29.01.2016, 17:26  von Reuters/Andreas Kröner

„,Brexit' wäre für Frankfurt das größte Geschenk seit der Stadtgründung"

Überholt Frankfurt nach einem "Brexit" London als Bankenzentrum Europas? / Bild: (c) dpa/Frank Rumpenhorst

Zumindest für den Finanzplatz Frankfurt hätte ein Ausscheiden Großbritanniens – und der Abschied des Bankenplatzes London – aus der EU Vorteile. Doch auch in Frankfurt warnen Experten vor einem langfristigem Schaden für die EU.

Frankfurt. An den Börsen und in der Politik ist die Angst vor einem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union groß. Für den Finanzplatz Frankfurt hätte der "Brexit" dagegen zumindest kurzfristig positive Auswirkungen. Geschäfte und Arbeitsplätze der Banken könnten dann von der Themse an den Main verlagert werden. "Ein 'Brexit' wäre für Frankfurt das größte Geschenk seit der Stadtgründung", frohlockt ein hochrangiger deutscher Finanzmanager. Mittel- und langfristig würde eine Abkopplung Großbritanniens Europa und seinen Finanzmarkt aber schwächen, warnen Experten und Banker unisono. Und das würde früher oder später dann auch "Mainhattan" zu spüren bekommen.

Premierminister David Cameron will die Briten über die Mitgliedschaft des Landes in der EU abstimmen lassen. Das Referendum findet möglicherweise bereits im Sommer statt, in jeden Fall aber bis Ende 2017. "Ein 'Brexit' würde dem Finanzplatz Frankfurt kurzfristig einen Schub verleihen", sagt Lutz Raettig, Frontmann der Branchenvereinigung Frankfurt Main Finance, der Nachrichtenagentur Reuters. "Ich gehe davon aus, dass sich dann noch mehr Unternehmen aus der Versicherungs- und Bankenbranche in Frankfurt niederlassen würden, schließlich sind hier bereits ihre Aufsichtsbehörden beheimatet." Sowohl die Europäische Zentralbank als auch die Versicherungsaufsicht Eiopa haben sich am Mainufer niedergelassen.

Auch Deutsche Börse könnte profitieren

Schon heute beschäftigen Finanzinstitute in Frankfurt über 60.000 Mitarbeiter. Raettig ist Aufsichtsratchef von Morgan Stanley in Deutschland und Vorsitzender des Börsenrats der Frankfurter Wertpapierbörse. Er erwartet, dass bei einem "Brexit" einige Geschäfte von London abwandern, besonders im Euro-Devisenhandel. "Davon würde unter anderem die Deutsche Börse profitieren. Die meisten Finanzmarktgeschäfte, die derzeit in London getätigt werden, können grundsätzlich auch von Frankfurt aus gemacht werden."

Für Europa insgesamt wäre ein Brexit aber schlecht, sagt Raettig. Auch in der Mainmetropole drohten dann Engpässe. "Wenn zahlreiche Finanzkonzerne Geschäfte nach Frankfurt verlagern, wird es nicht genügend gut ausgebildete Mitarbeiter für alle geben."

Banken exerzieren Planspiele durch

Die Deutsche Bank, die in Großbritannien rund 9000 Mitarbeiter beschäftigt, hat schon vor einiger Zeit eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die mögliche Reaktionen auf einen Brexit durchspielt. Dazu gehört auch die Verlagerung von Geschäften in andere EU-Länder. "Wir werden handlungsfähig sein, wenn es notwendig sein sollte", sagt Co-Chef Jürgen Fitschen. Auch die US-Investmentbank Goldman Sachs würde bei einem Brexit "ganz sicher mehr Ressourcen nach Frankfurt stecken", ist sich Europa-Co-Chef Richard Gnodde sicher.

Die beiden Top-Banker hoffen jedoch, dass es am Ende nicht dazu kommt. "Wir sollten nicht die Illusion haben zu glauben, dass London über Nacht von irgendwem anderen auf kontinental-europäischer Ebene ersetzt werden kann", sagt der Deutsche-Bank-Chef. Im Falle eines Brexit würde Geschäft nicht nur nach Frankfurt abwandern, sondern auch nach Dublin, Paris und in andere Städte, sagt die Ratingagentur S&P voraus.

