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16.01.2013, 14:39 von Arno Schuetze und Peter Maushagen/Reuters
Frankfurt. TUI-Großaktionäre spielen Insidern zufolge einen Zusammenschluss des Konzerns mit seiner britischen Tochter TUI Travel durch. Favorisiert werde derzeit ein sogenannter Reverse Takeover, bei dem TUI Travel den Mutterkonzern TUI AG kaufe, sagten drei mit der Sache vertraute Personen zu Reuters. Hauptantrieb seien die Kostensenkungen, die durch solch eine Transaktion zu erzielen seien. "Die Idee ist, zwei Unternehmen aus der gleichen Branche zusammenzubringen", erläuterte ein Insider aus dem Umfeld eines der größten Aktionäre.
Damit könnte ein neues Kapitel im nahezu abgeschlossenen Umbau des Unternehmens aufgeschlagen werden. Der scheidende Vorstandschef Michael Frenzel hatte seit Mitte der 1990er-Jahre den von Bergbau und Stahl dominierten Mischkonzern Preussag zunächst zu einem Schifffahrts- und Touristikriesen umgebaut. Seit einem Strategieschwenk 2008 steht das Reisegeschäft im Mittelpunkt - die Beteiligung an Deutschlands größter Reederei Hapag-Lloyd hat TUI zurückgefahren. Umsetzen wird Frenzel die Pläne höchstwahrscheinlich aber nicht mehr: Der 65-Jährige tritt im Februar ab. Sein Nachfolger ist der frühere Deutschland-Chef von Vodafone, Friedrich Joussen, der sich seit einigen Monaten einarbeitet.
An der Börse kamen die Fusionspläne gut an: Nach dem Reuters-Bericht schnellte die TUI-Aktie um 5,6 Prozent nach oben und war damit einer der größten MDax-Gewinner.
Der TUI-Konzern mit Sitz in Hannover hält 56,4 Prozent an TUI Travel. Die Tochter entstand 2007 durch die Fusion von großen Teilen des TUI-Reisegeschäfts mit dem britischen Rivalen First Choice - seitdem ist TUI Travel an der Londoner Börse notiert. Jedoch wurden nicht alle Reiseaktivitäten verschoben - unter anderem gehören die Kreuzfahrtsparte und einige Hotels noch zum Mutterkonzern, ebenso wie der Restanteil an Hapag-Lloyd. Seit Jahren prüfen die Eigner Konzepte, um die Kosten bei TUI und TUI Travel durch ein Zusammengehen zu drücken. Die Unternehmen verfügen beispielsweise über eigene Zentralen in Hannover und London. Eine Fusion könnte Einsparungen von 500 Millionen Euro erzielen, sagten zwei der Insider. Analysten veranschlagen das Sparpotenzial auf lediglich etwa 100 Millionen Euro. Sprecher der TUI AG und von TUI Travel wollten sich dazu nicht äußern.
Alter Plan zu teuer
Der neue Plan steht im Widerspruch zu einer anderen Idee, die in der Vergangenheit wiederholt diskutiert wurde: Dass die TUI AG die noch ausstehenden rund 44 Prozent an TUI Travel kauft. Allerdings habe der Mutterkonzern dafür nicht genug Geld auf der hohen Kante und werde sich die Mittel auch nur schwerlich am Kapitalmarkt besorgen können, da das Unternehmen an der Börse mit einem deutlichen Abschlag zu den Konkurrenten gehandelt werde, sagte einer der Insider. "Die Zahlen sprechen gegen einen solchen Deal", sagte er.
Hingegen wäre ein Reverse Takeover, bei dem etwa zehn Euro je TUI-AG-Aktie gezahlt würden, machbar und wertsteigernd für die Aktionäre. Die beiden größten Aktionäre der TUI AG - der russische Milliardär Alexej Mordaschow mit 25 Prozent und der Schifffahrtsunternehmer John Fredriksen aus Norwegen mit 15 Prozent - trieben den Versuch eines Reverse Takeovers voran. Die Diskussionen mit anderen Anteilseignern über den Plan seien "konstruktiv", sagte der Kenner.
Mordaschow und Fredriksen waren 2008 und 2009 bei der TUI AG eingestiegen, zu Kursen weit über dem derzeitigen Niveau von unter acht Euro. Das Investment war für die beiden deshalb ein Millionengrab. Fredriksen hat auch bei TUI Travel einen Fuß in der Tür - mit einer Beteiligung von 5,4 Prozent ist er zweitgrößter Aktionär des englischen Unternehmens.
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