07.01.2013, 09:52  von Stefan Ludwig

"Der Patient Eurozone ist klinisch tot"

Wie dem Sog der Finanzkrise entkommen? / Bild: colourbox

Interview. Mit einem Finanzbuch schaffen es Matthias Weik und Marc Friedrich in die Top 10 der Jahresbestsellerliste des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel". Sie sehen die jüngste Aktienrally als Vorzeichen einer neuen Blase, die in eine Hyperinflation mündet.

Mit Büchern schreiben Geld zu verdienen ist schwer. Ausgerechnet mit einem Buch über die Finanzkrise haben es die Autoren Matthias Weik und Marc Friedrich geschafft.Tatsächlich wurden sie vom Erfolg ihres Werks wohl selbst überrascht.

Auf die Jahresbestsellerliste des Spiegel schafften sie es mit dem Sachbuch "Der Größte Raubzug der Geschichte" auf Platz 10, beim "Manager Magazin" sind sie aktuelle auf Platz 6 der meistverkaufen Wirtschaftstitel.

Im Interview erläutern sie, warum früher oder später ein Neustart des Eurozone erfolgen müsse.

 

WirtschaftsBlatt: Die Notenbanken drucken Geld, die Aktienmärkte rennen - alles super, oder?

Matthias Weik: Mit den Staatsanleihenkäufen verstößt die Europäische Zentralbank gegen die EU-Verträge. Hier werden Entscheidungen durchgedrückt, die unter normalen Umständen undenkbar wären. Die Politik redet von "alternativlos" und "systemrelevant" - und zeigt wieder einmal, dass sie im Notfall lügt.

Weil die Politik den Euro um jeden Preis behalten will.

Friedrich: Mit den Rettungsmilliarden betreibt sie aber nur volkswirtschaftliche Schadensmaximierung. Südeuropa ist bankrott und dafür haften nun die Bürger der Währungsunion, indem die Schulden auf ihre Schultern verteilt werden.

Die Politik zeigt wieder einmal, dass sie im Notfall lügt

Matthias Weik, Buchautor

Aber wäre der Euroaustritt einzelner Staaten die bessere Alternative?

Weik: Die Auswirkungen eines Zusammenbruchs der Eurozone abschätzen können wir auch nicht. Aber eine Schuldentransferunion, wie wir sie im föderalen Deutschland zwischen den Bundesstaaten haben, funktioniert auf europäischer Ebene nach dem aktuellen Modell nicht. Alle ungedeckten Papierwährungen sind irgendwann zerbrochen.

Sie wollen die Rückkehr zu den nationalen Währungen?

Friedrich: Vielleicht wären die regionalen Währungen eine Lösung. Aber wir haben bei den Recherchen zu unserem Buch immer wieder festgestellt: Es gibt vielleicht nur den Crash als Lösung.

Weik: Wir sind von Europa überzeugt, aber momentan zerstört die Gemeinschaftswährung die Staatenunion.

Der Crash ist demnach unausweichlich?

Friedrich: Wir brauchen einen Neustart - wie auch immer der aussieht. Schulden mit Schulden zu begleichen geht auf Dauer nicht. Und die wachsende Liquidität ist brandgefährlich. Momentan ist der Patient Eurozone klinisch tot, aber keiner traut sich, den Stecker zu ziehen.

Ziehen wir mal in Gedanken den Stecker. Sie kritisieren massiv die Banken - wie würden Sie das Finanzsystem neu aufstellen?

Weik: Die Banken haben sich abgekoppelt vom Allgemeinwohl, weil sie wissen, dass sich für sie vor allem Risiken einzugehen lohnt - denn im Notfall zahlt der Steuerzahler.

Friedrich: Daher sollten Banker mit ihrem persönlichen Vermögen für ihr Handeln haften. Außerdem müssten Investmentbanken und Institute für Privatanleger strikt getrennt agieren. Und die Manipulationen der Märkte müssen aufhören. Die Auswirkungen des Libor-Skandals für Millionen Menschen weltweit hat ja noch kaum jemand begriffen. Glauben Sie nicht, dass die Märkte manipuliert sind?

Wahrscheinlich sind sie das, auch Draghi hat das ja jüngst gemacht. Gehört das nicht zur Psychologie des Marktes?

