23.02.2016, 09:42  von Hans Jörg Bruckberger

Tesla ist (und bleibt) eine Glaubensfrage

Keine Gewinne, aber viel Fantasie: Die Story des Elektroautobauers Tesla bleibt bis auf Weiteres unverändert. Die Aktie ist freilich wieder deutlich günstiger geworden, die Spritpreise allerdings ebenso.

Es ist ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber ein großer für Elon Musk: Der Gründer und Chef des Elektroautobauers Tesla besitzt nach einem jahrelangen Domain-Streit jetzt endlich die Rechte für Tesla.com. Ein Nikola-Tesla-Fan registrierte die Domain 1992, ließ sie aber ungenutzt. Jetzt könnte Musk endlich „Motors“ aus dem Firmennamen streichen. Wobei das wohl sein geringstes Problem ist. Der Konzern schreibt beharrlich Verluste, hat zuletzt aber auch Vertrauen der Aktionäre verloren. Die Tesla-Aktie hat allein heuer schon rund 30 Prozent an Wert eingebüßt. Aktuell notiert sie bei rund 176 $, im Jahr 2014 hat der Titel noch an der 300-$-Marke geschnuppert.

Passend: Die Pläne des erfolgreichen Aufsteigers Mate Rimac

Derweil hat eine charttechnisch wichtige Fibonacci-Unterstützung gehalten. Diese liegt bei rund 156 $ und wird nicht ohne Gegenwehr durchbrochen. Die nächste längerfristige Unterstützung liegt knapp über 120 $. Daraus ergibt sich das weitere Rückschlagpotenzial. Dann wäre auch das Doppeltop abkonsolidiert, das durch die Hochs 2014 und 2015 ausgebildet wurde, und ein Einstieg wäre eine Überlegung wert. Eine solche Konsolidierung wäre im Übrigen ganz normal und täte der Aktie gut. Man darf nicht vergessen, dass Tesla seit 2012 fast 1000 Prozent zugelegt hat. Das erinnert an die Apple-Aktie in den 1980er-Jahren, die Anfang der 1990er-Jahre dann um mehr als 60 Prozent korrigierte. Wer danach eingestiegen ist, wurde reich, aus einem Dollar wurden 100 Dollar.

Hohe Verluste

Wen jetzt überhaupt noch interessiert, was Tesla operativ so treibt, dem sei im Folgenden die jüngste Entwicklung dargelegt: Im Schlussquartal wurde der Verlust trotz eines Umsatzwachstums von 27 Prozent wegen hoher Kosten, etwa für den Anlauf der Model-X-Produktion, vervielfacht. Bereinigt um Einmaleffekte lag er bei 87 Cent je Aktie, Analysten hatten einen Gewinn von zehn Cent erwartet. Im Gesamtjahr schlug ein Nettoverlust von fast 890 Millionen $ zu Buche – nach minus 294 Millionen 2014. Seit der Gründung 2003 gab es keinen einzigen Jahresgewinn. Der Konzern setzt vier Milliarden $ um, ist an der Börse aber immer noch 22 Milliarden wert. Die Kursziele der Analysten variieren von 140 $ bis 400 $, was zeigt, dass Tesla eine Glaubensfrage ist.

Ausgerechnet nach der Verkündung der enttäuschenden Zahlen (übrigens kein Einzelfall bei Tesla) machte die Aktie kehrt und schoss nach oben. Der Grund: Elon Musk hat Großes versprochen. Heuer sollen bis zu 90.000 Autos ausgeliefert werden – das wäre eine Steigerung von fast 80 Prozent zum Vorjahr. Und die Firma soll profitabel werden. Last but not least hat Musk das Model 3 angekündigt: Es soll schon Ende März präsentiert werden und 2017 in Massenproduktion gehen. Das Besondere daran: Das Model 3 soll mit etwa 35.000 $ weniger als die Hälfte der bisher angebotenen Premium-Modelle kosten.

Diese Medaille hat zwei Seiten: Natürlich schafft so ein Fahrzeug Wachstumsfantasie, und es ist dafür höchste Zeit. Denn die Konkurrenz schläft nicht: Chevrolet lanciert demnächst den Bolt (mit 300 km Reichweite und dank US-Förderung um erschwingliche 30.000 $) und BMW steht längst unter Strom.

Andererseits birgt der Massenmarkt auch Risken. Er unterliegt größeren Schwankungen als das Luxussegment, das Tesla bisher bedient. Gerade jetzt, da günstige Spritpreise alternativen Technologien Wind aus den Segeln nehmen, ist zu befürchten, dass E-Autos weniger gefragt sind. Das belegen bereits Statistiken (s. Grafik). Von 1000 Autos auf deutschen Straßen ist nur eines alternativ angetrieben. Zugegeben, Deutschland ist diesbezüglich kein Vorbild, kämpft auf dem Gebiet der Elektroautos „in einer Liga mit Ghana oder Senegal“, wie es Uni-Professor Ferdinand Dudenhöffer in einer Studie pointiert formulierte. Mit den aktuellen Spritpreisen und ohne verstärkte staatliche Fördermaßnahmen wird das E-Auto allerdings nirgendwo Meter machen. Sei's drum: Bei 124 $ steigen wir gegebenenfalls ein.


[M0AH0]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 23.02.2016)

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Kommentare

1 Kommentare

frico meint

Das Auto fährt toll, es macht was her. Die Verarbeitung ist USA typisch, besser als Dacia uns hat fast den Skoda erreicht.
Die Firma macht nur Verluste mit besten Begründungen, und hat Schulden. Was kann ich von der Aktie (KBV 19,3) erwarten, im Vergleich zu Porsche und BMW NICHTS. Also bleibt die Hoffnung auf ein Wunder, Bewertung wie moderne Kunst, eine Zitrone an die Wand nageln" alle reden von Tesla, die Leute glauben an den Trend, also kann ich hoffen das die Aktie auch mal steigt bevor sie fallt.
Ein fairer WERT für 2016 ist derzeit bei 20$, aber selbst dann sind normale Auto Aktien günstiger.

verfasst am 23.02.2016, 12:03

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