09.02.2016, 18:24  von APA/schu

Krisenstimmung an Europas Aktienmärkten – den ATX zerlegt's

Börse Frankfurt / Bild: (c) dpa/Fredrik von Erichsen (Fredrik von Erichsen)

Auch am Dienstag haben Anleger europäische Aktien aus den Depots geworfen. Sie probten das Szenario einer Weltrezession, erklärten die Analysten der LBBW. "Die Krise ist da, auch wenn sie die Realwirtschaft noch nicht erreicht hat", stimmte ein Händler zu. Der ATX schließt unter 2000.

Auch am Dienstag haben Anleger Aktien aus den Depots geworfen. Händler sprachen von einer Krisenstimmung, die früher oder später auch die Realwirtschaft erreichen werde. "Der Orkan an den Börsen hat das Risiko einer weltweiten Rezession erhöht", sagte Analyst Jochen Stanzl vom Broker CMC Markets. Nachdem der Dax am Montag erstmals seit Oktober 2014 wieder unter 9000 Zähler gesackt war, verlor er am Dienstag weitere 1,1 Prozent auf 8879,40 Punkte. Damit summiert sich der Verlust der vergangenen zehn Monate auf mehr als 28 Prozent - im April 2015 hatte der deutsche Leitindex noch ein Allzeithoch von 12.390,75 Zählern markiert.

Der EuroStoxx50 fiel um 1,8 Prozent auf ein Zweieinhalb-Jahres-Tief von 2736,50 Punkte. An der Wall Street notierten der Dow-Jones - und der S&P500 -Index zum europäischen Handelsschluss 0,3 Prozent niedriger.

Der ATX ging erstmals seit August 2012 mit weniger als 2000 Punkte aus dem Handel.

Viele Börsianer hielten die Verluste in der Summe für übertrieben. Die Weltwirtschaft boome zwar nicht, doch sie wachse immer noch, erklärten die Analysten der LBBW.

Finanztitel wieder im Auge des Sturms

Als ein Grund für die Krisenstimmung gilt der Preisverfall beim Öl. Nordseeöl der Sorte Brent und US-Leichtöl liegen mit rund 32 und 29,40 Dollar je Fass (159 Liter) weiter in der Nähe ihrer im Januar erreichten Zwölf-Jahres-Tiefstände.

Zum einen signalisiert der niedrige Ölpreis nicht nur ein hohes Überangebot, sondern auch eine sinkende Nachfrage - ein schlechtes Omen für die Weltwirtschaft. Zum anderen hat der Rückgang der Preise um rund 70 Prozent seit dem Sommer 2014 das Potenzial, die ganze Energiebranche und mit ihr die Banken ins Tief zu reißen. Die Unterfinanzierung der Erdöl-Unternehmen gefährde den Bankensektor, der ihnen das Geld lieh, warnte Stanzl. Daher sind seit Wochen die Bankenwerte auf Talfahrt . "Bedenklich stimmen vor allem die hohen Volumina an faulen Krediten, die in den Bilanzen einiger Banken zu schlummern scheinen, ohne dass sie genau zu beziffern wären", warnten auch die Analysten der Metzler Bank.

Im Dax zählten am Dienstag erneut die Titel der Deutschen Bank mit einem Abschlag von 4,3 Prozent auf 13,23 Euro zu den größten Verlierern. Seit Jahresbeginn haben sie über 40 Prozent eingebüßt - trotz Beruhigungsversuchen der Bank. Noch am Montagabend hatte Deutschlands größtes Geldhaus bekräftigt, sie habe genug Geld, um neuartige Anleihen (Contingent Convertible Bonds, "CoCos") zu bedienen, die erst 2014 im Volumen von rund fünf Milliarden Euro ausgegeben wurden .

Die Papiere der Commerzbank verloren am Dienstag ebenfalls über vier Prozent. Auf Talfahrt waren nach einem Gewinnrückgang auch die Aktien von Unicredit mit einem Minus von 7,9 Prozent, obwohl die Italiener die Analystenerwartungen übertroffen hatten.

Euro klettert über 1,13 Dollar

In dem schwachen Umfeld wagte die Biotechfirma Brain den Gang an die Börse. Nach zeitweiligen Verlusten beendeten die Aktien den ersten Handelstag mit 9,0980 Euro über dem Ausgabekurs von neun Euro.

An den Devisenmärkten preisten viele Anleger eine baldige weitere Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed aus. Dies drückte die US-Währung: Ein Dollar kostete zeitweise nur noch 114,25 Yen, so wenig wie zuletzt im November 2014. Zugleich zog der Euro um mehr als einen US-Cent auf ein Vier-Monats-Hoch von 1,1324 Dollar an.

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