28.01.2016, 09:31  von Reuters

Stahlkonzern Salzgitter kehrt in die Gewinnzone zurück

Bild: JOCHEN LUEBKE / EPA

Der zweitgrößte deutsche Stahlkonzern Salzgitter hat im vergangenen Jahr erstmals seit 2011 wieder einen Gewinn erzielt. Fallende Stahlpreise setzen ThyssenKrupp zu.

Vor Steuern verdiente das im MDax gelistete Unternehmen Salzgitter im Vorjahr zwölf Millionen Euro, nachdem ein Jahr zuvor ein Verlust von 15,2 Millionen Euro in den Büchern gestanden hatte, wie der Stahlkonzern am Mittwoch mitteilte. Damit erfüllt der Konzern seine Prognose eines Vorsteuergewinns im unteren zweistelligen Millionen-Euro-Bereich. Der Umsatz ging dagegen den vorläufigen Zahlen zufolge auf 8,6 (Vorjahr: 9,0) Milliarden Euro zurück. Das Stahlgeschäft leidet seit längerem unter dem Wettbewerbs- und Preisdruck sowie schwächeren Märkten in China, Russland und Südamerika.

Im vergangenen Jahr habe Salzgitter wegen der Großreparatur eines Hochofens eine Ergebnisbelastung von 74 Millionen Euro verkraften müssen, erklärte der ThyssenKrupp -Rivale. Dagegen komme ein positiver Ergebnisbeitrag von 21 Millionen Euro aus der Beteiligung an der Kupferhütte Aurubis, die mit einem Gewinnrückgang in ihr neues Geschäftsjahr 2015/16 (per Ende September) gestartet ist.

Salzgitter hält 25 Prozent an Aurubis. Der Chef des Stahlkochers, Jörg Fuhrmann, hatte im Herbst eine Fusion der beiden Unternehmen ins Gespräch gebracht und damit für Aufsehen bei Investoren gesorgt. Nach der Bekanntgabe des Jahresgewinns zogen die Salzgitter-Aktien im späten Frankfurter Handel etwas an, nachdem sie den Xetra-Handel noch 2,5 Prozent niedriger geschlossen hatten. Salzgitter will am 26. Februar seine endgültigen Geschäftszahlen veröffentlichen.

Fallende Stahlpreise setzen ThyssenKrupp zu

Die fallenden Stahlpreise bedrohen die Erholung des Industriekonzerns ThyssenKrupp. Überkapazitäten, gestiegene Importe von chinesischem Billigstahl und die politischen Rahmenbedingungen hätten die Stahlbranche "dramatisch verändert", sagte Konzernchef Heinrich Hiesinger dem "Handelsblatt" (Donnerstagsausgabe).

"Unsere Werkstoffgeschäfte können sich dem nicht entziehen. Alles, was wir an Sparanstrengungen unternehmen, holt uns binnen kurzer Zeit wieder ein."

Zwar hält Hiesinger an seiner Prognose eines operativen Gewinns von 1,6 bis 1,9 (Vorjahr: 1,67) Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2015/16 (Ende September) fest. Voraussetzung sei aber, dass "sich die Werkstoffgeschäfte in der zweiten Geschäftsjahreshälfte deutlich erholen", sagte der Konzernchef. Der Verfall der Stahlpreise betrifft unmittelbar die europäische Stahlsparte, das Stahlwerk in Brasilien sowie der Werkstoffhandel der Handelstochter Material Sciences.

Seit seinem Amtsantritt 2011 hat der ThyssenKrupp-Chef die Abhängigkeit vom Stahlgeschäft deutlich reduziert und den Konzern stärker auf das Technologiegeschäft mit Aufzügen, Maschinen, Autoteilen oder U-Booten ausgerichtet. Spekulationen über eine Trennung von bestimmten Sparten wie den Aufzügen oder den Autokomponenten erteilte Hiesinger eine Absage. "Wir haben die Strategie, unsere Industriegütergeschäfte weiterzuentwickeln und damit den Konzern stabiler zu machen. Warum sollten wir diese Zukunftsgeschäfte verkaufen?"

Alle Bereiche müssten deutlich profitabler werden, um den Konzern auf ein sicheres Fundament zu stellen. "Wir sind noch lange nicht fertig mit der Transformation, auch wenn wir schon vier Jahre massiv daran gearbeitet haben."

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