10.09.2012, 10:01  von Tim Schäfer, New York

"Wenn alle weglaufen, geht er zum Verhandlungstisch"

Prinz Al Waleed: 18 Milliarden $ Vermögen in 30 Jahren / Bild: EPA/Arhab

Interview. Jeffrey Towson erklärt im WirtschaftsBlatt-Interview das Erfolgsgeheimnis von Prinz Al Waleed, dem "arabischen Warren Buffett".

Interview. Jeffrey Towson arbeitete fast zehn Jahre als Assistent für Prinz Al Waleed, einen der reichsten Menschen der Welt. WirtschaftsBlatt-Korrespondent Tim Schäfer traf ihn in New York. Towson erklärt das Erfolgsgeheimnis des "arabischen Warren Buffett".

WirtschaftsBlatt: Herr Towson, Sie waren fast zehn Jahre lang Mitarbeiter von Prinz Waleed, was hat sie an ihm am meisten beeindruckt?

Jeffrey Towson: Ich war beeindruckt zu sehen, was eine Person alles erreichen kann in einem Leben. Es ist phänomenal, dass jemand eine Firmengruppe aufbauen kann, die rund um den Globus in 130 Ländern aktiv ist und Hotels überall besitzt. Ich hatte es immer für unmöglich gehalten, dass jemand so etwas in einem Leben erreichen kann. Fasziniert war ich, zu sehen, dass das Einzige, was nötig ist, um so etwas zu erreichen, Folgendes ist: Man muss sich auf eine Sache konzentrieren. Man braucht weder riesige Geldbeträge, noch muss man ein Genie sein.

Was haben Sie von Waleed außerdem gelernt?

Ich habe gelernt: Nichts kann einen aufhalten. Ich habe das nie zuvor für möglich gehalten, bis ich es mit eigenen Augen sah, wie er sein Leben gestaltet. Es war sehr inspirierend, für ihn zu arbeiten.

Wenn Sie auf sein Portfolio blicken: Wie legte er den Grundstein für sein Imperium?

Er war ein erfolgreicher Dealmaker im Mittleren Osten. Er begann Ende der 1970er-Jahre. Er war außerordentlich gut. Nach dem Ölboom in Saudi-Arabien in den 1980er Jahren änderte er seine Strategie. Er kaufte gestrauchelte Banken in Saudi-Arabien und leitete bei ihnen den Turnaround ein.

Wann folgte der Schritt in die USA?

Zehn Jahre später, in den 1990er-Jahren, tauchte er in den USA mit seiner Beteiligung an der Citibank auf. Seine Karriere zeigt uns, dass es wichtig ist zu wissen, wie man in den Emerging Markets investiert.

Was ist im Kern sein Erfolgsgeheimnis?

Er hat 30 Jahre lang Deals gemacht. Wenn Sie sich diese Deals anschauen, fällt auf, er widmet sich immer einem Thema. In den frühen 1980er-Jahren machte er nur Immobiliendeals in Saudi-Arabien. Das war wohl die profitabelste Strategie zu dieser Zeit. Als der Markt korrigierte, spezialisierte er sich auf notleidende Turnarounds. In den 1990er-Jahren nahm er sein Kapital und investierte es in den USA. Dort boomte es. Er hat die Gabe, die besten Strategien zur richtigen Zeit umzusetzen.

Wenn alle aufgeben, schlägt seine Stunde. Wenn alle von einem Deal weglaufen, geht er zum Verhandlungstisch.

Was ist an ihm anders als an all den anderen?

Es ist sein genereller Optimismus. Wenn alle aufgeben, schlägt seine Stunde. Wenn alle von einem Deal weglaufen, geht er zum Verhandlungstisch. Er ist bekannt für harte Deals, an deren Zustandekommen zunächst keiner glauben mag. Immer und immer wieder macht er solche Verträge. Er gibt einfach nicht auf. Warren Buffett hat die gleiche Gabe. Es ist dieser Optimismus.

Verfolgt Waleed ähnlich wie Buffett langfristige Strategien?

Ja, Waleed ist ein langfristiger Käufer von großartigen Firmen zu einem guten Preis. Buffett sucht nach Value, wenn Firmen vom Markt nicht richtig gepreist werden. Prinz Waleed ist dagegen ein Dealmaker. Er ist erstaunlich gut darin, Verträge zu strukturieren, die sehr viel Wert für alle Beteiligten am Tisch schaffen.

Ich möchte mein Portfolio je zur Hälfte auf Private Equity und Aktien ausbalancieren. Zuvor waren 80 Prozent von Private Equity bestimmt.

Sie fokussieren sich mit Ihrer eigenen Investmentfirma nun auf eine Value-Strategie in Asien...

Ich befinde mich an einem Wendepunkt in meiner Karriere. Ich machte lange Zeit Private Equity in den Schwellenländern. Jetzt möchte ich mich mehr auf börsenotierte Gesellschaften ausrichten. Ich möchte mein Portfolio je zur Hälfte auf Private Equity und Aktien ausbalancieren. Zuvor waren 80 Prozent von Private Equity bestimmt.

Warum der Strategiewechsel? Jetzt gibt es in China mehr Aktiengesellschaften, daher ändern wir unsere Strategie.

Es ist wohl ein Standortvorteil für Sie, in China zu sein? Wir sind seit mehr als einem Jahrzehnt in den Emerging Markets mit unserem Research. Das ist eine unserer Stärken. Es ist ein Vorteil. Wir eröffneten nicht zuerst ein Büro in New York, sondern in Shanghai. Wir betreiben unsere Geschäfte nicht in englischer Sprache, sondern nur in Chinesisch. Wir lesen nichts, was in Englisch verfasst worden ist, sondern befassen uns nur mit chinesischen oder lokalen Quellen. Wir lesen grundsätzlich keine Research-Studien von anderen, sondern machen ausschließlich unsere eigenen.

Wie funktioniert Value Investing in China? Blicken Sie auf die üblichen Bewertungskennziffern wie KGV oder Kurs-Buchwert-Verhältnis?

Ja, klar. Was anders ist, ist das Niveau der Unterschiede in der Börsenbewertung. Wir schauen uns Firmen an, die drittgrößter Anbieter sind, die aber an der Börse an achter Stelle geführt werden. Solche Situationen können wir finden. Wir suchen Firmen, die nur 20 Prozent des realistischen Werts zugebilligt bekommen. Wir haben gewiss nicht dasselbe Niveau an Sicherheit wie in den westlich etablierten Ländern, weil sich die Märkte in Asien viel schneller ändern. Dafür ist die Fehlbewertung umso größer. Insofern beunruhigt uns das nicht.

 

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-09-10)

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