01.01.2013, 10:30  von Heiko Lossie/dpa

Porsche bringt sich für neue Rolle in Stellung

Bild: EPA (IAN LANGSDON)

Für Porsche brachte das Jahr 2012 eine Zäsur in der Firmengeschichte.

Stuttgart.  Das Sportwagengeschäft, gebündelt in der Porsche AG, ging komplett im abgelaufenen Jahr an VW, übrig blieb die Porsche-Holding SE. Von der Dachgesellschaft könnte man bald noch viel hören - nicht nur wegen der milliardenschweren Risiken wegen Anlegerklagen infolge der verlorenen Übernahmeschlacht mit VW. Denn im Juni wurde die Porsche Automobil Holding SE (kurz PSE) von einer reinen Holdinghülle zum strategischen Investmentvehikel im Reich des VW-Konzerns. Die Porsche SE hat Milliarden in der Kasse für Beteiligungen, etwa in Zuliefererfirmen aus der Autobranche oder erneuerbare Energien.

   Vor rund fünf Jahren teilte sich der Sportwagenhersteller auf in eine Gesellschaft für das Autobauen (Porsche AG) und in eine übergeordnete für Beteiligungen (PSE). Letztere griff 2008/2009 nach der Macht bei Volkswagen, scheiterte und saß auf 11,4 Mrd. Euro Schulden derart fest, dass am Ende VW den Spieß umdrehte.

   Die Bilanz ist durchwachsen: Nach dem Angriff auf VW hält die PSE gut die Hälfte der stimmberechtigtenVW-Aktien. Im Börsenwert sind das derzeit gut 20 Milliarden Euro. Dem stehen bei der PSE aber auch milliardenschwere Prozessrisiken gegenüber, die aus dem folgenreichen Übernahmekampf resultieren, bei dem sich Anleger rückblickend um ihr Geld gebracht sehen. Mehrere Schadenersatzklagen laufen derzeit im In- und Ausland. Auch musste die PSE in ihrer Finanznot einen wahren Schatz aufgeben, nämlich das Sportwagengeschäft der Porsche AG. Der profitabelste Autobauer der Welt gehört seit Sommer komplett zu VW.

   Mit dem Deal, Porsche restlos an VW zu verkaufen, wurde die PSE weitgehend schuldenfrei und damit zu einer reinen Verwaltungshülle für die Anteile am Vielmarkenkonzern VW. Mit dem lukrativen Anrecht auf anfallende VW-Dividenden hätte die PSE beste Aussichten als passive Spardose. Doch die Strategen hinter der PSE, die Familien Porsche und Piëch, haben andere Pläne.

   Bei der Hauptversammlung der PSE Ende Juni gab es eine Satzungsänderung. Damit sind der schwäbischen Holding fortan strategische Geschäfte für zentrale Zukunftsfragen in der Autowelt erlaubt. Denkbar wären laut Satzungstext etwa die Themen alternative Antriebe wie E-Autos, Hochtechnologie wie Leichtbau, Dienstleistungen wie Carsharing oder schlicht das Bündeln von Einkaufsmacht bei begehrten Rohstoffen.

   "Das Feld, das sich mit den Satzungsänderungen ergibt, ist von den Juristen bewusst weit gefasst", erklärt PSE-Sprecher Albrecht Bamler. Derzeit habe die PSE noch keine Firmen konkret im Fokus, vielmehr sei die Abteilung für das künftige Beteiligungsmanagement im Aufbau und verschaffe sich erste Überblicke. Frühestens in einigen Monaten sei die erste Investition wahrscheinlich. "Wobei wir weder Minder- noch Mehrheitsbeteiligungen ausschließen", berichtet Bamlers Kollege Frank Gaube - der Einzelfall entscheide stets. Die PSE werde sich nicht bei klassischen Autozulieferern einkaufen und alles laufe "entlang der automobilen Wertschöpfungskette", so die Sprachregelung im Hause.

   Fest steht auf jeden Fall, dass Porsche wieder flüssig ist. Nach den jüngsten Daten vom Herbst liegt die Nettoliquidität - also das Geld in der Kasse minus Schulden bei den Banken - bei rund 2,6 Mrd. Euro.

