diesmal gab es ein Plus von 1,2 Prozent auf 894,22 Milliarden Pesos (42,51 Milliarden €). Anders als bei der Telekom Austria, die diesmal den höchsten Gewinn seit 2007 erzielte, waren die 35,05 Milliarden Peso von America Movil der niedrigste Gewinn seit 2005.

In der separaten Betrachtung des vierten Quartals gab es aufgrund geringerer Währungsverluste zwar eine kräftige Ergebnissteigerung, die Erwartungen des Marktes haben die Mexikaner aber verfehlt. America Movil ist in vielen Märkten in Süd- und Mittelamerika, in den USA sowie in Österreich und der CEE-Region aktiv. Inklusive den konsolidierten Zahlen des Telekom Austria-Konzerns zählt man 285,53 Millionen Mobilfunkkunden und 80,81 Millionen Festnetzanschlüsse. Die Telekom Austria alleine kommt auf 20,71 Millionen Mobilkunden und 3,37 Millionen Festnetzanschlüsse.

Peso ist unter Druck

Die meisten Kunden hat America Movil in Mexiko und Brasilien, deren Währungen gemeinsam mit denen anderen Emerging Markets stark gesunken sind. Die Mexikaner leiden aber auch unter den strengeren regulatorischen Vorgaben am Heimatmarkt, weshalb die EBITDA-Marge in Mexiko im vierten Quartal von 42,6 auf 36,7 Prozent und damit erstmals unter die 40-Prozent-Marke gefallen ist. Vor allem die schärfere Konkurrenz mit dem US-Konzern AT&T setzt America Movil zu.

Der Hauptversammlung am 30. April soll nun eine Dividende von 0,28 Peso je Aktie vorgeschlagen werden, die in zwei Tranchen bezahlt wird. Das ergibt eine Rendite von 2,23 Prozent und ist somit weniger als die 4,35 Prozent, die Analysten im Schnitt erwartet hatten. Die Prognose basiert offenbar auf den Vorjahreswert, als America Movil eine Sonderdividende gezahlt hat.

Dennoch ist die Rendite im Vergleich zu den 0,05 € je Aktie bei der Telekom Austria attraktiver, denn das ergibt nur magere 1,01 Prozent. Punkto KGV ist die Telekom mit einem Wert von knapp neun, zwar günstiger, die Analysten prognostizieren für die beiden Folgejahre aber einen Anstieg und somit sinkende Gewinne. Bei America Movil sollte sich hingegen das KGV in diesem Jahr von 23,8 auf 11,3 wieder deutlich verbessern.

Unberechenbarkeit

So gesehen ist die Aktie der Mexikaner für spekulative Anleger eine Überlegung wert. Vor allem, weil sich Anleger aus dem Euroraum dank günstigem Peso-Kur günstig einkaufen können (s. Chart). Allerdings ist es fraglich, ob die Talsohle bei Emerging-Markets-Währungen generell schon durchschritten ist.

Die Telekom Austria soll durch Zukäufe weiter wachsen. CEO Plater will das Unternehmen zu einem großen Player in Europa machen. Dazu sind freilich weitere Investitionen nötig und statt einer Steigerung der Gewinne dürfte vorerst eher der Fokus auf Umsatzsteigerung gelegt werden. Im abgelaufenen Jahr hat die Telekom am Heimatmarkt Österreich den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 17,3 Prozent gesteigert. Dies reichte aus, um Rückgänge in Bulgarien, Kroatien und Weißrussland mehr als zu kompensieren. In Weißrussland steigen zwar die Telefontarife dank extremer Inflation stetig, dies sorgt aber auch für herbe Einbußen auf der Währungsseite, da der Belarus-Rubel stetig fällt. In Summe steigerte die Telekom das EBITDA um 5,7 Prozent.

Bei den Kundenzahlen gab es dank Akquisitionen im Ausland teils kräftige Zuwächse. In Bulgarien etwa wuchs die Zahl der Festnetzanschlüsse um 280 Prozent auf 583.600, weil die Telekom Austria am 1. Oktober 2015 den Festnetzanbieter Blizoo übernommen hat. In Mazedonien stieg die Zahl der Festnetzanschlüsse fusionsbedingt ab 1. Oktober 2015 um 131 Prozent und die der Mobilfunkkunden um 87,1 Prozent.

Insgesamt ist die Zahl der Festnetzanschlüsse der Telekom Austria 2015 um 28,4 Prozent gestiegen und die Zahl der Mobilkunden um 3,5 Prozent. Die Erlöse pro Kunde sind zwar in vielen Märkten rückläufig, in Summe bietet die Telekom aber eine Wachstumsstory. Dennoch hat die Aktie einen Haken. Und das ist die Unberechenbarkeit des Großaktionärs America Movil.

 


[LYRVH]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 11.02.2016)

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