15.01.2013, 21:07

Milliardenschwere Dell-Übernahme im Endspurt

Michael Dell in Nöten / Bild: (c) EPA/STR

Mega-Deal. Vier internationale Bankkonzerne sollen die bis zu 20 Milliarden Dollar schwere Transaktion stemmen.

San Francisco/New York. Der schwächelnde PC-Hersteller Dell sondiert eine Übernahme durch Finanzinvestoren. Nach Auskunft von zwei mit den Verhandlungen vertrauten Personen führt Firmengründer und Großaktionär Michael Dell dazu Gespräche mit Beteiligungsfirmen. Ziel sei, den US-Konzern von der Börse zu nehmen, um ihm mehr Zeit für eine Neuausrichtung zu geben. Doch Experten zweifeln daran, ob sich der auf knapp 20 Milliarden Dollar bezifferte Deal überhaupt stemmen ließe. Es wäre die größte Private-Equity-Transaktion seit der Finanzkrise. An der Börse rissen sich die Anleger um die Dell-Aktie. Der Kurs stieg um weitere fünf Prozent nach einem Plus von 13 Prozent bereits am Montag.

Gespräche im fortgeschrittenen Stadium

Dells Gespräche sind nach Angaben von Insidern in einem fortgeschrittenen Stadium. Mindestens vier Banken seien zu einer Finanzierung des Vorhabens angesprochen worden, erfuhr Reuters von zwei mit der Sache vertrauten Personen. Der Investor Silver Lake Partners führe das Vorhaben an. Er habe Ende 2012 mit der Credit Suisse, der Bank of America, Barclays und der Royal Bank of Canada gesprochen. Dell werde von JPMorgan beraten. Den Angaben zufolge kann es schnell zu einer Entscheidung kommen.
Dem "Wall Street Journal" zufolge dauern die Gespräche seit zwei bis drei Monaten an. Eine Einigung sei in etwa sechs Wochen möglich. Dell nannte die Berichte Spekulationen.
Analysten sprachen von grundsätzlich sinnvollen, aber schwer zu verwirklichenden Überlegungen. "Der Marktwert von Dell ist derart verfallen, dass ein Verkauf plausibel geworden ist", sagte Angelo Zino von S&P Capital IQ . "Andererseits erscheint es angesichts der schieren Größe Dells unwahrscheinlich." Die Investoren müssten wohl über 19 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. ISI-Analyst Brian Marshall sagte: "Während Umstellungsphasen kann es schwer sein, den kompletten Wert eines Unternehmens an der Börse abzubilden. Es könnte Vorteile haben, ein langfristige Transformation als Privatunternehmen zu vollziehen."

Neuausrichtung

Seit einiger Zeit versucht sich Dell neu aufzustellen - als Anbieter von renditestarken Dienstleistungen und Computern für Unternehmenskunden. Als Vorbild dient der IT-Gigant IBM, der sein PC-Geschäft einst an Lenovo verkaufte, sich auf Großrechner und IT-Services verlegte und damit erfolgreich ist. Ein solcher Wandel braucht aber Zeit, und auch andere klassische Hardwarehersteller versuchen auf den Trend aufzuspringen. Für viele Privatkunden sind die Angebote der traditionellen PC-Hersteller ohnehin unattraktiv geworden. Populäre IT-Angebote für Konsumenten stammen mittlerweile meist von Apple und Samsung.
Die Gespräche mit Finanzinvestoren haben eine Vorgeschichte: Bereits 2010 hatte Michael Dell, der mit 14 Prozent an seinem Unternehmen beteiligt ist, auf einer Investorenkonferenz erklärt, er habe erwogen, den Konzern von der Börse zu nehmen. Seinerzeit bedauerte er, die Transformation von Dell sei "unvollständig". Die Aussagen hatten bereits damals Spekulationen über eine Übernahme ausgelöst, allerdings überwogen an der Wall Street die Zweifel, ob ein Deal dieser Größe wegen des immense Finanzbedarfs machbar wäre.

Self-made Milliardär

Michael Dell hatte die Firma 1984 in seiner Studentenbude mit 1000 Dollar Startkapital gegründet. Zwanzig Jahre später legte er die Führung des Konzerns in die Hände seines langjährigen Vertrauten Kevin Rollins. Als Umsätze und Serviceeinnahmen schrumpften, kehrte er 2007 an die Spitze zurück. Die ersehnte Trendwende blieb aber weitgehend aus. Dell wurde von der globalen Wirtschaftskrise erfasst, der Siegeszug von Smartphones und Tablets setzt dem Konzern schwer zu.
Der einst weltgrößte PC-Hersteller verliert kontinuierlich an Boden. Im abgelaufenen Quartal schrumpfte dem Marktforscher Gartner zufolge Dells globaler Marktanteil binnen Jahresfrist um weitere zwei Prozentpunkte auf gut ein Zehntel. Der Nettogewinn brach im dritten Quartal um fast die Hälfte auf 475 Millionen Dollar ein, der Umsatz sackte um elf Prozent auf 13,7 Milliarden ab. Zudem hat sich ein Schuldenberg von rund 4,5 Milliarden Dollar angehäuft. Der rückläufige PC-Markt wird vom heimischen Rivalen Hewlett-Packard und Lenovo aus China dominiert. Nach Zahlen des Marktbeobachters IDC ist der PC-Absatz über Weihnachten erstmals seit mehr als fünf Jahren rückläufig gewesen.

(Reuters)

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