   Als ein Vorbild für die künftige Arbeit der PSE könnte Quandt-Erbin Susanne Klatten dienen. Sie sorgt nicht nur - zusammen mit Mutter Johanna und Bruder Stefan - als wichtiger Ankeraktionär bei BMW für Sicherheit fern der kurzlebigen Börsentrends. Die 50-Jährige flankiert den Münchner Premiumhersteller auch mit Schützenhilfe.

   Ihre Investmentfirma SKion mit Sitz in Bad Homburg ist zusammen mit BMW Großaktionär beim Wiesbadener Carbon-Hersteller SGL, dessen Arbeit als ein Schlüssel für leichtere und damit spritsparendere Autos gilt. Auch VW ist an SGL beteiligt - hat aber bei weitem nicht den Einfluss, auf den das strategische Duo BMW/Klatten kommt. Nach deren Vorbild könnte künftig auch die PSE walten. Denkbare Gebiete: Schützenhilfe beim Tanknetz für E-Autos, softwarelastige Mobilitätsdienstleistungen im Carsharing oder Lösungen für die drohende Problematik scharfer Abgasvorgaben.

   Susanne Klatten steckte ihr Geld auch schon in Windkraft - eine weitere Parallele zu Gedanken bei VW, wo der Strommix der Fabriken längst Thema ist. Laut neuer Satzung darf die PSE auch erneuerbare Energien erzeugen und damit handeln. Wie aus dem Unternehmen zu hören ist, sind insgesamt ein knappes Dutzend Investitionen geplant, es sei aber noch nichts spruchreif. 2013 dürfte bei Porsche spannend werden.

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

19:58

Griechenland: Athener Börse öffnet am Montag

18:23

Europas Leitbörsen schließen nach impulslosen Handel im Plus

17:32

Deutsche Bank knöpft sich Top-Manager vor

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    15:25

    Intesa Sanpaolo-Gewinn erholt sich sprunghaft

    Die italienische Großbank Intesa Sanpaolo hat in den ersten sechs Monaten 2015 so viel verdient wie seit sieben Jahren nicht mehr.

    12:49

    VW soll für Abfindung von MAN-Aktionären tiefer in die Tasche greifen

    Zwei Jahre nach der Machtübernahme durch VW haben die Kleinaktionäre des Lkw-Bauers MAN vor Gericht einen Etappensieg errungen.

    12:01

    Scout24 will offenbar schon im September an die Börse

    Der Kleinanzeigenportal-Betreiber Scout24 drängt Insidern zufolge kurz nach der Sommerpause an die Frankfurter Börse.

    10:39

    British-Airways fliegt deutliches Gewinnplus ein

    Florierende Geschäfte verleihen der British-Airways-Mutter IAG vor der Übernahme des irischen Rivalen Aer Lingus Rückenwind.

    08:45

    Frankreichs größte Bank BNP Paribas zurück in Gewinnzone

    Frankreichs größte Bank BNP Paribas ist nach der Rekordstrafe im Vorjahr wieder in den schwarzen Zahlen zurück.

    CA Immo Logo
    Immofinanz Group Logo

    Börsenkurse

    Borsenkurse

    Top 5

    ANDRITZ AG50,883,44%chart

    VOESTALPINE .39,081,70%chart

    UNIQA INSURA.8,601,46%chart

    TELEKOM AUST.6,161,28%chart

    SCHOELLER-BL.51,471,26%chart

    Flop 5

    VIENNA INSUR.31,39-1,26%chart

    RHI AG22,62-0,42%chart

    CONWERT IMMO.11,04-0,41%chart

    CA IMMOBILIE.16,35-0,30%chart

    LENZING AG66,36-0,06%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    ANDRITZ AG50,883,44%chart

    WARIMPEX FIN.0,833,12%chart

    KAPSCH TRAFF.23,902,12%chart

    CROSS INDUST.2,841,94%chart

    VOESTALPINE .39,081,70%chart

    Flop 5

    DO & CO AG95,02-1,96%chart

    VIENNA INSUR.31,39-1,26%chart

    PORR AG26,70-0,74%chart

    FACC AG7,20-0,68%chart

    RHI AG22,62-0,42%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    K+S AKTIENGE.37,285,80%chart

