25.01.2016, 18:57  von Ingrid Krawarik

Das ungehobene Potenzial der Immobilienaktien

Bild: WB Peroutka

Seit etwas mehr als eineinhalb Jahren werden europäische Immobilienaktien von Analysten und Fondsmanagern verstärkt zum Kauf empfohlen. Die Bilanz ist aber durchwachsen.

Immobilienunternehmen darf man in Österreich getrost die Enfants terribles der Börse nennen. Kaum ein anderer Sektor hat eine so wechselvolle und zum Teil skandalträchtige Vergangenheit hinter sich und birgt gleichzeitig derart viel Kurspotenzial, da Werte wie CA Immo, Immofinanz und Conwert weiterhin mit einem teilweise deutlichen Abschlag zum Nettoinventarwert (NAV, bewertet das Immobilienportfolio) notieren. Dazu kommt, dass einige Vorstandschefs ausgetauscht wurden, die jetzt die mühevolle Aufgabe haben, das Vertrauen der Investoren endgültig zurückzugewinnen, gleichzeitig aber auch für einigen Schwung sorgen könnten.

Bestes Beispiel für ein kontinuierliches Trauerspiel ist die Immofinanz, die in den vergangenen Jahren aufgrund ihres Engagements in Osteuropa immense Kursverluste verzeichnete. „Die Immofinanz wird unterschätzt“, sagt hingegen Asset-Manager Wolfgang Matejka. „Selbst wenn man das Russland-Geschäft auf null setzt und sagt, dass die dort nie wieder ein Geschäft machen, wären wir bei einem Buchwert von knapp unter drei“, meint Matejka. Die Immofinanz-Aktie notiert derzeit bei etwa 1,7 €. Außerdem würde der neue Chef, Oliver Schumy, viel richtig machen. „Die Aktionärsstreitigkeiten wurden beendet, Kosteneinsparungen durchgeführt, sie zahlen eine Dividende, er greift Themen auf, über die in der Vergangenheit geschwiegen wurde – es gibt also viele Gründe, wieso die Aktie besser laufen sollte als der Markt“, sagt Matejka.

Auch die neue Strategie von Wohnimmobilienspezialist Conwert sei bei internationalen Investoren gut angekommen, während bei der CA Immo Investoren befürchten, dass der russische Kernaktionär dem Konzern seine russischen Immobilien einverleiben will.

Dem heimischen Markt fehle derzeit eine breite Übernahmefantasie. „Internationale Investoren werden von M&A angezogen, deshalb sind Märkte wie Deutschland und Irland so attraktiv. Wenn die Immofinanz aus der Buwog aussteigt, ist die Buwog auf jeden Fall ein Übernahmekandidat“, sagt Matejka. In Deutschland entscheidet sich übrigens heute, ob Vonovia den Konkurrenten Deutsche Wohnen schlucken wird.

Stock Picking zum Erfolg

Europäische Immobilienaktien haben seit Jahresanfang zwar ordentlich an Kursgewinnen der vergangenen zwei Jahre abgeben müssen, einige Werte haben den breiten Stoxx 600 Real Estate Index aber deutlich geschlagen. Zu den Renditebringern zählen etwa Patrizia Immobilien, die auf Zweijahressicht 236 Prozent lukrierten, Grand City Properties kommt auf 139 Prozent plus, die UBM erzielt 100 Prozent Gesamtertrag. Alle drei Aktien gehören zu den am höchsten gewichteten Titeln im European Property Fonds (ISIN AT0000500277) der Wiener Privatbank, der im Vorjahr mit 32,5 Prozent auch der beste europäische Fonds war.

„Grand City Properties kaufen Immobilien, die schlecht verwaltet wurden, und investieren so in einen Turnaround. Patrizia Immobilien hat günstig eingekauft und wieder verkauft. In Österreich sind wir zu 25 Prozent investiert, der Markt wird nur gering beachtet und ist deshalb günstig zu haben“, so Fondsmanager Florian Rainer. Das Niedrigzinsumfeld habe den Unternehmen insofern geholfen, als viele ihre Verschuldungsverzinsung über Jahre sehr günstig fixieren konnten.

Bei einschlägigen Fonds finden sich immer wieder die gleichen Aktien in den Depots. Dazu gehören etwa die britische Land Securities, British Land, der französische Wert Klépierre, die niederländische Unibail-Rodamco sowie Vonovia. Der beste europäische Immobilienaktienfonds auf Dreijahressicht ist der Henderson Horizon Pan European Property Equities Fonds (ISIN LU0088927925), einer der wenigen, der auch langfristig den Index schlägt. Der beste Wert im Stoxx 600 Real Estate Index auf Einjahressicht ist übrigens die Aktie des spanischen

Gewerbeimmobilienverwalters Merlin Properties, mit einem Plus von 22,5 Prozent. Britische Immobilienaktien haben zuletzt deutlich korrigiert, Grund dafür ist die anstehende Abstimmung über einen Verbleib der Briten in der Europäischen Union. Ein Austritt dürfte den Immobilienaktien schlecht bekommen.

Hohes Kurspotenzial

Den WirtschaftsBlatt-Aktiencheck gewinnt die Aktie von UBM Development, der die Analysten in den kommenden zwölf Monaten einen Kursgewinn von 72 Prozent zutrauen. Auf Platz drei findet sich Atrium European Real Estate wieder; das Unternehmen verwaltet Shoppingcenter in Osteuropa. Als Nachfolgegesellschaft von Meinl European Land hat der Konzern kürzlich einem Vergleich zugestimmt, um sich einer Sammelklage von geschädigten Anlegern vom Hals zu schaffen. Analysten geben der Aktie ein Kurspotenzial von 35 Prozent.


[LWA02]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 26.01.2016)

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