02.02.2016, 14:56  von Reuters/schu

Ölpreis-Sturz und Firmenbilanzen setzen Europas Börsen zu

Bild: dpa

Der erneute Ausverkauf am Rohölmarkt und enttäuschende Firmenbilanzen haben die europäischen Börsen am Dienstag auf Talfahrt geschickt. Dax und EuroStoxx50 verloren jeweils rund 1,5 Prozent auf 9624 und 2967 Punkte.

Die richtungsweisende Rohöl-Sorte Brent aus der Nordsee verbilligte sich um bis zu fünf Prozent auf 32,53 Dollar je Barrel (159 Liter). Anleger werteten dies als Zeichen, dass es um die Weltwirtschaft alles andere als gut bestellt ist. Sorgen bereitete ihnen insbesondere die schwächelnde Konjunktur im wichtigen Absatzmarkt China. "Die Investoren gehen daher lieber auf Nummer sicher und lassen die Finger von Aktien", sagte ein Händler.

Neben der Furcht vor einem langsameren Aufschwung leidet Rohöl unter der weltweiten Überproduktion. Daher ist der Preis für den Rohstoff seit Mitte 2014 um etwa 70 Prozent eingebrochen. In den vergangenen Wochen aufgekommene Spekulationen auf eine Reduzierung der Fördermengen haben sich zerschlagen.

Hoffen auf weitere Konjunkturhilfen der EZB

Vor diesem Hintergrund griffen einige Anleger zu den als sicher geltenden Bundesanleihen. Dies trieb den Bund-Future, der auf den zehnjährigen Titeln basiert, 37 Ticks in die Höhe auf 163,35 Punkte. Parallel dazu verteuerte sich der Euro um etwa einen Viertel US-Cent auf 1,0918 Dollar.

Die deutschen Staatspapiere profitierten auch von erneuten Spekulationen auf eine Ausweitung der Wertpapierkäufe durch die Europäische Zentralbank (EZB). Die Währungshüter wollten sicher vermeiden, die Anleger mit einer zögerlichen Lockerung der Geldpolitik erneut zu enttäuschen, sagte Geoffroy Lenoir, leitender Anleihe-Experte des britischen Versicherers Aviva. Im Dezember hatte ein Verzicht auf die Aufstockung der Bond-Käufe im Volumen von 60 Milliarden Euro monatlich für einen Ausverkauf am Aktienmarkt gesorgt.

Ölpreis reißt Milliardenloch in BP-Bilanz – BHP unter Druck

Die Preisverfall von Brent & Co. hinterließ tiefe Spuren in der Bilanz des Ölkonzerns BP. Das britische Unternehmen fuhr 2015 einen Verlust von 6,5 Milliarden Dollar ein - so viel wie seit zwei Jahrzehnten nicht. "BP hat die Dividende zwar beibehalten, sie ist aber meilenweit davon entfernt, von den Einnahmen gedeckt zu sein", kritisierte Steve Clayton, Chef-Analyst des Brokerhauses Hargreaves Landsdown.

BP-Aktien brachen daraufhin in London um bis zu 9,3 Prozent ein. Das ist der größte Kurssturz seit den Turbulenzen nach der Explosion der Bohrplattform "Deepwater Horizon" 2010 und der anschließenden Ölpest im Golf von Mexiko. Im Sog von BP büßten die Konkurrenten Shell, Total, OMV und Repsol bis zu 4,6 Prozent ein.

Unter Verkaufsdruck geriet auch BHP Billiton, nachdem Standard & Poor's (S&P) die Bonitätsnote des weltgrößten Bergbaukonzerns auf "A" von "A+" gesenkt hatte. Ohne eine Stärkung der Kapitaldecke drohten weitere Herabstufungen, betonte die Rating-Agentur. Die schürte Spekulationen, dass BHP erstmals seit 15 Jahren die Dividende kürzen wird. Die Aktien des Erzförderers verloren sieben Prozent. Die Rivalen Rio Tinto, Anglo American und Glencore rutschten um bis zu 6,9 Prozent ab.

Am deutschen Aktienmarkt verstimmte ein zurückhaltender Ausblick von Infineon die Investoren. Daran änderte auch ein überraschend hoher Quartalsgewinn nichts. "Die Anleger nehmen lieber ihre Gewinne mit", sagte ein Börsianer. Die Papiere des Chip-Produzenten verloren 3,1 Prozent, nachdem sie in den sechs Monaten zuvor um fast 22 Prozent zugelegt hatten. Der Dax büßte im selben Zeitraum 13,7 Prozent ein.

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