02.02.2013, 17:54

Wall Street setzt auf Rückkehr der Aktionäre

Bild: WB

Umverteilung. Die New Yorker Experten stehen vor einer zentralen Frage: Steht eine Umschichtung von Vermögen aus den Anleihe- in die Aktienmärkte in großem Stil bevor?

New York. Die New Yorker Anleger beschäftigt in der kommenden Woche eine zentrale Frage: Steht eine Umschichtung von Vermögen aus den Anleihe- in die Aktienmärkte in großem Stil bevor? Diese als "Great Rotation" bezeichnete Entwicklung ist mitten in der Bilanzsaison das Gesprächsthema an der Wall Street. Doch ob es sich dabei um ein realistisches Szenario oder eher um eine Hoffnung der Börsianer handelt, ist mit Blick auf die Statistiken nicht ganz so eindeutig: Zwar haben die Anleger im Januar massiv Geld in die Aktienmärkte gepumpt, doch dies ist für den Jahresauftakt nicht ungewöhnlich. Auch zweifeln einige Experten an der viel diskutierten Annahme, dass sich Kleinanleger inzwischen wieder in Scharen an die Börse trauen.

In den ersten vier Wochen des Jahres haben Investoren mehr als 20 Milliarden Dollar in die Aktienmärkte fließen lassen - so viel wie laut Lipper-Daten innerhalb von vier Wochen seit April 2000 nicht mehr. Doch im Vergleich zu den über 400 Milliarden Dollar, die seit Anfang 2008 von den Börsen abgezogen wurden, erscheint die Summe gar nicht mehr so riesig. Zudem gibt es im Januar verschiedene andere Gründe, in den Aktienmarkt zu drängen: Dividenden vom Jahresende oder aus Steuergründen veräußerte Anlagen werden wieder investiert. Auch ist eine solche Hoch-Phase des Aktienkaufs keineswegs immer in einen langfristigen Trend gemündet.

"Das hat es immer wieder mal gegeben", sagt Tobias Levkovich, US-Aktienstratege bei Citigroup. Bei einem Höhenflug der Börsen sei zu bestimmten Zeitpunkten wiederholt viel Geld in die Aktien geflossen, aber von Dauer sei das nicht unbedingt gewesen. Doch auch wenn es nicht gleich zur herbeigesehnten "Great Rotation" kommt, läuft es an der Börse gut: Der S&P legte den besten Januar seit 1997 hin und näherte sich seinem Allzeithoch von Oktober 2007. Der Dow-Jones-Index<.DJI> der Standardwerte knackte am Freitag die Marke von 14.000 Punkten und schloss auf dem höchsten Stand seit Mitte Oktober 2007. Zuletzt stärkten vor allem positiv aufgenommene Zahlen vom US-Arbeitsmarkt den Konjunkturoptimismus der Anleger.

Die jüngsten Höhenflüge der Indizes nährten Spekulationen, dass ein Run der Kleinanleger auf die Aktienmärkte begonnen hat - weg von den als sicher geltenden Bondmärkten. Doch Experten gehen eher davon aus, dass Kleininvestoren nach der Finanzkrise vorerst weiter vor Aktienkäufen in großem Stil zurückschrecken. "Viele Leute zögern noch, sich mit Herzblut am Aktienmarkt zu engagieren", sagte David Joy, Chefmarktstratege bei Columbia Management Advisors. Zudem seien im Januar auch mehr Mittel in die Anleihemärkte gebracht als abgezogen worden - so dass von einer Umschichtung kaum die Rede sein könne.

In dem Unwissen, ob die "Great Rotation" Wahrheit oder Wunschdenken ist, können sich die Anleger in der kommenden Woche auf die Fortsetzung der bisher recht gut verlaufene Bilanzsaison konzentrieren. So legt unter anderem der Unterhaltungskonzern Walt Disney am Dienstag seine Zahlen vor, gefolgt vom Kreditkartenunternehmen Visa am Mittwoch. Zudem dürften sie ihren Blick in den kommenden Tagen auch auf Europa richten, wo Börsianer von den Ratssitzungen der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank von England (BoE) aber keine Veränderungen der Geldpolitik erwarten.

 

(Reuters)

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