Weik: Aber indem Draghi die Börsen befeuert, kann er den DAX notfalls auch auf 10.000 Punkte katapultieren - umso härter wird dann der Aufprall werden.

Sie erwarten einen Crash samt Hyperinflation?

Friedrich: Ja, anders wird es nicht gehen - wenn nicht andere radikale Schritte eingeleitet werden, Schuldenschnitte etwa.

Dann wären die Staaten ihre Verschuldungsprobleme los.

Weik: Richtig, die Staaten und auch Banken hätten daran großes Interesse, wegen all der faulen Kredite. Es wäre für beide Akteure der einfachste Weg, um diese loszuwerden.

Und wie soll ich mich vor diesem Risiko schützen?

Friedrich: Wir empfehlen in unserem Buch vor allem Sachwerte. Edelmetalle wie Gold und Silber oder Grundstücke in Form von Wald und Ackerland. Das sind echte Werte, die sich seit Jahrhunderten bewährt haben.

Weik: Nur Sachwerte bieten Sicherheit, daher raten wir vor allem: raus aus allen Papierwerten wie Lebensversicherungen und Bausparverträge.

Und Immobilien?

Weik: Von Häusern auf Kredit raten wir ab - nur eine schuldenfreie Immobilie lohnt sich im Falle einer Währungsreform. In der Geschichte sind Hausbesitzer in der Hyperinflation oft anders behandelt worden. Der Staat wird alle Register ziehen und etwa neue Steuern erheben.

Wir erleben die Übernahme der Staaten durch die Finanzwelt

Marc Friedrich, Buchautor

Und wie würde sich der Staat anschließend besser aufstellen?

Friedrich: Die Finanzmärkte müssen stärker reguliert werden. Die Banken hatten zu viel Freiheiten, jetzt erleben wir eine feindliche Übernahme der Staaten durch die Finanzwelt. Gewinne wurden privatisiert, Verluste verstaatlicht. Dem muss ein Riegel vorgeschoben werden. Wir brauchen ein Wirtschaftssystem, das dem Menschen gut tut.

(WirtschaftsBlatt, Print-Ausgabe, 2012-09-21)

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Zu den Autoren

Marc Friedrich
In Argentinien erlebte Marc Friedrich einen Staatsbankrott mit und ist seitdem skeptisch, was den Bestand des Euros angeht. Bei der Schweizer Firma Venture Capital beschäftigte er sich mit Vermögensberatung.
Matthias Weik
In Australien hat Matthias Weik unter anderem BWL studiert. Gemeinsam mit Marc Friedrich hielt er bereits über 100 Vorträge und Seminare über Kapitalanlagen und die Risiken der Schuldenkrise.

Buch-Tipp

Der größte Raubzug der Geschichte
In angenehm zu lesenden Worten fassen die Autoren die aktuelle Finanzkrise zusammen und erläutern, wie nah das System vor dem Zusammenbruch steht. Das Buch entwickelte sich schnell zum Bestseller. Tectum Verlag, um 19,90 €.

Kommentare

9 Kommentare

Gast: beccon meint

Banken regulieren? Von wem? Dem Staat? Da kann man gleich seine Wurstvorräte vom Hund bewachen lassen.

Staaten und Banken sind die zwei Seiten der selben Medaille: Politiker machen Wahlgeschenke, die keinem weh tun sollen - also verschulden sie den Staat dafür. Das Geld kommt - woher wohl: von der Bank. Diese baut dann ein Portfolio aus Schulden auf, das sie den Kunden ins Depot drückt. Der Staat hilft dabei, indem er die Regulierung so gestaltet, daß die Investmentströme in Staatsanleihen gelenkt werden. So haben beide Seiten etwas davon.

Die Gelackmeierten sind die Kunden - Sparer und Unternehmer, denn sie werden genötigt, Geld in ein Faß ohne Boden zu werfen bzw. erhalten Kredite zu ungünstigeren Konditionen. Aber das ist nur schlecht fü diese Gruppen: Geht es der Wirtschaft schlecht gibt es weniger Umsatz und und weniger Arbeitsplätze. Dafür aber mehr Arbeitslose, die die Sozialindustrie bepföteln kann, damit mehr Beamte und Staatsangestellte. Womit wird das Ganze dann wohl bezahlt werden? Mit neuen Schulden. Und das Geld kommt ... von der Bank.

