02.02.2013, 17:28

Monte Paschi-Skandal wird zum Kriminalfall

Bild: WB/Monte dei Paschi die Siena

Schmiergeldverdacht. Während die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen rund zehn Ex-Manager der Bank aufgenommen hat fordern Verbraucherschützer Rücktritte.

Rom. Die Ermittlungen um die skandalumwitterte italienische Bank Monte dei Paschi di Siena (MPS) laufen auf Hochtouren. Die Staatsanwälte in Siena ermitteln gegen etwa zehn Personen, darunter mehrere Ex-Manager des Geldhauses, berichteten italienische Medien am Samstag. Sie sollen im Laufe kommender Woche vernommen werden. Die Ermittler gehen dem Vorwurf von Korruption und Betrug nach.

Die Ermittler wollen feststellen, ob beim Kauf der Regionalbank Antonveneta Schmiergelder geflossen seien. Die MPS hatte das Institut für 9 Mrd. Euro von Santander gekauft. Diese hatte Antonveneta erst kurz davor um lediglich 6,6 Mrd. Euro erworben. Die Staatsanwälte wollen nun herausfinden, warum in wenigen Monaten der Preis derart in die Höhe steigen konnte. Hinzu kommen weitere acht Mrd. Euro Schulden Antonvenetas, die das Geldhaus aus Siena übernommen hatte.

Die Ermittler vermuten, dass die früheren MPS-Manager einen "geheimen Pakt" mit Santander abgeschlossen haben könnten, um den Preis Antonvenats in die Höhe zu treiben, die Bilanzen zu fälschen und Schwarzgelder anzuhäufen.

Die Staatsanwaltschaft von Siena ermittelt gegen das gesamte ehemalige Management der Bank unter der Leitung des Ex-Präsidenten Giuseppe Mussari. Die Untersuchungen würden jedoch nicht das jetzige Management mit Präsidenten Alessandro Profumo betreffen, berichteten italienische Medien.

Verbraucherschützer fordern Verstaatlichung

Ein Verwaltungsgericht in Rom wies am Samstag die Forderung von Verbraucherschützern zurück, von der Notenbank geplante Rettungskredite für das strauchelnde Institut aus der Toskana zu untersagen. Die weitere Anhörung zur Rolle der Zentralbank in dem Skandal um das älteste Geldhaus der Welt wurde aber auf den 20. Februar vertagt. Die Verbraucherschutzorganisation Codacons verlangte den Rücktritt von Banca-d'Italia-Chef Ignazio Visco. Medienberichten zufolge wollten die Staatsanwaltschaften in Rom, Siena und einer weiteren Stadt in Kürze neue Zeugen vorladen, um ihre Ermittlungen voranzutreiben.

Die führende Verbraucherschutzorganisation Codacons begründete ihre Forderung nach einem Rücktritt Viscos mit mangelnder Transparenz bei der Anhörung. Generell wirft sie der Zentralbank Versagen bei ihrer Aufsicht der Monte dei Paschi di Siena vor. Sie lässt die Umstände per Gericht überprüfen und verlangte am Samstag die Ernennung eines Sonderverwalters für Monte Paschi. Die Notenbank wies die Vorwürfe der Verbraucherschützer, im Monte-Paschi-Fall versagt zu haben, abermals entschieden zurück. Sie nannte die Vorwürfe "unbegründet und anmaßend". Die Zentralbank steht unter anderem wegen der Genehmigung eines Staatskredits für Monte Paschi über 3,9 Milliarden Euro in der Kritik. Dieser stehe auch nach der Anhörung nicht infrage, betonte die Banca d'Italia.

Zuletzt hatte sich die Bankenaufsicht aus Rom damit verteidigt, dass sie das Kriseninstitut bereits Ende 2009 intensiv unter die Lupe genommen habe. Am Freitag hatte sich Staatspräsident Giorgio Napolitano vor die Notenbank gestellt und betont, auch nationale Interessen stünden auf dem Spiel. Monte Paschi hat durch komplexe Derivategeschäfte Verluste von etwa 720 Millionen Euro angehäuft. Im Fokus steht zudem der neun Milliarden Euro schwere Kauf des Rivalen Banca Antonveneta kurz vor Ausbruch der Finanzkrise. Der Preis gilt als deutlich zu hoch. Chef der in die Kritik geratenen Notenbank Italiens war zur fraglichen Zeit der jetzige EZB-Chef Mario Draghi.

