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20.12.2012, 18:06 von Alexandra Brugger
Ursprünglich spezialisierte sich Blackstone darauf, Unternehmen zu kaufen, umzubauen und anschließend wieder profitabel zu veräußern. Heute zählt der US-Finanzinvestor zu den führenden Beratern bei Fusionen und Übernahmen und verleiht Geld. Allein über die Finanzierungssparte werden - verteilt über Fonds und andere Finanzvehikel - aktuell 55 Milliarden US-$ verwaltet. Blackstone agiert inzwischen wie eine Bank, nur dass Blackstone keine Bank ist.
Ebensolche Unternehmen bereiten aktuell Politikern und Finanzfachleuten auf der ganzen Welt Sorgen. Private-Equity-Fonds, Hedgefonds, Zweckgesellschaften, Broker oder Structured Investment Vehicles sind jene Finanzunternehmen, die nicht der Bankenaufsicht unterliegen. Sie bewegen sich demnach in einer Grauzone oder Schattenwelt, daher der Name.
Gut und Böse
Der Sektor ist per se jedoch nichts Negatives. Er spiegelt lediglich die immer komplexer gewordene Finanzwelt wider. Zudem kann dieser Bereich durchaus eine nützliche Rolle spielen. Etwa bietet er Anlegern Alternativen zur Bankeinlage oder die Möglichkeit der Risikodiversifizierung außerhalb des Bankensystems.
Kritisch wird es allerdings, wenn die damit verbundenen Risiken systemrelevant werden. Etwa dann, wenn es zu einem plötzlichen und massiven Mittelabzug durch die Kunden kommt. Zudem sind viele Schattenbanken in ihrer Tätigkeit mit dem regulären Bankensystem verbunden.
So leihen sich viele Hedgefonds zusätzlich zum Kapital ihrer Investoren Kredite von Banken. Können sie diese nicht mehr zurückzahlen, kommen diese in Bedrängnis. In der Finanzkrise trugen Abschreibungen auf ebensolche Kredite zu den Problemen vieler Banken bei.
Laut dem Jahresbericht des Finanzstabilitätsrates belaufen sich die Aktiva der Schattenbanken mittlerweile auf 67.000 Milliarden US-$. Vor zehn Jahren waren es noch 26 Billiarden US-$. Demnach hat sich das Volumen des Sektors innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt und es werden heute fast ein Viertel der Vermögenswerte im gesamten Finanzsystem über unregulierte Institutionen abgewickelt.
Regulierungen sind angesichts dieser Dimensionen längst überfällig. Doch gerade eine Schar an ebensolchen Regulierungen - wie etwa Basel II - haben dazu geführt, dass immer mehr Geschäfte in den unregulierten Bereich abgewandert sind.
„Es stellt eine erhebliche Gefahr dar, einen Sektor massiv zu regulieren und einen anderen nicht", gibt Josef Christl von Macro-Consult am Rande eines Journalistentreffens auf Einladung der Erste Group zu bedenken. Wichtig sei es, globale und vor allem umfassende Regulierungen zu implementieren.
Des Pudels Kern
Der Teufel liegt allerdings im Detail und die Schwierigkeiten der Umsetzung fangen schon bei der Frage an, was kontrolliert werden soll. Denn nicht alle Transaktionen sind für eine Volkswirtschaft gefährlich. Verspekuliert ein Fonds etwa das Geld seiner Anleger, ist dies zwar für diese bedauerlich, das Finanzsystem wird allerdings nicht in Mitleidenschaft gezogen. Verheerende Folgen hätte es allerdings, wenn der Fonds seine Investments mit Bankkrediten abgesichert hat.
Aufgrund dessen sind die Schattenbanken schon seit Längerem im Visier der Politiker. So prüft etwa Binnenmarktkommissar Michel Barnier Möglichkeiten, den Banken Grenzen bei der Auslagerung ihrer Geschäfte auf den unregulierten Bereich zu setzen. Zudem soll es in Zukunft auch striktere Sicherheitsstandards sowie Eigenkapitalvorschriften für Unternehmen geben, die bankähnlichen Geschäften nachgehen.
Insbesondere in den USA dürften diese Bemühungen allerdings auf Abneigung stoßen. Das Schattenbankensystem nimmt in den USA seit jeher eine besondere Stellung ein. So könnten strengere Regeln für diese die Konjunktur belasten. Und angesichts seiner Bedeutung ist klar, dass die Finanzkrise nur mit einer Erholung eben dieses Sektors überwunden werden kann.
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„Es ist eine erhebliche Gefahr, einen Sektor massiv zu regulieren und den anderen nicht“
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