01.02.2013, 17:05  von Stefan Ludwig

Die 1-Milliarde-Franken-Uhr

Swatch-Gründer Nicolas Hayek / Bild: EPA/Photopress

Allzeithoch. Swatch hat die Schweizer Uhrenindustrie gerettet, die Aktie ist teurer als Apple und mit dem Smart wurde der Kleinwagen revolutioniert. Schätzungen gehen für 2012 von 1,5 Milliarden Franken Gewinn aus.

Zürich. Ausgerechnet bunte Plastikuhren haben dazu beigetragen, die Schweizer Uhrenindustrie in den 1980er Jahren zu retten. Heute geht es dem Swatch-Konzern blendend: Analysten rechnen für 2012 mit einem Reingewinn von 1,5 Milliarden Franken (1,21 Milliarden €) - 16 Prozent mehr als im Vorjahr. Die offiziellen Zahlen werden im Laufe des Februars vorgestellt.

Der Aktienkurs des Unternehmens ist beeindruckend: Mit über 500 Franken ist das Papier so teuer wie noch nie. Es ist sogar doppelt so teuer wie in der Spitze vor dem Platzen der Dotcom-Blase. Die Marktkapitalisierung beträgt rund 27 Milliarden Franken, fast die Hälfte von Facebook.

Uhren für Omega und Tissot

Im vergangenen Jahr ging es steil aufwärts: Kostete das Papier im Sommer noch 340 Franken, hat es seitdem eine beeindruckende Rally hingelegt. Im gesamten vergangenen Jahr schaffte Swatch 45,8 Prozent Kursplus. Allein in den vergangenen Tagen legte das Papier sechs Prozent zu.

Dazu reichen natürlich nicht ein paar Plastikuhren, die ein wenig an Reiz verloren haben. Für zahlreiche klingende Namen wie Omega, Tissot und Calvin Klein produziert das Unternehmen Armbanduhren, die dann oft schlicht „Made in Switzerland" und ähnliche Bezeichnungen tragen.

Uhren, Uhren, Uhren

Die Einnahmen stammen zu fast 90 Prozent aus Uhren und Schmuck. Die restlichen Umsätze teilen sich auf Produktion und elektronische Systeme auf. Früher experimentierte Swatch mit allerlei Elektronikartikeln: Die Schweizer bauten Uhren, mit denen man telefonieren oder Textnachrichten empfangen konnte. Die Idee für den Smart, der ursprünglich einen Hybrid-Elektroantrieb haben sollte, stammt auch aus dem Konzern. Daimler baute das Auto dann stattdessen mit Benzinmotor.

Global ist Swatch gut positioniert: In Asien wird über die Hälfte des Umsatzes generiert, ein Drittel stammt aus Europa, in den USA hat der Durchbruch allerdings nicht funktioniert. Die Erlöse wuchsen in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Von 5,1 Milliarden Franken 2009 stiegen sie auf 6,8 Milliarden Franken 2011. Stimmen die Schätzungen der Banken, waren es im vergangenen Jahr über acht Milliarden Franken. Schon in den beiden Jahren zuvor lag der Gewinn bei deutlich über einer Milliarde Franken. Swatch beschäftigt übrigens 28.000 Mitarbeiter weltweit.

Über 333 Millionen verkaufte Exemplare

Das wichtigste Marketingargument des Konzerns steckt im Namen: Swatch ist ein Kofferwort, es setzt sich aus „Second" und „Watch" zusammen. In Werbekampagnen tragen die Models auch schon mal den ganzen Arm voll mit Uhren. Mit der Idee, den Sammlerinstinkt zu wecken, ließ sich auch der verhältnismäßig günstige Preis der Uhren rechtfertigen. Und über die Masse verdient Swatch prächtig: Die Marke von 333 Millionen verkauften Swatch wurde schon 2006 überschritten. Das Ziel: 1111 Millionen bis 2033.

 

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