Im Countdown zur italienischen Parlamentswahl Ende Februar wird die Affäre zudem zu einem Spielball der Innenpolitik. Bisher hat der Skandal Umfragen zufolge zwar noch keinen großen Einfluss auf die Stimmung unter den Wählern, die ihr Votum noch immer mehrheitlich dem Mitte-Links-Lager geben wollen. Doch die Mitte-Rechts-Opposition bemüht sich, aus der Nähe der in Umfragen führenden Demokratischen Partei (PD) zu Monti Paschi Kapital zu schlagen. Der Mitte-Rechts-Kandidat für den Posten des Ministerpräsidenten, Angelino Alfano, sagte am Samstag, die Italiener wollten Klarheit. Die Linke habe eigentlich eine Menge über Monte Paschi zu sagen, schweige aber. Größter Aktionär der Bank ist eine von PD-Politikern kontrollierte Stiftung.

(APA/Reuters/ekh)

Das WirtschaftsBlatt 3 Wochen gratis testen
» Jetzt kostenlos bestellen

31.01.2013, 09:14

Monte Paschi-Skandal wird zum Finanz-Epizentrum

27.01.2013, 10:54

Monte dei Paschi-Skandal erstaunt Italiener

09:51

Achtung: Alstom-Aktie vom Handel ausgesetzt - Heute ein Statement

Mehr auf wirtschaftsblatt.at

    Mehr aus dem Web

    WERBUNG

    Kommentare

    0 Kommentare

    Verbleibende Zeichen: 1500

    08:46

    Peugeot profitiert von Nachfrage in Europa

    Der angeschlagene Autobauer Peugeot hat zu Jahresanfang dank besserer Geschäfte in Europa und China seinen Umsatz gesteigert.

    24.04.2014, 22:13

    Renault profiert von der Billigmarke Dacia

    Der Kursrutsch von Währungen in Schwellenländern wie Brasilien oder Argentinien hat Renault einen Umsatzrückgang eingebrockt.

    24.04.2014, 18:09

    Die Wall Street stoppt den DAX-Crash

    Die sich zuspitzende Krise in der Ukraine hat die Aktienanleger am Donnerstag erneut in Atem gehalten. Der Konflikt überschattete auch starke US-Bilanzen und überraschend gute Konjunkturdaten aus Deutschland.

    24.04.2014, 16:20

    Vorschau: Die Deutsche Bank und die alte Leier – Kapitalerhöhung, die zweite?

    Eigentlich hatte Deutsche Bank-Chef Anshu Jain die Sache mit dem Eigenkapital längst abgehakt. Doch kurz bevor das Institut die Quartalszahlen vorlegt (Dienstag), starten die Spekulationen wieder durch.

    24.04.2014, 13:32

    Bei VW wächst die Hoffnung auf die Scania-Übernahme

    Volkswagen kommt bei der geplanten Komplettübernahme seiner schwedischen Lkw-Tochter Scania voran.

    CA Immo Logo
    Immofinanz Group Logo
    Vontobel in Kooperation mit dem WirtschaftsBlatt

    Börsenkurse

    Borsenkurse

    Top 5

    OMV AG32,600,22%chart

    VOESTALPINE .32,540,11%chart

    TELEKOM AUST.7,080,08%chart

    ANDRITZ AG44,910,02%chart

    UNIQA INSURA.9,390,01%chart

    Flop 5

    RAIFFEISEN B.22,70-2,32%chart

    CA IMMOBILIE.13,58-1,27%chart

    ERSTE GROUP .24,34-1,22%chart

    LENZING AG47,14-1,18%chart

    VIENNA INSUR.36,28-1,01%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    VALNEVA SE6,042,30%chart

    WOLFORD AG18,451,65%chart

    AGRANA BETEI.83,000,97%chart

    SEMPERIT AG .41,500,78%chart

    DO & CO AG40,860,64%chart

    Flop 5

    RAIFFEISEN B.22,70-2,32%chart

    EVN AG9,96-1,42%chart

    CA IMMOBILIE.13,58-1,27%chart

    ERSTE GROUP .24,34-1,22%chart

    LENZING AG47,14-1,18%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    ADIDAS AG NA.76,980,33%chart