Mehr Regulierung kann nur eine Beschleunigung dieses Prozesses bishin zum absoluten Sozialismus ohne Privateigentum und Freiheit bedeuten. Wenn das soweit ist, sollte man schnell das Weite suchen, denn "Niemand hat die Absicht ..." den Rest kennen wir schon

verfasst am 07.01.2013, 21:31

Frage an den Bund der Steuerzahler

Bei der genauen Betrachtung Ihrer Website ist mir Folgendes aufgefallen.
Sie beschäftigen sich mit allen Steuerbelangen die man sich nur vorstellen kann.
Eigentlich fehlt nur ein einziger Betrachtungspunkt:

Warum müssen wir eigentlich Steuern zahlen?

Mit dieser Frage will ich Ihr Augenmerk auf die Geldschöpfung lenken, welche in allen Belangen des Finanzwesens, vor allem beim Studium der Wirtschafts(wissenschaften) völlig ausgeblendet wird.

Will man uns damit verheimlichen, dass die Geldschöpfung durch Privatbanken der eigentliche Grund für die Steuern ist?
Würde der Staat, alles Geld dass er braucht, um Schulen, Krankenhäuser, Kindergärten, Straßen, Brücken etc. zu errichten und zu unterhalten, würde der Staat dieses Geld selber aus der Luft schöpfen (Fiat Money) wie es die Privatbanken machen, dann bräuchte er doch keine Kredite aufnehmen, keine Zinsen zu zahlen, wäre nicht verschuldet und wir bräuchten deswegen keine Steuern zu zahlen?

Wir könnten all unsere Arbeitsleistung, unsere Fähigkeiten, unsere Fertigkeiten, all unser Wissen und unsere Kraft in die Bewältigung der Probleme zu stecken, die wir durch das derzeitige Schuldzinsgeldsystem erst bekommen haben. Wir könnten wirkliche Bildung finanzieren, alle Mütter oder Väter könnten zu Hause bei Ihren Kindern bleiben. Wir könnten eine wirklich lebenswerte Welt erschaffen.

Warum lassen wir es zu, dass die Banker und Politiker auf unsere Kosten wie die Maden im Speck leben?

verfasst am 07.01.2013, 21:29

Gast: Elvis meint

Wenn das Buch im gleichen Stil wie die aussagen der beiden sind ist es ein absoluter Kauf. Werde ich mir mal anschauen.

verfasst am 22.09.2012, 16:35

Das Buch ist genial. Schön, daß das Wirtschaftsblatt dies frühzeitig erkannt hat. Spricht für die Qualität des Magazins

verfasst am 21.09.2012, 19:26

Gast: caz meint

Der Weltuntergang ist momentan ja recht populär. Dass Autoren Bücher verkaufen wollen ist auch klar. Also wird hier der populäre Weltuntergang textmäßig verwurstet damit die Autoren damit gutes GELD verdienen

verfasst am 21.09.2012, 18:20

dann schaut euch mal das www.bandbreitenmodell.de an. Damit ist ein Neustart möglich. Umgesetzt durch die ddp.
Positionen
http://www.ddp-niedersachsen.de/positionen/
Leider in den MSM unterdrückt

verfasst am 21.09.2012, 16:24

Ich hab mir tatsächlich einige Eckpunkte dieses programms angesehen und das ist doch Irrsinn. Wollen Sie wirkliche jegliche Entscheidung das Volk befragen? Die Mehrheit des Volkes ist nicht sehr gebildet in Politik, Wirtschaft und Finanzen, dass ist auch völlig ok, ich bin nicht gebildet in Medizin. Das Volk in Wirtschaftspolitischen Entscheidungen zu befragen ist ungefähr das selbe als würde mein Arzt mich fragen wie er mein Herz operieren soll, und ich denke das ich das das nicht überleben würde

verfasst am 20.01.2014, 15:52


Will jedem das Buch der beiden empfehlen. Ist wirklich ein Meisterwerk.

verfasst am 21.09.2012, 13:19

Endlick wird mal Klartext gesprochen. Die beiden Autoren bringen es auf den Punkt!

verfasst am 21.09.2012, 11:17

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