29.01.2016, 16:28  von Reuters/Alexander Hübner/Kathrin Jones

Übernahmekampf: Offener Schlagabtausch zwischen Deutsche Wohnen und Vonovia

Vonovia-Boss Rolf Buch muss weiter um die Übernahme der Deutsche Wohnen bangen. / Bild: (c) APA/dpa/UNBEKANNT

Der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen fährt dem Rivalen Vonovia bei dessen feindlichem Übernahmeversuch in die Parade. Dieser spricht von Täuschung der Anleger – und zum Schluss könnte man vor Gericht landen.

Frankfurt. Der Deutsche-Wohnen-Vorstand behält sich vor, seine ausgegebenen Wandelanleihen nicht in Aktien zu tauschen, sondern deren Inhaber in bar abzufinden, wie die Nummer zwei unter den Wohnungsvermietern in Deutschland am Freitag mitteilte. Mit dieser Kehrtwende will das Unternehmen die Hürde wieder erhöhen, die Vonovia überspringen muss, um die Mehrheit zu erlangen. Das neueste Manöver in der Übernahmeschlacht könnte die Deutsche Wohnen mehr als 900 Millionen Euro kosten.

Das Tauziehen zieht sich bereits seit dem Herbst hin. Inklusive Schulden bietet der größere Rivale Vonovia 14 Milliarden Euro für die Deutsche Wohnen. Kommt die Transaktion tatsächlich zustande, wäre sie die größte, die es auf dem deutschen Immobilienmarkt je gegeben hat. Der Showdown dürfte am 9. Februar ein vorläufiges Ende finden, wenn die noch einmal verlängerte Annahmefrist für die Deutsche-Wohnen-Aktionäre ausläuft.

Vonovia sieht Taktik torpediert

Bis dahin bleibt es spannend: Branchenprimus Vonovia hatte die Inhaber der Deutsche-Wohnen-Wandelanleihen auf seiner Seite gewähnt. Denn sie können rund 20 Prozent Gewinn machen, indem sie ihre Papiere im Nominalvolumen von 650 Millionen Euro nach einem Eigentümerwechsel umtauschen und die Übernahmeofferte annehmen. Für die Anleihegläubiger ist das Angebot damit deutlich lukrativer als für die Aktionäre, die nur eine Prämie von sieben Prozent auf den Börsenkurs erhalten sollen. Daher hatte Vonovia zu Wochenbeginn erklärt, ihr reichten nun 44 statt 50 Prozent der Aktien, um sicher auf eine Mehrheit an der Deutschen Wohnen zu kommen. Zuletzt hatte Vonovia nur 22,5 Prozent sicher.

Entsprechend scharf kritisierten die Bochumer den Vorstoß von Deutsche Wohnen. Es handele sich um einen "bewussten Versuch, den Markt zu verunsichern und so die attraktive Übernahmeofferte zu vereiteln", erklärte Vonovia. Deutsche Wohnen handele gegen die Interessen ihrer Aktionäre, hieß es im Umfeld von Vonovia. Um die Wandelanleihen in bar statt in Aktien abzulösen, müsste sie mehr als 900 Millionen in die Hand nehmen und mit neuen Schulden finanzieren.

Hedgefonds hoffen auf schnellen Gewinn

Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn argumentiert genau andersherum: "Wir nehmen nicht hin, dass die Vonovia das Votum der Deutsche-Wohnen-Aktionäre nicht akzeptieren will." Nach seiner Ansicht muss Vonovia nun wieder mindestens 50 Prozent der Aktionäre auf seine Seite ziehen. Der Deutsche-Wohnen-Vorstand hält den gebotenen Preis für zu niedrig und glaubt nicht an die versprochenen Synergien. Immobilienexperte Oliver Beyer von der Anwaltskanzlei Simmons & Simmons ist ebenfalls skeptisch: "Für die Deutsche-Wohnen-Aktionäre bleibt die Offerte unattraktiv. Bei der Barkomponente ist definitiv noch Luft nach oben. Es gibt keinen Grund, jetzt schnell zuzugreifen."

Der Poker weckt die Fantasie von Investoren, die den Ruf von "Zockern" genießen. So haben sich in die Wandelanleihen einige Hedgefonds eingekauft, die auf kurzfristige Profite hoffen, wie Insider berichten. Deutsche Wohnen will die Anleihen-Inhaber mit dem Vorstoß dazu bringen, ihre Zusagen an Vonovia wieder zurückzuzuiehen.

Möglicherweise geht der Übernahmekampf in die Verlängerung. So könnte Vonovia am Ende zwar formal sein Ziel erreichen, aber trotzdem die Mehrheit verfehlen - ein Szenario, vor dem Deutsche Wohnen stets gewarnt hatte. Ob Vonovia die Zusagen der Wandelanleihen-Anleger als Zustimmung zählen kann, ist strittig. So könnten die Streitparteien am Ende vor Gericht landen.

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