    HEIDELBERGCE.69,112,57%chart

    LINDE AG INH.172,351,33%chart

    BAYERISCHE M.91,181,20%chart

    SIEMENS AG N.97,111,19%chart

    Flop 5

    VOLKSWAGEN A.182,52-1,50%chart

    ALLIANZ SE V.148,83-0,95%chart

    FRESENIUS ME.74,36-0,92%chart

    MUENCHENER R.167,18-0,87%chart

    MERCK KGAA I.92,61-0,68%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    COCA-COLA CO.41,141,44%chart

    PFIZER Inc36,080,98%chart

    UNITEDHEALTH.121,650,90%chart

    MCDONALD'S C.100,040,88%chart

    MERCK & CO. .58,980,79%chart

    Flop 5

    CHEVRON CORP.88,17-5,22%chart

    EXXON MOBIL .79,25-4,53%chart

    VISA Inc75,50-1,15%chart

    APPLE Inc121,18-0,97%chart

    GOLDMAN SACH.205,48-0,83%chart

    Mehr

    Börse Frankfurt

    Borsenkurse

    Top 5

    K+S AKTIENGE.37,285,80%chart

    HEIDELBERGCE.69,112,57%chart

    LINDE AG INH.172,351,33%chart

    BAYERISCHE M.91,181,20%chart

    SIEMENS AG N.97,111,19%chart

    Flop 5

    VOLKSWAGEN A.182,52-1,50%chart

    ALLIANZ SE V.148,83-0,95%chart

    FRESENIUS ME.74,36-0,92%chart

    MUENCHENER R.167,18-0,87%chart

    MERCK KGAA I.92,61-0,68%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    AIRBUS GROUP.64,404,01%chart

    HOCHTIEF AG .79,273,18%chart

    KUKA AG INHA.77,872,59%chart

    GERRY WEBER .22,301,97%chart

    GEA GROUP AG.38,451,88%chart

    Flop 5

    TAG IMMOBILI.10,25-2,63%chart

    SUEDZUCKER A.14,98-1,64%chart

    BRENNTAG AG .50,54-1,12%chart

    LEG IMMOBILI.66,17-0,56%chart

    FUCHS PETROL.39,47-0,49%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    GRAMMER AG I.25,466,06%chart

    DO DT.T OFFI.4,664,72%chart

    ALSTRIA OFFI.12,523,90%chart

    SAF HOLLAND .13,793,13%chart

    HELLA KGAA H.43,012,40%chart

    Flop 5

    BERTRANDT AG.113,51-4,69%chart

    HORNBACH HOL.74,83-2,12%chart

    SGL CARBON S.15,69-2,07%chart

    BRAAS MONIER.24,58-1,58%chart

    VOSSLOH AG I.57,75-1,48%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    AIXTRON SE N.5,355,87%chart

    DRILLISCH AG.38,503,26%chart

    SARTORIUS AG.195,781,97%chart

    CARL ZEISS M.25,541,93%chart

    COMPUGROUP M.28,631,77%chart

    Flop 5

    NEMETSCHEK A.33,84-6,51%chart

    SMA SOLAR TE.30,06-2,72%chart

    DIALOG SEMIC.45,26-2,67%chart

    DRAEGERWERK .90,95-1,85%chart

    GFT TECHNOLO.22,30-1,78%chart

    Mehr

    Weltwährungen

    USD
    Mehr

    Umfrage

    • Bulle oder Bär - wer gibt in der Woche von 10.8.2015 bis 14.8.2015 das Tempo vor? Wird der ATX ...
    • ... mehr als 2 Prozent zulegen?
    • ... zwischen 0,5 und 2 Prozent zulegen?
    • ... das Niveau halten? Also zwischen + 0,5 und - 0,5 Prozent zu liegen kommen.
    • ... zwischen 0,5 und 2 Prozent verlieren?
    • ... mehr als 2 Prozent verlieren?

    Die Redaktion empfiehlt