11.01.2014, 19:49  von Reuters/stl

"VW versteht den US-Markt nicht"

VW in den USA / Bild: epa/ERIK S. LESSER

Es sind harte Worte: Unverständnis und Technikverliebtheit des Konzerns verhindern laut Experten, dass Volkswagen in den USA dauerhaft Erfolg hat.

Detroit. Volkswagen muss in den USA das Steuer herumreißen. Nach anfänglichen Erfolgen beim eigens für die dortige Kundschaft entwickelten US-Passat sinken die Verkaufszahlen inzwischen seit einem Jahr. Denn die Platzhirsche von GM bis Toyota haben auf den selbstbewussten Emporkömmling aus Deutschland reagiert, der in den USA zum Angriff geblasen hat, um sich in den nächsten Jahren an die Weltmarktspitze zu setzen. Sie bieten ihre Fahrzeuge inzwischen zu günstigeren Preisen und mit besserer Ausstattung an als Volkswagen.

Damit müssen die aufstrebenden Niedersachsen erkennen, dass eine Modellneuheit nicht ausreicht, um sich auf dem hart umkämpften amerikanischen Markt aus der Nischenrolle herauszuarbeiten. "Man kann sich in den USA nicht einfach breit machen und erwarten, man eilt von Sieg zu Sieg", bringt es Analyst Frank Schwope von der NordLB auf den Punkt.

Optische Neuerungen fehlen

Der Passat, für den VW vor drei Jahren eigens ein neues Werk in Chattanooga im US-Bundesstaat Tennessee aus dem Boden gestampft hat, wurde den Wolfsburgern anfangs zwar aus den Händen gerissen. Danach aber versäumte es VW, die verwöhnte amerikanische Kundschaft durch optische Neuerungen bei Laune zu halten. Auch der VW Jetta ist seit gut drei Jahren nicht erneuert worden. In den USA bekommen Modelle oft bereits nach zwei, drei Jahren durch neue Scheinwerfer, Rückleuchten, Zierleisten oder eine andere Gestaltung des Kühlergrills ein "Facelift". Bei VW ist das frühestens nach vier Jahren üblich.

Um den Passat günstig anzubieten, verzichtete VW bei dem Modell auf teure Zusatzausstattungen wie elektrische Sitzverstellungen, rüstete ihn mit einem einfacheren Navigationssystem aus und verwendete im Innenraum Kunstleder statt hochwertiger Materialien, wie man sie in Europa kennt. In den USA kommt das nicht gut an. Volkswagen versuche, Fahrzeuge mit deutscher Ingenieurskunst und einem nüchternen Innenleben zu verkaufen, kritisiert Jim Ziegler, der Autohändler berät. Die Wolfsburger verstünden den US-Markt nicht. "Amerikaner kaufen lieber schöne als hochtechnisierte Autos."

"Vorstände nehmen Kunden in den USA nicht ernst"

Ähnlich äußert sich Arndt Ellinghorst vom Londoner Analysehaus International Strategy & Investment: "Die Vorstände von Volkswagen sind so technikverliebt, dass sie die Kunden in den USA schlicht nicht ernst nehmen", kritisiert der Autoexperte und fügt hinzu: "Kunden in den USA wollen SUVs und Pick-ups und keine High-Tech-Fahrzeuge."

Gebremst wird der Verkauf vermutlich auch dadurch, dass die Marke VW in den Vereinigten Staaten ein schlechtes Qualitätsimage hat. Der Ruf der Marke bei der Kundschaft hat sich zwar verbessert, rangiert in der viel beachteten Statistik des US-Marktforschungsinstituts J.D. Power aber nur auf Rang 23 von 33 Marken. US-Kunden bemängeln etwa, dass der Schalter für den Tempomaten beim Passat an einer anderen Stelle angebracht ist als sie es von Modellen anderer Hersteller gewöhnt sind.

Am schmerzlichsten aber rächt sich, dass die Konzernleitung nach Meinung von Experten zu lange gezögert hat, ein weiteres Fahrzeug an den Start zu bringen. Wegen der niedrigen Benzinpreise sind in den USA vor allem leistungsstarke Geländewagen und Pick-ups gefragt - und die hat Volkswagen nicht im Angebot.

Cross Blue geplant

Vor einem Jahr hat VW im glitzernden Scheinwerferlicht der Messe in Detroit zwar den Entwurf für ein solches Fahrzeug mit dem Arbeitsnamen "Cross Blue" präsentiert. Die Entscheidung über den Bau wurde aber noch nicht getroffen. Inzwischen sickert aus Wolfsburg durch, dass der Wagen in Chattanooga vom Band rollen soll. Dies könnte auf der Autoschau nächste Woche in Detroit bekannt gegeben werden, wie eine mit den Beratungen vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters sagte. Der Konzern wollte sich nicht dazu äußern. Hinter vorgehaltener Hand heißt es lediglich, die Messe in der Autostadt wäre eine gute Gelegenheit, um dies zu verkünden - auch, um dem neuen US-Chef Michael Horn eine Bühne zu geben. Er löst Jonathan Browning ab, dem es nicht gelungen war, den Verkaufsrückgang zu stoppen.

Doch selbst wenn der Cross Blue 2016 auf den Markt kommen sollte, wie Experten erwarten, wird es für VW nicht einfach, das gesteckte Ziel zu erreichen. "Die Konkurrenz schläft nicht", sagt Analyst Schwope. Bis 2018 will VW in den USA 800.000 Fahrzeuge verkaufen. Im vergangenen Jahr waren es gerade einmal etwas mehr als die Hälfte.

 

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Kommentare

1 Kommentare

Ich wollte Volkswagen helfen, aber da ist man überheblich und meint auch, ohne Landeskenntnisse und ohne Kenntnis der Landessprachen alles besser zu machen. Ich war 2004 bis 2008 bei GM und Ford investiert. Aber die Insolvenz von GM und Chrysler hatte mir der Interesse genommen und die Risiken gezeigt. Ausserdem sind die USA strikt dagegen, dass ich in die USA komme. Ein Herr Obama ist mir gegenüber überheblich und undankbar, das ich mich für die USA eingesetzt hatte.

verfasst am 13.01.2014, 09:55

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