19.01.2016, 23:05  von Manfred Haider

Defensive Aktien: Eine Reaktion wie aus dem Lehrbuch

Konsumgüteraktien halten sich in turbulenten Zeiten meist besser, denn gegessen wird schließlich immer. / Bild: (c) © 2015 Bloomberg Finance LP

Alle Branchenindizes aus dem StoxxEurope 600 notieren seit Jahresbeginn im Minus. Klassische Defensivwerte wie Konsum, Versorger oder Telekom hielten sich deutlich besser.

Der Jahresstart 2016 an den Börsen ist vollkommen missglückt. Der breit diversifizierte Stoxx Europe 600 Index ist um 8,6 Prozent gesunken. Noch trauriger sieht die Bilanz aus, wenn man die 600 Indexwerte in 19 Branchengruppen unterteilt: Keine einzige Branche notiert seit Jahresbeginn im Plus.

Es zeigt sich aber auch, dass jene Branchen, die relativ glimpflich davon gekommen sind, allesamt als defensiv gelten. Es ist eine Marktreaktion wie aus dem Lehrbuch: Wenn die Unsicherheit steigt und die Börsen allesamt einbrechen, schichten Anleger auf Aktien von Unternehmen um, die Produkte oder Dienstleistungen herstellen, die auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten gefragt sind. Beim Kauf von Nahrungsmitteln, Haushaltsartikeln, Medikamenten und der Energieversorgung sowie der Handynutzung wird meist als letztes gespart. Am glimpflichsten davon gekommen, ist mit einem Minus von fünf Prozent heuer bislang die Nahrungsmittelbranche.

Defensiv ist weiter Trumpf

Autos zählen zwar auch zu den Konsumgütern, aber zu den zyklischen. Wenn die Zeiten schlechter werden, wird der Neuwagenkauf eben hinausgeschoben. Mit einem Abschlag von 15 Prozent ist der Branchenindex am zweit schlechtesten gelaufen. Noch schlechter lief es bei Rohstoffwerten. Der Preisrückgang hat zwar vielfältige Gründe, aber wenn die Industrieproduktion sinkt, sinkt auch der Bedarf nach Eisenerz, Kupfer oder Erdöl.

Dazu passend hat der Internationale Währungsfonds gestern seine Konjunkturprognose gesenkt, weil er erhebliche Risiken für die Weltwirtschaft sieht. Zudem meldet China mit einem BIP-Zuwachs von 6,9 Prozent das schwächste Wirtschaftswachstum seit 25 Jahren.

Das heißt jetzt nicht, dass die Aktienkurse am Jahresende nicht neuerlich höher notieren könnten als heute, denn die Geldschwemme der EZB deckt viele Probleme zu. Da am Zinsmarkt nichts mehr zu verdienen ist, könnte weiterhin viel Geld in den Aktienmarkt fließen.

„Ich glaube, dass sich defensive Werte besser entwickeln werden, weil die Unsicherheit in Europa und der Welt wächst“, sagt der Kapitalmarktexperte und Baader Bank-Gründer Uto Baader zum WirtschaftsBlatt. Baader glaubt, dass das Geld, das EZB-Chef Mario Draghi quasi mit dem Helikopter verstreut nicht die Inflation ankurbeln wird. Er dürfte also sein Ziel verfehlen, dass die Menschen mehr Geld ausgeben.

„Zinsen haben normalerweise eine Werterhaltungsfunktion, die haben sie derzeit nicht“, sagt Baader. Der Preis des Geldes habe für gewöhnlich aber auch eine Lenkungsfunktion. Er lenkt das Geld dorthin wo es die besten und richtigen Investitionsmöglichkeiten gibt. Dadurch, dass aber die Zinsen künstlich gedrückt werden, zeige der Markt nicht mehr an wo die besten Investititonsmöglichkeiten sind. Der Markt zeige nicht die Wahrheit an. „Deshalb werden heute sehr viele Investitionen getätigt, die man eigentlich nicht tun dürfte“, warnt Baader.

Das werde sich irgendwann in sinkende Aktienkurse niederschlagen und defensive Werte werden besser wegkommen. Auf die Frage wann das sein wird, sagt Baader: „Das weiß nur der liebe Gott und ein Lügner – sprich jemand, der im Nachhinein sagt, er hätte es gewusst“. Er wisse nur eines mit Sicherheit: Wenn der Herr Draghi diese Politik verschärft, kommt die Wende schneller. „Er meint, er hilft den Südländern, tut es aber nicht. Er hilft nur den Staaten weiterhin die falsche Politik zu machen und Schulden aufzubauen“. Das sei ein großer Fehler.

Unilever ist attraktiv

Gestern setzte der Aktienmarkt in Europa zur Erholung an. Gut angekommen ist auch, dass Konsumgüterriese Unilever (Knorr, Magnum-Eis ...) den Umsatz 2015 um zehn Prozent auf 53,3 Milliarden € steigern konnte. Selbst in den Emerging Markets, wo die Konjunktur abkühlt, gab es ein Plus von 7,1 Prozent, davon 4,3 Prozent aus Preiserhöhungen.

Im Attraktivitätsranking der Konsumgüteraktien landet Unilever nach Danone auf Platz 2. Die Dividendenrendite von 3,24 Prozent ist eine der höchsten der Branche. Generell fällt aber auf, dass die KGVs in der Branche vielfach schon bei mehr als 20 liegen. Nestle liegt mit 15,5 noch darunter (Nespresso, Nestea...). Der weltgrößte Nahrungsmitelkonzern kündigte an, in China künftig mit dem Onlinehändler Alibaba zu kooperieren. Dadurch soll der Konzern in China auch bekannter werden.

Einen Kursrutsch gab es am Montag hingegen bei Henkel, nachdem der erfolgreiche CEO Kasper Rorsted angekündigt hatte, dass er demnächst auf den Chefposten von Adidas wechselt.


[LVMJN]

("Wirtschaftsblatt", Print-Ausgabe, 20.01.2016)

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