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02.12.2012, 12:38 von Andreas Wolf
Weihnachtsrallies bescheren Anlegern mit den unterschiedlichsten Strategien regelmäßig schöne Gewinne / Bild: Colourbox
Viele geläufige Börsenregeln basieren auf traditionellen Verhaltensweisen in den USA, ergänzt um statistische Auswertungen aus 115 Börsenjahren beim Dow Jones. Vor allem für die besonders lukrativen Börsenmonate Dezember und Jänner hält die Statistik einige beachtenswerte Regeln bereit, mit denen auch noch etwas „Weihnachtsgeld" zu verdienen ist.
Zuerst bleibt festzuhalten, dass die letzten beiden Monate des Jahres mit einem Plus von 1,2 Prozent und der Jänner mit einem Zugewinn von 1,9 Prozent zu den ertragreichsten Phasen an den Aktienmärkten gehören. Diese Erkenntnisse sind nur vernachlässigbar, wenn der vorherrschende Trend nach unten zeigt. Dies ist allerdings aktuell nicht der Fall, im Gegenteil.
Zuerst „Depotpflege"
Allerdings verlaufen die damit verbundenen „Jahresendrallies" keinesfalls so einfach linear, wie es vordergründig ausschaut. Zuletzt war dies im November dieses Jahres zu beobachten, als sowohl Dow Jones als auch DAX zwischenzeitlich mehr als vier Prozent auf den Oktoberschlusskurs verloren.
Ähnliche temporäre Schwankungen könnte es nun auch nochmals im Dezember geben, denn es steht nicht nur der große Terminverfall von Optionen und Futures am 21. Dezember auf Aktien und Indizes bevor, sondern auch das beliebte „Window Dressing", also die „Depotpflege" der professionellen Investoren.
Im Fokus stehen hierbei in den USA vor allem die Indexgewinner und -verlierer. Aus steuerlichen Gründen finden deshalb bis Mitte des Monats groß angelegte Tauschoperationen statt, die zugunsten der Gewinner und zulasten der Verlierer gehen.
Das ändert sich schlagartig nach der Monatsmitte, weil dann steuertechnisch das jeweilige Börsenjahr bei Großinvestoren abgeschlossen ist. Von diesem Zeitpunkt an entwickeln sich die „schlechten" Werte des alten Jahres bis Mitte Februar besser als die Gewinner. Die in Verbindung mit dem „Window Dressing" aufgebauten Übertreibungen werden dann wieder abgebaut.
Eine andere Regel greift im Übrigen ebenfalls ab Mitte Dezember: Mittlere und kleinere Aktien beginnen große Indizes zu überrunden, entwickeln sich also besser und dynamischer.
Nebenwerte gesucht
Schon ab Ende Oktober lassen sich erste Ansätze dafür an den Börsen finden. Der Hauptgrund für dieses „Phänomen" liegt im „Anlagenotstand" der großen Investoren. Würden alle frei werdenden Anlagegelder nur in „Blue Chips" fließen, käme es recht schnell zu einer unangemessenen Übertreibung sowie häufiger zu „Aktienblasen". Bis Mitte Dezember werden daher zur „Depotpflege" vorsichtig erste, kleinere Positionen in den kleinen Indizes aufgebaut.
Mit dem steuerlichen Abschluss des alten Börsenjahres beginnt dann die richtige Rally der kleinen Werte, die bis Mitte Februar andauert. Bereits an den deutschen Indizes lässt sich der Erfolg dieser Strategie ablesen. Während der DAX in diesem Zeitraum „nur" um 1,7 Prozent in den letzten 17 Jahren im Durchschnitt zulegen konnte, gewann der MDAX knapp 4,7 Prozent. Überaus erfolgreich zeigt sich diese Vorgehensweise beim kleinsten Index, dem SDAX, der ganze sechs Prozent draufsatteln kann.
Noch etwas aussichtsreicher ist die Strategie des „Abfischens" von Top-Verlierern. Aktien, die zum Stichtag um den 15. Dezember herum ihre 52-Wochen-Tiefs erreicht hatten, legten in den vergangenen 17 Jahren in den USA in den darauf folgenden sechs Wochen im Durchschnitt um 13 Prozent zu.
Auch hier gilt, dass die Regel besonders in positiv verlaufenden Börsenjahren anzuwenden ist. In Baissejahren sollte man lieber die Finger vom „Abfischen" lassen.
Plus zur Jahreswende
Für alle Anleger, die insbesondere zwischen den Jahren noch ein wenig nach Rendite suchen, dürften hingegen die letzten fünf Börsentage des alten Jahres sowie die ersten zwei des neuen Jahres interessant sein. Wer am fünftletzten Tag in den S&P 500 oder den DAX in den vergangenen 17 Jahren investiert hat, erhielt am zweiten Handelstag des neuen Jahres im Durchschnitt beim Verkauf 1,5 bzw. 1,9 Prozent Gewinn zurück.
Es zeigt sich also, dass es gerade zwischen den Jahren lohnt, die eine oder andere Investition zu tätigen. Gerade in diesem Jahr dürften diese Strategien den Anlegern wieder große Freude bereiten.
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