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20.01.2013, 11:27 von Andreas Wolf
Wenn eine Währung binnen kurzer Zeit gegenüber einer anderen um mehr als zwanzig Prozent abwertet, muss sich schon einiges an der fundamentalen Politik ändern. In Sachen Japan steht dieser Kurswechsel seit spätestens Ende Dezember mit der Wahl der neuen Regierung unter Premier Shinzo Abe fest. Im Gegensatz zu den sozialdemokratischen Vorgängerregierungen verschreibt sich die konservative LDP den Rezepten aus den Neunziger Jahren und möchte mit einer massiven staatlichen Finanzspritze die Wirtschaft wieder auf Wachstumskurs bringen.
Der erste Schritt dieser zweifelhaften Strategie ist die Ankündigung, ein großes Konjunkturprogramm zu verabschieden, und die Notenbank verstärkt japanische Staatsanleihen kaufen zu lassen.
An der Nachhaltigkeit der Wirkung dieser Schritte zweifeln die Märkte nicht. Seit Mitte November 2012 hat der Yen zum Euro von 100 auf 120 abgewertet. Dies ist die größte Abschwächung seit der Jahreswende 2000/01. Damals fiel der Yen von 90 auf 111 Yen zum Euro und leitete damit eine achtjährige Abwärtsphase ein, an deren Ende ein Kursniveau von fast 170 Yen stand. Ganz soweit sollte man jetzt noch nicht kalkulieren, klar ist aber, dass der Yen seinen vierjährigen Aufwärtstrend durchbrochen hat.
Kleiner Rückschlag
Im oben abgebildeten Chart sieht man das Währungsverhältnis aus Sicht des Euro (also Euro/Yen). Die Abschwächung des Yen bedeutet also zugleich eine Stärkung des Euro. Im November und Dezember hatten wir aus dieser charttechnischen Ausbruchsbewegung des Währungspaares auf einen „bullischen Keil" hingewiesen.
Diese Bewegung ist mit einem Plus von zwanzig Prozent für den Euro jetzt praktisch abgeschlossen. Ein Anstieg über den nächsten Widerstand von 123 Yen im aktuellen Zyklus wäre überraschend. Vielmehr ist zu erwarten, dass es aufgrund der schon sehr gestiegenen Erwartungshaltung nun zu einer Konsolidierung kommt.
Nach technischen Gesichtspunkten kann man dabei die sogenannten „Fibonacci-Regeln" anwenden, wonach jede Aufwärtsbewegung um 38,2, 50 oder maximal 61,8 Prozent korrigiert werden kann. Ein Rückschlag bei Euro/Yen könnte demnach in den nächsten Wochen bis in den Bereich 114 oder 111,50 Yen erfolgen. Diese Korrektur würde dann die notwendige Voraussetzung, für eine Fortsetzung der Erstarkung des Euro schaffen. Bis Ende 2013 sind so durchaus Kurse um 141 Yen möglich.
Konsolidierung bei Yen
Von der Abschwächung der japanischen Währung hat bereits auch der Aktienmarkt profitieren können. Der Nikkei 225 legte seit November 2012 um 27 Prozent auf fast 11000 Punkte zu. Aber auch hier dürfte das Ende der (kurzfristigen) Rally bald erreicht sein, denn bei 11400 Punkten wartet der nächste größere Widerstand. Sehr wahrscheinlich dürfte es hier zu einer Konsolidierung und einem Rücklauf bis in den Bereich um 10.200 Punkte kommen. Mittelfristig dürften die Aktienkurse aber von einem weiter fallenden Yen profitieren und den Yen im Verlaufe der nächsten zwölf bis 18 Monate bis in den Bereich um 14.000 Punkte hieven.
Fakt ist allerdings auch, dass das hoch verschuldete Japan derzeit eine große Party auf Pump feiert. Präsentiert die Regierung nicht bald auch ein Entschuldungskonzept, dürfte die Inflation stark steigen.
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