    K+S AKTIENGE.24,04-0,06%chart

    BEIERSDORF A.71,09-0,08%chart

    SIEMENS AG N.97,36-0,13%chart

    MERCK KGAA I.119,45-0,17%chart

    Flop 5

    DT.T BANK AG.31,32-1,99%chart

    DT.T TLTKOM .11,48-1,46%chart

    DAIMLER AG N.66,85-1,33%chart

    ALLIANZ SE V.121,25-1,26%chart

    DT.T PO AG N.26,86-1,23%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    CATERPILLAR .105,281,84%chart

    UNITEDHEALTH.76,591,67%chart

    HOME DEPOT I.79,771,59%chart

    PROCTER & GA.81,150,98%chart

    MCDONALDS CO.99,840,72%chart

    Flop 5

    VERIZON COMM.46,28-2,42%chart

    AT&T Inc34,50-1,20%chart

    3M COMPANY136,65-0,97%chart

    NIKE Inc73,39-0,96%chart

    INTERNATIONA.190,22-0,79%chart

    Mehr

    Börse Frankfurt

    Borsenkurse

    Top 5

    ADIDAS AG NA.76,980,33%chart

    K+S AKTIENGE.24,04-0,06%chart

    BEIERSDORF A.71,09-0,08%chart

    SIEMENS AG N.97,36-0,13%chart

    MERCK KGAA I.119,45-0,17%chart

    Flop 5

    DT.T BANK AG.31,32-1,99%chart

    DT.T TLTKOM .11,48-1,46%chart

    DAIMLER AG N.66,85-1,33%chart

    ALLIANZ SE V.121,25-1,26%chart

    DT.T PO AG N.26,86-1,23%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    SUEDZUCKER A.15,971,08%chart

    SYMRISE AG I.35,900,42%chart

    WINCOR NIXDO.48,860,32%chart

    CELESIO AG N.25,100,30%chart

    HUGO BOSS AG.98,600,24%chart

    Flop 5

    OSRAM LICHT .40,20-1,64%chart

    BILFINGER86,26-1,59%chart

    TUI AG NAMEN.11,96-1,40%chart

    DMG MORI SEI.22,22-1,27%chart

    AURUBIS AG I.39,14-1,25%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    SURTECO SE I.26,952,86%chart

    AIR BERLIN P.1,791,70%chart

    DELTICOM AG .36,041,69%chart

    BALDA AG INH.3,300,76%chart

    ZOOPLUS AG I.56,230,72%chart

    Flop 5

    SAF HOLLAND .10,70-3,56%chart

    C.A.T. OIL A.15,23-3,55%chart

    SCHALTBAU HO.47,50-2,06%chart

    JUNGHEINRICH.51,97-1,83%chart

    GRAMMER AG I.39,15-1,29%chart

    Mehr
    Borsenkurse

    Top 5

    SMA SOLAR TE.31,583,05%chart

    QIAGEN N.V. .15,250,70%chart

    AIXTRON SE N.11,610,35%chart

    PSI AG NAMEN.12,770,20%chart

    BB BIOTECH A.122,900,04%chart

    Flop 5

    EVOTEC AG IN.3,56-2,62%chart

    MORPHOSYS AG.60,34-2,44%chart

    BECHTLE AG I.62,17-1,71%chart

    WIRECARD AG .29,98-1,61%chart

    MANZ AG INHA.65,05-1,57%chart

    Mehr

    Weltwährungen

    USD
    Mehr

    Umfrage

    • Bulle oder Bär - wer gibt in der Woche vom 28.4.2014 bis 3.5.2014. das Tempo vor? Wird der ATX ...
    • ... mehr als 2 Prozent zulegen?
    • ... zwischen 0,5 und 2 Prozent zulegen?
    • ... das Niveau halten? Also zwischen + 0,5 und - 0,5 Prozent zu liegen kommen.
    • ... zwischen 0,5 und 2 Prozent verlieren?
    • ... mehr als 2 Prozent verlieren?

    Die Redaktion empfiehlt