10.02.2016, 13:47  von Kathrin Jones und Andreas Kröner/Reuters

Megadeal kommt nicht zustande: Vonovia verzockt sich

Der Megadeal auf dem deutschen Immobilienmarkt ist gescheitert. Vonovia verfehlt bei Deutsche Wohnen die Annahmequote deutlich.

Der seit Monaten tobende Übernahmekampf auf dem Immobilienmarkt ist entschieden: Deutschlands größter Wohnungskonzern Vonovia wird die kleinere Rivalin Deutsche Wohnen nicht schlucken. Die Bochumer konnten nicht genug Anleger von der feindlichen Offerte überzeugen. Mit 14 Milliarden Euro wäre es der größte Deal gewesen, den es je auf dem heimischen Markt gegeben hätte. Am Ende lag die Annahmequote nur bei gut 30 Prozent, wie Vonovia am Mittwoch mitteilte. Damit wurde die angepeilte Mehrheit klar verfehlt. Vonovia hatte die Schwelle im Januar sogar noch gesenkt, weil sich der Konzern sicher war, genug Inhaber von Wandelanleihen mit im Boot zu haben.[ID: nL8N15A26V]

Doch diese Rechnung ging nicht auf, wie Reuters bereits kurz vor der Bekanntgabe aus Branchenkreisen erfahren hatte. "Natürlich hätte ich mir ein anderes Ergebnis gewünscht, aber es ist so, wie es jetzt gekommen ist", erklärte Vonovia-Chef Rolf Buch. Beim Preis habe er nichts drauflegen wollen, das Auf und Ab an den Börsen sei auch nicht hilfreich gewesen, um eine große Transaktion auf die Schiene zu bringen.

Börsianer atmeten jedoch auf: Die Vonovia-Aktie zählte mit einem Plus von sechs Prozent zu den Spitzenreitern im Dax, Deutsche Wohnen zog um fast sieben Prozent an und war größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax.

Hoch gepokert

Bis zuletzt hatte Buch gehofft, dass der Poker knapp zu seinen Gunsten ausgeht. Denn beide Seiten haben seit dem Herbst mit harten Bandagen gegeneinander gekämpft und intensiv um die Gunst der Investoren geworben. Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn lehnte die Offerte vehement ab. Der Preis sei zu niedrig und die versprochenen Synergien unrealistisch. Jetzt zeigte er sich erleichtert: "Wir freuen uns und bedanken uns bei unseren Aktionären, Mitarbeitern und Mietern für die Unterstützung. Unsere Argumente gegen die Transaktion haben den Markt überzeugt."

Vonovia will das endgültige Ergebnis voraussichtlich am 15. Februar veröffentlichen. Der Branchenprimus hatte die Deutsche Wohnen im Oktober mit den Übernahmeplänen überrascht. Die Bochumer torpedierten damit - erfolgreich - einen anderen Deal: Eigentlich hatte die Deutsche Wohnen die auf Nordrhein-Westfalen fokussierte LEG Immobilien schlucken wollen, um zu Vonovia aufzuschließen. Dieses Vorhaben scheiterte schließlich am Widerstand der Deutsche-Wohnen-Aktionäre.

Beim geplanten Mega-Deal Vonovia/Deutsche Wohnen ging es dann für viele Profi-Anleger um eine Grundsatzentscheidung: Einige favorisierten den Zusammenschluss zu einem unangefochtenen Branchenriesen im Leitindex Dax. Andere wollten dagegen weiter die Wahl haben zwischen zwei börsennotierten Wohnungskonzernen mit unterschiedlichem Investitionsschwerpunkt. Vonovia verwaltet rund 370.000 Wohnungen und ist bundesweit aufgestellt. Die Deutsche Wohnen mit knapp 150.000 Einheiten fokussiert sich auf Berlin.

Die Top 10

Fünf der zehn größten deutschen Wohnungseigentümer sind bislang in kommunaler Hand, vier - darunter Vonovia und Deutsche Wohnen - sind an der Börse. Ein Überblick:

Wohnungen Eigentümer 1. Vonovia 367.000 börsennotiert 2. Deutsche Wohnen 154.000 börsennotiert 3. Vivawest 130.000 Evonik, RAG-Stiftung* 4. SAGA GWG (Hamburg) 129.000 Stadt Hamburg 5. LEG Immobilien 107.000 börsennotiert 6. TAG Immobilien 74.000 börsennotiert 7. Degewo (Berlin) 64.000 Land Berlin 8. Nassauische Heimstätte 61.000 Land Hessen 9. Gewobag (Berlin) 58.000 Land Berlin 10. Howoge (Berlin) 57.000 Land Berlin * und Gewerkschaft IG BCE Quelle: Barkow Consulting

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