Welche Konsequenzen ein Brexit hätte, hängt aus Sicht von Experten vor allem vom Status ab, den Großbritannien dann erhalten würde. Sollte das Land wie etwa Norwegen Mitglied im Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) bleiben, könnten viele Institute ihr Europa-Geschäft weiter von London aus steuern. Sollte Großbritannien jedoch den Zugang zum EU-Binnenmarkt verlieren, hätte das "erhebliche negative Effekte" für beide Seiten, warnt Helaba-Chefvolkswirtin Gertrud Traud. Derzeit profitiere der gesamte europäische Finanzmarkt von der Expertise und dem Netzwerk Londoner Finanzmanager, betont auch Felix Hufeld, der Chef der deutschen Finanzaufsicht BaFin.

Am Ende nur Verlierer

"Es gibt einige, die schon davon träumen, dass Frankfurt und vielleicht auch Paris und Luxemburg davon profitieren", erzählt Deutsche-Bank-Chef Fitschen. Er ist überzeugt, dass es am Ende nur Verlierer geben würde: "Deutschland verliert seine Mittellage. England wird reduziert auf ein kleines England, denn Schottland wird nicht dabeibleiben. Und das deutsch-französische Verhältnis wird angespannter sein." Europa sei im Vergleich zu den USA und China schon heute ein kleiner Wirtschaftsraum, betont Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des deutschen Bankenverbands. "Wenn dieser kleine Wirtschaftsraum noch kleiner wird, weil ein wesentliches Mitglied rausgeht, würde die Bedeutung Europas weiter sinken."

S&P-Analysten weisen in einer Studie darauf hin, dass der Status von Finanzmetropolen immer auch von der Entwicklung ihrer Heimatländer abhängt. Amsterdam sei im 18. Jahrhundert beispielsweise wichtiger gewesen als London. "Was auch immer in Europa in den nächsten Jahren passiert: Langfristig droht London aus Asien mehr Konkurrenz als aus Kontinentaleuropa."

08:24

VW: 22.000 Autos wegen Zuliefererstreit nicht gebaut

27.08.2016, 09:14

Deutsche Bank verkauft argentinische Tochter an lokalen Rivalen

27.08.2016, 08:36

Stada-Aktionäre stürzen Aufsichtsratschef

Kommentare

0 Kommentare

26.08.2016, 17:59

Europas Leitbörsen schließen einhellig mit Gewinnen

Rede der Fed-Chefin Yellen brachte keine Neuigkeiten - Vivendi und Mediaset zanken weiter wegen Übernahme.

26.08.2016, 14:41

Deutschlands Banken leiden - und die Politik schaut zu

Die Deutsche Bank und die Commerzbank fallen beim Blick auf Börsenwert und Renditen im internationalen Vergleich immer weiter zurück.

26.08.2016, 13:57

Stada: Aktivistischer Aktionär AOC bestreitet Zerschlagungsplan

Der aktivistische Stada-Aktionär Active Ownership Capital (AOC) hat Pläne für eine Zerschlagung des Arzneimittelherstellers bestritten.

26.08.2016, 11:04

VW-Dieselgate-Kosten türmen sich auf 25 bis 35 Milliarden Euro

Der Volkswagen-Konzern erhält immer mehr Klarheit darüber, was ihn der Skandal um manipulierte Dieselautos kosten wird.

26.08.2016, 10:16

VW zahlt US-Händlern mindestens 1,2 Milliarden Dollar

Wegen des Abgasskandals zahlt Volkswagen seinen rund 650 Händler in den USA Entschädigungen über insgesamt mindestens 1,2 Milliarden Dollar.

CA Immo Logo
Immofinanz Group Logo

Börsenkurse

Borsenkurse

Top 5

SCHOELLER-BL.54,353,50%chart

LENZING AG104,003,43%chart

CONWERT IMMO.15,402,67%chart

OMV AG25,221,88%chart

VERBUND AG14,101,77%chart

Flop 5

CA IMMOBILIE.16,44-0,87%chart

ERSTE GROUP .25,52-0,56%chart

BUWOG AG22,46-0,24%chart

OESTERREICHI.32,38-0,17%chart

TELEKOM AUST.5,10-0,04%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

SCHOELLER-BL.54,353,50%chart

LENZING AG104,003,43%chart

CONWERT IMMO.15,402,67%chart

FACC AG5,322,31%chart

FLUGHAFEN WI.25,501,98%chart

Flop 5

VALNEVA SE2,83-1,53%chart

KAPSCH TRAFF.39,60-1,12%chart

PALFINGER AG27,00-0,95%chart

CA IMMOBILIE.16,44-0,87%chart

MAYR-MELNHOF.98,00-0,68%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

VOLKSWAGEN A.122,562,03%chart

ADIDAS AG NA.152,570,77%chart

RWE AG INHAB.14,690,75%chart

SAP SE INHAB.77,820,68%chart

DT.T BANK AG.12,490,67%chart

Flop 5

VONOVIA SE N.34,83-1,62%chart

INFINEON TEC.14,99-0,79%chart

DT.T BOTRT A.75,76-0,78%chart

FRESENIUS SE.65,17-0,67%chart

DT.T L.FANA .10,35-0,65%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

Merck & Comp.62,850,85%chart

Intel Corpor.35,260,51%chart

Johnson & Jo.119,040,40%chart

Visa Inc80,570,31%chart

J P Morgan C.66,220,23%chart

Flop 5

Verizon Comm.52,07-1,29%chart

McDonald's C.114,44-0,86%chart

E.I. du Pont.69,65-0,84%chart

Coca-Cola Co.43,32-0,80%chart

Home Depot134,36-0,79%chart

Mehr

Börse Frankfurt

Borsenkurse

Top 5

VOLKSWAGEN A.122,562,03%chart

ADIDAS AG NA.152,570,77%chart

RWE AG INHAB.14,690,75%chart

SAP SE INHAB.77,820,68%chart

DT.T BANK AG.12,490,67%chart

Flop 5

VONOVIA SE N.34,83-1,62%chart

INFINEON TEC.14,99-0,79%chart

DT.T BOTRT A.75,76-0,78%chart

FRESENIUS SE.65,17-0,67%chart

DT.T L.FANA .10,35-0,65%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

HELLA KGAA H.35,901,76%chart

STEINHOFF IN.5,851,74%chart

COVESTRO AG .46,981,19%chart

RHEINMETALL .64,811,10%chart

HOCHTIEF AG .123,080,84%chart

Flop 5

LEONI AG NAM.32,60-4,25%chart

FIELMANN AG .69,23-3,03%chart

HUGO BOSS AG.55,29-1,61%chart

LANXESS AG I.47,60-1,21%chart

ALSTRIA OFFI.12,49-1,08%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

SCOUT24 AG N.34,082,70%chart

SGL CARBON S.11,302,68%chart

WUESTENROT& .17,481,95%chart

BERTRANDT AG.98,961,78%chart

DEUTZ AG INH.4,081,44%chart

Flop 5

HAMBORNER RE.10,36-2,63%chart

COMDIRECT BA.9,17-2,55%chart

BORUSSIA DOR.4,25-1,94%chart

WACKER NEUSO.13,39-1,90%chart

DIC ASSET AG.8,62-1,65%chart

Mehr
Borsenkurse

Top 5

NORDEX SE IN.25,142,19%chart

SILTRONIC AG.18,201,93%chart

JENOPTIK AG .16,151,72%chart

SLM SOLUTION.27,421,63%chart

CANCOM SE IN.42,941,14%chart

Flop 5

SMA SOLAR TE.31,77-1,71%chart

EVOTEC AG IN.4,39-1,59%chart

DRILLISCH AG.40,23-1,18%chart

SARTORIUS AG.69,88-1,17%chart

RIB SOFTWARE.9,26-1,04%chart

Mehr

Weltwährungen

USD
Mehr